Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 84-85 (27.10.1902)
- Date
- 1902-10-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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i i 1 i m t: -'4C n &! I -Jsx. Elementarschule auf ein Niveau gebracht wurde, j welches das der übrigen Volksschulen seines Schulbezirks^ weit überrage. .'. Aehnlich lautete das Herrn Lehrer Schloß von Seiten seiner Collegen gesprochene Zeugniß. •: Die Verwaltung der politischen Gemeinde überreichte dem Jubilar ein prachtvoll ausgestattetes Ehrendiplom, das ihn zum Ehrenbürger ernennt, wodurch dessen vorzügliches Einvernehmen mit allen Theilen der Gemeinde am besten dokumentirt wird. Es folgte eine gemüthliche Unterhaltung mit theatralischen Aufführungen, welche bis tief in die Nacht hinein dauerte, und unter allgemeiner Befriedigung gingen die Teilnehmer auseinander. Möge es Herrn Lehrer'Schloß beschieden sein, noch recht lange seines Amtes zu walten. Ungarn. Budapest, 22. Olt. (Die Sabbatw eihe und d e r M i n i st e r.) Der ungarische Unterrichts- Minister v. Wlassirs, gab wieder einmal den schlagenden Beweis dessen, daß die Gewissensfreiheit jeder Konfession durch ihn vollauf respektirt werde. Herr v. Wlassics verordnete nämlich, daß im Interesse jener jüdischen Schüler, die am Sabbat vom Schreiben befreit sein wollen, der Dispens ganz erleichtert werde. Ohne jede Beschränkung, bloß auf Verlangen der Eltern, muß nunmehr der Direktor der bezüglichen Anstalten diese Ausnahme bewilligen. Fra n f rci ch. Paris, 21. Okt. Der ehemalige Generalprokurator Manau, welcher in seiner amtlichen Eigenschaft das Schwurgerich'tsurtheil gegen Zola vom Kassationshof aufheben ließ und dessen letzte Amtspflicht die Anordnung der Revision des Dreyfus-Prozesses gewesen ist, schreibt in einem Briefe an eine normannische Zeitung: „Trauer erfüllt meine Seele. Ich vermische meine Thränen mit den Thränen Frankreichs und der ganzen Welt, aber ich kann meine Entrüstung, meinen heiligen Zorn nicht meistern gegenüber dem herzbrechenden Schauspiele, welches Leute bieten, die Christen zu sein behaupten. Ohne Achtung vor dem Tode begeifern sie dieses edle Grab und begehen noch die Heuchelei, an ihm niederzuknieen und sich gegenüber diesem gütigen Manne eine lächerliche Verzeihüngsgewährung zu erlauben.. Uns steht es zu, jenen ewigen Feinden der Wahrheit und Gerechtigkeit ihre bewußten Verleumdungen, ihre unfläthigen Beleidigungen zu verzeihen. Was mich betrifft, der ich ebenso wie er insultirt worden bin, bleibe ich glücklich und stolz, daß ich das von Zola begonnene Werk fortsetzen konnte. Zola's Anklagebrief, welcher zu.meinem großen Bedauern, ich gestehe es, zunächst die Äffaire Dreyfus von dem Rechtswege abirren ließ, welchen das Gesetz ihr gesichert, hat nichtsdestoweniger unter den vielfachsten Gefahren für ihn selbst die Thür der Revision geöffnet,'und als vor den gesetzlichen Richtern am Obersten Tribunale die Frage aufgeworfen wurde, hat der höchste Gerichtshof/ anerkannt: daß Dreyfus.1. auf ein falsches Beweisstück hin verurtheilt wurde, das ihn nicht betraf. 2. auf ein Borderau hin, das er nicht geschrieben hatte. — Und merkwürdigerweise wurde derjenige, der es geschrieben, freigesprochen. Es gibt heute trotz Allem, was seither sich ereignet hat. Niemanden, nicht einmal unter Jenen, welche ihren politischen Leidenschaften ergeben blieben und niemals die Waffen strecken werden, der ' zu behaupten wagte, das Borderau, welches zur Berurtheilung Dreyfus' führte, sei von Dreyfus' Hand geschrieben. Warum legen sie nicht die Waffen nieder? Aber Geduld! Das ist mein letztes Wort: Die Frage der Gerechtigkeit, wenn es sich um die Unschuld und die Ehre eines Mannes handelt, ist unverjährbar. Im Namen des Gesetzes wird eines Tages trotz Allein die Rehabilitirung Dreyfus' ausgesprochen werden. An diesem Tage werden Jene, die uns überleben, eine schöne Mission zu erfüllen haben. Sie werden auf das Grab Zola's das Urtheil tragen oder es am Sockel' feines Denkmals eingraviren müssen — dieses Urtheil, welches seinen Anklagebrief vollkommen rechtfertigen und das Buch „Justice" ersetzen wird, das seine zu früh erstarrte Hand nicht mehr Zeit hatte zu schreiben. Dieser Tag wird ein Tag der Glorifikation sein für Zola, für Dreyfus, für die Gerechtigkeit, für Frankreich." So äußert sich der neunzigjährige Mann, der ein halbes Jahrhundert eine Zierde des französischen.Richterstandes gewesen ist. — Die nationalistischen Blätter sind darüber außer Rand und Band, daß Alfred Dreyfus, der übrigens auch die letzte Nacht am Sarge Zola's gewacht hatte, sich beim Leichenbegängniß Zola's-der Bevölkerung von Paris gezeigt hat, ohne daß er zerrissen worden wäre. In der „Patrie" gibt Millevohe seinem Unmuthe Ausdruck; er klagt, daß das Volk betrogen worden sei, indem man es gjäuben machte, Dreyfus werde nicht zur Leichenfeier für Zola komwen. „Diese Anhänger des Lichtes", schreibt Millevoye, „haben ihren Schützling eingehüllt, versteckt und .selbst hinter dem Sarge unsichtbar gemacht. „Ist er da?" 7— fragten sich die Neugierigen. Man konnte ihnen kerne Antwort geben. Vergeblich suchten ihn Aller Blicks Ist es ein Mensch, ist es ein Phantom, was man gestern an der Stätte des Todes zu sehen glaubte? Er war da, der Dreyfus, aber seine Komplizen haben seine Anwesenheit erst in dem Augenblicke enthüllt, als er einer. Berührung mit der Menge entrückt war. Giebt es ein sprechenderes Geständniß der Furcht? fragt schließlich Millevoye, nach dessen Ansicht, wie es scheint, Dreyfus sich der Menschenmenge vom Trauerzuge, aus hätte vorstellen sollen, um dem Wunsche der Nationalisten entgegenzukommen.". 5