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Der Israelit · 1902-11-20 · Heft 92 (20.11.1902) · page 31

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 92 (20.11.1902)
Date
1902-11-20
Page
– (sequence 31)
Language
German
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Vereins „Zions", der den Gegenstand des allgemeinen Alarms auf seiner Tagesordnung hatte. Die Versammlung fand am Sonntag, den 2. d. Mts., statt,- wohlgemerkt also vor dem Erscheinen Ihres Artikels. Der Verein „Zion" ist die größte zionistische Gruppe am Ort und besteht gleicher Weise aus Akademikern und Nichtakademikern: alle aber schienen in gleicher Weise durch den Fall erregt. Herr Vicepräses I. P r o p s e r stellte den folgenden Antrag: „Der Verein „Zion" mit den zwei anderen gleichgesinnten zionistischen Vereinen Berns ersucht das Landestomitee, es möge den „Akadem. Zionistenverein", der durch seinen Beschluß, am Jom Kippur zu kochen, sich in Gegensatz zum Baseler Programm gestellt hat, aus der Liste der Schweizer Zionisten-Vereine streichen." (Langandauernder Beifall.) Herr cand. phil. Sinnreich unterstützt energisch den Antrag. Nicht das Häuflein Akademiker, dieser geringe Vruchtheil der Berner zionistischen Akademiker, überhaupt nicht Akademiker und Doktrinäre fördern die Zionsidee und machen sie aus, sondern die Masten unseres Volkes im europäischen Osten, das treu an dem Glauben der Väter hänge und sich keine Angriffe auf denselben bieten laste. Diese Masten in ihren heiligsten Gefühlen verletzen, hieße dem Zionismus seine Grube graben. Mit gleicher Schärfe sprachen Herr cand. Phil. Danzig und cand. phil. S a l k i n d; der letztere geht schwer mit der Fraktion in's Gericht, deren Einfluß dem Zufall zuzuschreiben sei, und die aus falschverstandenem Individualismus heraus, zugleich unter dem Vorgeben demokratischer Gesinnung, meine, mit dem geistigen Besitzstand der Masten willkürlich und selbstherrlich umspringen zu können. Herr cand. phil. Auerbach führte aus, auch der freisinnige Zionist müsse nicht weniger entschieden gegen solch unerhörtes Vorgehen Stellung nehmen. Es bedeute eine Verletzung des historischen Lebensträgers des jüdischen Volkes, durch das es alle Leiden seines Golusdaseins überdauern möchte. Herr Präsident cand. phil. Abrahamsohn demonstrirt überzeugend, welch' großer Schaden die zionistische Agitation bedrohe, wenn solche Akte Nachahmung fänden, welche scharfe Waffe insbesondere die Gegner des Zionismus daraus schmieden könnten. Er bekräftigt seine Befürchtung aus eigener Erfahrung in agitatorischer Arbeit. .. Es sprachen in gleichem Sinne Herr Hauser, Schars, Waldhorn und andere; keine einzige Stimme wich von dem Grundton ab. Mit uneingeschränkter Einmüthigkeit beschloß die Versammlung: 1) Es wird die schärfste Mißbilligung, volle Verachtung und tiefster Abscheu gegenüber dem Vorgehen des „Akadem. Zions-Verein" ausgesprochen. Gleichzeitig wird auch eine vollständige öffentliche Lossagung von dem Vereine dokumentirt.. '; 2) Es sei in der Parteipreffe diese niederträchtige Handlungsweise nach Gebühr in schärfster Weise zu tadeln. V; : 3) Es sei in Gemeinschaft mit den zwei anderen Zionsvereinen beim Landeskomitee der Ausschluß die- ~ ses Vereins von der Liste der schweizerischen Zionsvereine zu beantragen. Um letzteren Punkt zur Ausführung zu bringen, fand am 4. d. Mts. eine Vorstands-Konferenz dieser Vereine statt, die auch von einem Landeskomitee-Mitglied besucht war. Es sind auch Beschlüsse gefaßt worden, daß die drei Vereine sich energisch zur Wehr setzen, mit dem nicht schmeichelhaft klingenden Namen Zionisten „Berner Kalibers" geschmückt zu werden. Die Erklärung soll im „Israelit" veröffentlicht werden. In gleicher Woche haben junge Leute wieder die üblichen Kurse, oder echt jüdisch gesagt D'iWtf ausgenommen. Es sind zumeist Herren, die vor dem Examen stehen. Ihren yiap igr» wollen sie aber unter keiner Bedingung aufgeben. Diese Herren sind auch Zionisten. Diesen echt frommen jungen Akademikern u. Zionisten „Berner Kalibers" fällt wohl auch eine Schuld zu? Hat der Zionismus vielleicht auch diese Herren zu heg or-Negierern gemacht? Das muthet man den Schülern der beiden Frankfurter Jeschibos zu! Es ist ein Unglück, daß der Akadem. Zionistenverein einen solchen irreführenden Namen trägt. Es ist darum nicht unnöthig, nochmals zu betonen, daß die ym vr-Negierer einen überaus geringen Vruchtheil der zionistischen Akademiker betragen. Dagegen verkehren in der Pension Schneider, Sammelpunkt aller Religiösen und Schulchan Aruch- Juden, sowie National-Juden, fromme, streng-fromme Studenten, denen der Zionismus doch eine ehrliche Sache ist. Gottfried Freudmann, cand. phil. F e u i l l e t o rr. IiittMiki» eines Weckm AMtrWs. Ein November-Freitag-Morgen. Ich hatte, aus Deutschland kommend, in Amsterdam eine Stunde Aufenthalt, die ich dazu benutzte, mir holländisches Geld einzuwechseln und ein Barmizwah- Geschenk zu kaufen. Am Central-Bahnhof standen eine Menge dienstthuender Geister von jeder Altersstufe, die laut schreiend und aufdringlich ihre Dienste mir anboten. ' Ein schmucker Mann, mit dem städtischen Nummern- - band um den Arm, unterschied sich wohlthuend durch

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