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Der Israelit · 1902-11-20 · Heft 92 (20.11.1902) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 92 (20.11.1902)
Date
1902-11-20
Page
– (sequence 18)
Language
German
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auf dem idealen Opfersinn Einzelner beruht, zu kämpfen hat, um seine Existen-. zu wahren, wird man das Gefühl inniger Befriedigung, mit welchem die Mitglieder dieser Feier entgegensetzen, begreifen. Trotz aller Fährnisse, die im Lau'e der Zeit die Entwickelung, ja selbst den Bestand der Vereinigung zu erschüttern drohten, erstarkte die elbe mit den Jahren zusehends. Aus einem Minjan. das sich vor 50 Jahren auf Anregung des sel. Herrn (4. Brach zur gottesdienstlichen Uebung zusammengefu-nden hat, ist ein großer Verein entstanden, dessen Ins itutionen heute allgemein anerkannt werden. Der Gottesdienst, wie er in der im Verhältniß zur Mitgliederzahl kleinen, aber recht stattlichen Synagoge abgehalten wird, vollzieht sich in den altgeheiligten Formen und ist stets von erhabener Weihe getragen, welche aus jeden Theilnehmer den wohlthuendsten Eindruck ma$t. Zwei Kantoren des Vereins, die Herren Stabinsty und Neustadt, sind von der hiesigen jüdischen Gemeir'de, Herr Kantor Drujan von der Gemeinde Basel übernommen worden. Die Prediger, welche in Ähawar Scholaum thätig waren, stehen heute als Rabbiner an der Spitze angesehener Gemeinden. Seit sieben Jahren wirkt Herr Dr. Salo Stein als Prediger und all'. Direktor der Religionsschule. Letztere, die er mit zwölf Schülern übernommen hat, ist unter seiner sachkundigen Leitung auf über 100 Schüler angewachsen. Die Verwaltung der Gemeinde nach außen hin, welche seit zwölf Jahren in den Händen des opfersinnigen, z'ielbewußten ersten Vorsitzenden Herrn Rentiers I. Hirschberg ruht, hat nie die Mittel gescheut, den ideal:n Bestrebungen nachdrücklichste Förderung zu widmen. Die Wohlfahrts-Einrichtungen des Vereins sorgen nach äußerster Möglichkeit für das Wohl bedrängter Mitglieder und Nichtmitglieder, nicht zuletzt für dasjenige der unbemittelten Kinder der Religionsschule. Die Fürsorge für die letzteren hat der Frauen-Vrrein übernommen, welcher unter der hingebungsvollen Führung der Vorsteherin Frau Bernstein seinen schönen Pflichten mit.rastloser Energie obliegt und auch dieses Jahr eine Chanukkah- Veschenkung veranstalten wird. Zum weihevollen Gedenken des Gründungstazes findet am Sonntag, 30. November, Nachmittags 4 Uhr, in der Vereins-Synagoge, Linienstraße 107, eine religiöse Feier statt. An derselben werden Mitglieder theilnehmen, welche über vierzig Jahre dem Verein angehören. Der Eintritt in die Synagoge ist an dem Festestage nur unter Vorweisung einer Einlaßkarte gestattet. Wir wünschen dem Verein ein weiteres kräftiges Gedeihen. Affaltrach, 16. Nov. (Württembergische Schulsorgen.) Den Landtag beschäftigt z. Zt. eine Schulgesetzvorlage. Unter anderem soll auch Artikel 2 des Volksschul-Gesetzes vom 1.1836 abgeändert werden. Dieser Artikel lautet: „Gegenstände des Unterrichts in den Volksschulen sind: Religions- und Sittenlehre, Lesen, Schreiben, deutsche Sprache, Rechnen und Singen." Die Realien und das Turnen wur- - den später durch Ministerial-Verfügung eingeführt. Nun sollen diese Fächer und noch einige andere durch das Gesetz obligatorisch gemacht werden. Art. 1 der neuen Vorlage bestimmt: „Der Unterricht in den Volksschulen hat nachstehende Gegenstände zu umfassen: Religions- und Sittenlehre, Lesen, Schreiben, deutsche Sprache. Rechnen mit Raumlehre. Geschichte, Erdkunde. Naturgeschichte, Naturlehre. Singen und Zeichnen, für die Knaben Turnen, für die Mädchen weibliche Handarbeiten." . Nun ist aber die Pflichtstundenzahl, die dreißig Wochenstunden beträgt, nicht erhöht worden. Die Zeit für die neuen Fächer soll durch Reduzierung der für den Religionsunterricht ausgesetzten Stundenzahl gewonnen werden. Diese ist allerdings in Württemberg reichlich bemessen gewesen. Zur Zeit stehen dem Religionsunterricht fast ein Drittel der Wochenstunden, in den israelitischen Volksschulen gar 11^ bis 12l/2 Stunden von den 30 Pflichtstunden zur Verfügung. Nach den Verathungen der Kommission hat es den Anschein, daß mehr als 5—6 Wochenstunden für den Religionsunterricht künftig nicht mehr zu erhalten sind. Die Lehrervereine wünschen eine noch größere Reduzierung. Welche Stellung haben die isr. Lehrer im Interesse der israelitischen Volksschule dieser Frage gegenüber einzunehmen? Wie lassen sich die Interessen der Schule und der Religion miteinander vereinigen? Diese Fragen werden z. Zt. im Schoße der Vorstandschaft des Isr. Lehrervereins lebhaft erwogen. Wenn sie hiermit der Qeffentlichkeit, d. h. der Beurtheilung unserer Standesgenossen übergeben werden, so geschieht es mit der Absicht, durch den Meinungsaustausch die Anschauung der Kollegen kennen zu lernen, in erster Linie aber, unserer Volksschule zu nützen. Im letzten Jahrzehnt hat die Schülerzahl der isr. Volksschule des Landes um 86 pCt. abgenommen; aber auch die Zahl der isr. Schüler an den höheren Lehranstalten ist laut Veröffentlichung des statistischen Landesamts erheblich zurückgegangen. In gleicher Zeit hat die Seelenzahl der Israeliten zugenommen. Damit widerlegt sich die so oft ausgesprochene Behauptung, der gesteigerte Bildungstrieb der Israeliten, die „z u n e h m e n d e Bevorzugung der höheren Schulen" entvölkern die israelitische - Volksschule. Thatsache ist vielmehr, daß immer mehr israelitische Kinder in die christlichen Volksschulen geschickt werden. Das ist gerade in Württemberg höchst bedauerlich, weil es hier keine Simultanschulen gibt, vielmehr das System der konfessionellen Volksschule mit konfessionellem Lehrplan und Lehrkörper konsequent sestgehalten wird. Suchen wir nach den Gründen dieser seltsamen, traurigen Erscheinung! Man würde der Wahrheit einen schlechten Dienst thun, wollte man nur Lauheit,

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