Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 92 (20.11.1902)
- Date
- 1902-11-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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ehrsame Handwerk eines Nagelschmiedes. (Verach. 28 a.) Sein Kollege, Rabbi Elieser wieder, lieb eines Tages den väterlichen Pflug, den er bis dahin wacker geführt hatte, im Stich und setzte sich als gelehriger Jünger zu Füßen des Rabban Jochanan b. Saktai. (Prrke di Rabbi Elieser, Cap. 1 und Veresch. rabb. Cap. 42.) In Aboth und sonst an zahlreichen Stellen erscheint ein Gelehrter unter dem Namen: Jochanan, der Schuhmacher, als Zeitgenosse des Rabb. Gamaliel ein gewisser Nachum, seines Zeichens ein Schreiber. Karna, Stadtrichter zu Jerusalem, war ein berühmter Weinkenner und verdiente durch die praktische Verwerthung dieser Fähigkeit seinen Lebensunterhalt. (Kethub. 105.) Rb. Huna arbeitete auf Tagelohn. (Das.) Wer seinen Rechtsspruch anrief, mußte ihm zunächst einen Vertreter bei der Arbeit stellen. Raba betrieb einen Weinhandel und besaß ein' eigenes Verfahren, den Wein zu verschneiden. (Vab. mez. 60 a.) Abba Saul b. Botnith war ebenfalls Weinhändler. In den Halbfeiertageü des Peßach- und Laubhültenfestes erledigte er die geschäftlichen Angelegenheiten des Nachts, um tagsüber ungestört sich Allen zur Verfügung halten zu können, die mit gelehrten Fragen an ihn herantratcn. (Bezah 29 a.) Rb. Chanina und Rab. Oschija waren ehrsame Schuhmacher. (Pesach. 113.) Ja, fast jeder der im Talmud aufgeführten Weisen war Handwerker oder Gewerbetreibender. Das war ihr Vroderwerb. Von der Gelehrsamkeit zu leben, hielten sie für unter ihrer Würde. Auch bei der häuslichen Arbeit kräftig mitanzufassen, fanden sie mit ihrem gelehrten Stande ganz gut vereinbar. Rb. Saphra pflegte das Fleisch zu rösten, Raba wieder, der durch seinen einschneidenden Scharfsinn sich so sehr hervorthat, die Fische zu salzen. (Kidusch. 41 ft.) — In der That feiert das Judenthum auch die ideale Seite. Der Talmud sagt, daß die Arbeit ihren Mann nicht blos ernährt, sondern auch ehrt. (Kethub. 49.) ritfx x'.n "cy ex “tfx ä» '2i njrui;cia so pk nrt Nach der Lehre Rb. Jose soll über den Heimgang eines frommen Knechtes die Klage erhoben werden: „Wehe um den guten und getreuen Mann, der von seiner Arbeit sich ernährt hat." (Berach. 17 a.) Der Arbeiter war während der Ausübung seines Berufes Träger einer Würde, die ihn dem Gelehrten gleichstellte. Er war daher während der Zeit nicht verpflichtet, letzterem durch Erheben vom Sitze die ihm gebührende Ehrenbezeugung zu erweisen. Das moderne Leben wird von den heftigsten Kämpfen aufgerührt, in denen die Arbeit um ihren gebührenden Lohn und die ihr zukommende soziale Stellung aus allen Kräften ringt. Im Judenthume. sind, die meisten der hierbei auftäuchenden Probleme bereits längst zur Lösung gekommen. Wer recht modern sein will, wird daher gut thun, das Judenthum vorher gründlich zu befragen, bevor er es vornehm der» leugnet. - v Zettrmgsrrachr-HLsN und EsvresNsudeure«. D e u r s ch l a n d. Frankfurt a. M. Der Verein „Lemaan Zion" hat aus Jerusalem vom 5. November folgenden Bericht erhalten: „Die Nachrichten aus Gaza, Lidda und Jaffa lauten zwar etwas günstiger, doch ist hingegen die Cholera-Epidemie in starker Form in Liberias ausgebrochen, und einige Cholerafälle werden, aus Hebron und Kofer-Ain, einem Dorfe drei Stunden nördlich von Jerusalem, gemeldet. Die letztere Nachricht hat die Panik hier erhöht. Die Theuerung hält mit der fortbestehenden Absperrung an und lastet schwer auf der Bevölkerung. Nicht allein sind alle Nahrungsmittel außerordentlich theuer, sondern manche sind überhaupt sehr schwer erhältlich, während doch gerade in einer solchen Zeit besondere Vorsicht in der Güte und der richtigen Abwechslung der Nahrung geboten ist." Eine kräftige Unterstützung der bedauernswerthen Bevölkerung thut in der That dringend noth. Die soeben . eingetroffene „Habalezeth" vom 7. Novemb. bringt ein Verzeichniß von Geldsammlungen, die in Palästina selbst veranstaltet wurden. Die Todesfälle und Erkrankungen sind etwas geringer, wie in der Vorwoche. Cassel, 17. Nov. Bekanntlich verläuft die zweite (praktische) Lehrerprüfung, welche von jüdischen Anstalten nur das Seminar zu Cassel abhält, nicht gerade besonders günstig. Nach einer Statistik, welche die Kehr'schen pädagogischen Blätter aufstellten (Jahrgang 1902, Heft 10) bestanden von 965 Lehrern, die von 29 Seminarien geprüft wurden, 749, also etwa 78 Prozent, in einzelnen Seminaren sogar nur die Hälfte der Prüflinge. Wenn bei uns bereits zwei Mal, im Vorjahr und jetzt, sämmtliche Kandidaten, meist ehemalige Schüler der Anstalt, das Examen bestanden haben, so darf man darin wohl einen erfreulichen Beweis der gediegenen Bildung erblicken, welche diese altehrwürdige 1810 begründete und 1824 erneuerte Anstalt ihren Zöglingen mitgibt. Gießen, 19. Nov. Am 2. c. wurde dahier ein „Verein für jüdische Geschichte und Litteratür".gegrünbet, dem bis heute schon über hundert Mitglieder beigetreten sind. Diese rekrutiren sich aus den Mitgliedern der beiden hiesigen Religionsgemeinschaften, der Studentenschaft und den jungen Kaüfleuten: Gemäß der in der Generalversammlung vom 16. dss. Mts. genehmigten Statuten findet alle 14 Tage ein Dis-