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Der Israelit · 1902-11-20 · Heft 92 (20.11.1902) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 92 (20.11.1902)
Date
1902-11-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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auf den Königsthron gehoben ward und .daß er auch nachher noch wacker hinter dem Pfluge einherging. (1. Sam., 11.. 5.) Elisa wurde von dem Pfluge hinweg zum Jünger seines Meisters Elijahu berufen. (1. Kg. 19.. 19.) Amos fuhrt sich treuherziger Weise bald zu Anfang seiner Reden als Schafzüchter ein, daneben hat er auch Sykomoren angepflanzt. Wenn er auch, wie so leicht kein zweiter, gar gewaltig von Gott zu zeugen wußte, er fühlte sich doch nur wie der Zunftgenossen einer und mochte es gar nicht fassen, daß man ihn als Propheten titulirte. (Das. 7., 14, 15.) Ueber kein Laster wird so unerbittlich die ätzende Lauge des Spottes in den Sprüchen Solomonis ausgegossen, wie über die Trägheit, nichts so sehr gefeiert als unverdrossener Muth, Schaffensfreude u. hurtiger Eifer. Der bekannte Lobgesang am Schluß der Sammlung kann sich gar nicht genug thun in der Hervorkehrung all' der schönen Künste und Fertigkeiten, mit denen das. israelitische Biederweib ausgestattet sein muß. Schiller hat hier in^,Siebe von der Glocke" die deutsche Hausfrau unserer Bibel einfach nachgedichtet. ° Von dem, was wir heute unter Repräsentationspflichten und gesellschaftlichem Schliff verstehen, ist aber auch mit einem Worte dort nicht die Rede. Es ist, als hätte der Dichter durch das Anbringen solcher Züge für den Stil seines Gemäldes gefürchtet. Ein Weib mit so rüstigem Wirklichkeitssinn hat für Derartiges einfach keine- Zeit. Die Gesellschaft intereffirt sie höchstens noch insoweit, als sie Gelegenheit zur Wohlthätigkeit bietet. In welcher Blüthe das Kunsthandwerk im jüdischen Staate stand, erhellt daraus, daß Rebukadnezar bei dem ersten kriegerischen Unternehmen gegen denselben neben dem Könige und dem Hochadel, auch Schmiede und Schlosser zur Deportation brachte. (2. Kg. 24., 16.) Jedenfalls vermeinte er auf diese Weise die Judenheit ebenso empfindlich zu treffen, als sich einen großen Vortheil zuzuführen. Auch im späteren Judenthume sind diese Züge, nicht, um eine Spur verblaßt. So war im Judenthume die Frau, von Gesetzeswegen zu allen häuslichen Arbeiten bis aus das Waschen, Backen des Vrodes und das Drehen der Handmühle hinab verpflichtet. Erst wenn sie ein.gewisses Vermögen in die Ehe einbrachte, . konnte sie die letzteren Verrichtungen ablehnen. (Kethub. 69 d.) ' Ebenso wie jeder Vater die Pflicht hat, sein Kind in der Religion unterweisen zu lassen, in. demselben Maße liegt es ihm ob, für die Erlernung eines Handwerkes Sorge zu tragen. Interessant ist es, daß der Talmud dies aus der Regel des Predigers: „Trachte darnach, daß du dein Leben fristest mit dem : Weibe, das du liebst" (Koh. 9., .9) ableitet. Damit soll die Ueberzeugung . erhärtet werden, . daß der Betrieb ..eines. Handwerkes, wie kein anderer Beruf dazu angethan ist, die selbstständige gesicherte und ehrenhafte Existenz einer Familie zu ermöglichen, nn 'i& 2V c.vs proa» *'bn in ab ruv'rr S22» n:ss „Wenn Hungersnoth auch sieben Jahre wüthet, bis' an die Thüre eines Handwerkers kann sie dennoch nicht Vordringen." Von dem Handel wird dies ausdrücklich verneint. (Kidusch. 29 a und 30 b.) In den Sprüchen der Väter wird daher nachdriicklichst Liebe zur Arbeit und Haß gegen alle Vornehrnthuerei eingeschärft. Der Spruch des Rb. Gamaliel p» T" r-n. ni-n n-r' „Schön ist es, wenn Thorakenntniß mit Handwerk sich vereinigt." ist im Judenthume gerade zu einem geflügelten Worte geworden. Die weltvergessene, fahle Zunstgelehrsamkeit dagegen war etwas, das in dessen Mitte nur Spott erwecken konnte. Es ist daher wohlverständlich, wenn unsere Weisen den Mann, der mitten im harten Kampfe des Lebens steht und von seiner Hände Arbeit sich ernährt, auch in religiöser Hinsicht weit höher stellt, als einen, der sich einer erschlaffenden, thatenlosen Beschaulichkeit^ ergibt aw srvc v.n wo jnro nrun bmr (Berach. 8.) "Keine Form der Arbeit ist geeignet, den Mann zu schänden. Entehren kann ihn nur, daß er Andern zur Last wird. ^.Lieber ein gefallenes Thier auf offenem Markte schinden, als Almosen annehmen." (Pesach. 113.) Aus der Bestimmung des Zehngebotes „Sechs Tage sollst du arbeiten," leitet Jehuda b. Baiyra die Verpflichtung zur Arbeit auch für solche ab, bei denen eine äußere Nöthigung hierzu nicht vorliegt. Müßiggang ist unterallen Umständen lasterhaft. c'öV’tP rinn Müßiggang führt zur Entnervung und Lasterhaftigkeit. (Kethub. 69.) Es erregte daher nicht den mindesten Anstoß, daß ein Hillel, der in harter Arbeit als Taglöhner sein Brod verdiente, als seine Zeit gekommen war, zum Fürsten und Qberhaupte des hohen Rathes erhoben wurde. (Joma 36.) Welcher Verehrung er sich trotzdem erfreute, erhellt aus der Thatsache, daß diese Würde, die ihrer Natur nach nur eine persönliche fein konnte, ohne sein Hinzuthun in seinem Hause erblich wurde. Während einer gelehrten Unterhandlung zwischen ihm und seinem Kollegen Schammai traten zwei Weber, die am Kehrichtthor zu Jerusalem wohnten, auf und gaben durch ihre Bekundungen den Ausschlag. — Die Moral der Geschichte ist: daß selbst der niedrigste der Arbeiter aus dem ärmlichsten Viertel im Lehrhause es Allen gleichthun kann und dasselbe daher nie meiden solle. (Edujoth 1, 3.) Sein Enkel, der be- ~ rühmte Rabban Gamaliel, blieb den Ueberlieferungen seines Hauses treu. Einer seiner Jünger, der dem Judenthume ebenso verhängnißvoll wurde, als er in der Welt von den größten Erfolgen und dem höchsten Ruhm getragen war, der Apostel Paulus, betrieb die Zeltweberei als Handwerk. (Apostegesch. 18.. 3.) Rb. Josua b. Chananja, der ebenso groß als Lehrer des Gesetzes wie hervorragend an vielseitigster weltmännischer Erfahrung und Bildung war. betrieb das

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