Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 92 (20.11.1902)
- Date
- 1902-11-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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48* Jahrgang. Tie Wnthsihktziliili uw Arbeit u) Hluibiink im Ziibkiithm. - Von Nabb. Dr. Daniel Fink, Wien. Ein eigenes Mißgeschick verfolgt unser Juden-- thum. Selbst vo.. seinen Freunden wird es oft gor verkannt. Daß moderne Denk- und Anschauungsweise sich mit dem Judenthume nimmer vereinigen kaffen, zählt nachgerade zu den geläufigsten Vorstellungen un-, serer Zeit. Wie Viele kehren nur um deßwillen allein ihrem Judenthume den Rücken, weil ffe es ihrem modernen Empfinden, das Halbheiten nicht duldet, schul-' dig zu sein glauben. Andere wieder, die zu ihrer Ueberraschung sich im Herzen darauf ertappen, was man heimliche Liebe zu der Väter Art nennt, glauben wieder am bestem zu thun, wenn sie in der Oeffentlichkeit möglichst wenigdavon verlauten lassen. Das könnte, fürchten sie, sonst den Argwohn aufkommeu lassen, sie wären in der Kultur weit zurückgeblieben. Es ist daher nur als ein glücklicher Zufall zu begrüßen, wenn Vorkommnisse des öffentlichen Lebens uns unseren jüdischen Standpunkt in einem Lichte zeigen, vor dem die dichte Nebelhülle der gangbarsten Vor- , urtheile in ein reines Nichts zerfließen muß. Es hatte jüngst ein Bäckerlehrling viel von sich reden gemacht, der neben seinem Handwerk sich in den Mußestunden mit den Lehrgegenständen der Realschule beschäftigte. Die Innung verweigerte ihm schon aus diesem Grunde, ohne der Frage, ob seine Fähigkeiten für den erwählten Beruf hinreichend wären oder nicht, nur näher zu treten, die Freisprechung, und die Wiener Handels- und Gewerbekammcr gab ein Gutachten im gleichen Sinne ab. Offenbar war hierbei die Ansicht maßgebend, daß Handwerk und eine gewisse gelehrte Bildung schlechterdings unvereinbare Dinge sind. Auf eine Kritik dieses Urtheils soll hier nicht eingegangen werden Nur so vie. sei gesagt: hat dasselbe dem modernen Empfinden nicht entsprochen — so würde es vom Standpunkte des Judenthums geradezu verworfen werden müssen. Es ist bezeichnend genug, daß die Thora, der ihrem Charakter als Offenbarungsquelle gemäß, nur die religiösen und moralischen Dinge nahegehen, die Erfindung des Flöten- und Zitherspicles, wie nicht' minder die Herstellung der ersten Werkzeuge (1. B. IV,.21) als epochale Erscheinungen änsieh't, denen auch von ihrem Standpunkte die höchste Bedeutung berzumesscn sei/ Ohne Zweifel war hier die Ueberzeugung maßgebend, daß ebenso, wie . ... ' ’ ’' f ' /■ .-V . -• j die Werkzeuge der Kunst dem Menschen ein Mittel bieten, die Stunden der Muße auf. eine , wahrhaft -vornehme Weise zu verbringen, diejenigen der Arbeit die Mittel zur Erhaltung des Lebens um ein. so Bedeutendes erweitern. Dem Kampfe um den Unterhalt wird hierdurch vieles von seiner entwürdigenden Härte und'Grausamkeit genommen und das Lehen in der Gesellschaft immer menschenwürdiger gestaltet.. - .Das ist es, was diesen Errungenschaften auch hom Stand- ' punkte der Religion ihre .Bedeutung verleiht. Eine jüdische Akademie würde die Frage: ob der Fortschritt der Künste und Wissenschaften auch die Moralität des Menschengeschlechts gefördert, keineswegs, . wie dies Rousseau seinerzeit gethan. im negativen Sinne beantwortet haben. .... .... lieber den Mann, der im Judenthume zuerst Handwerk und Kunst'gewerbe gepflegt hat und dem) es den schmucken Bau seines Heiligthums verdankte,. Be-' zallel, schüttete es ein ganzes Füllhorn der feierlichsten Lobeserhebungen aus. Ihm wird nicht bloß Weisheit, Einsicht und Erkenntniß nachgerühmt, sondern auch vom Gottesgeiste läßt ihn die Thora beseelt erscheinen. Eine Ruhmeskrone legt sich um sein Haupt, wie deren so leicht kein Priester oder. Prophet theilhaft geworden. Einen feierlichen Ton schlägt die. sonst schlicht dahinfließende Erzählung hierbei', an, wie er sonst nur bei der Schilderung messianischer Dinge vorkommt. (2. B. M.,. 31., 3.) So fand es auch Moses mit seiner Würde ganz gut vereinbar,, das Stif.tsze.lt aufzustellen und wieder auseinanderzulegen. HaMmer und Meißel mußte er gar trefflich zu führen verstanden haben, als es galt, die neuen steinernen Tafeln ähszuhauen. Ja. die ganze Sprache, die sowohl er. als seine Nachfolger, die Propheten, führen, athmet in lebhaften Zügen jene Urwüchsigkeit,. die nur in steter Berührung mit dem wirklichen Leben gewonnen wird. .HaMmer und Meißel. Pflug und Acker, der Hirt mit seinen Schafen, der Vogelsteller auf der Lauer,, der Schnitter auf seinem Acker, der Winzer bei der Lese, der Bäcker; mit seinem Sauerteig, der Reitet.auf seinem Saumthiere — von.ihnen entlehnen sie Vergleiche und Bilder, vie bei der Darstellung ihrer Gedanken stets '.hei....der Hand sind. Dagegen ist von. all' dem^ was . an die . Iseberfeineruna der. im Orient besonders'.heimischen Ueppigkcit erinnert, nirgends die"Spur. , Welch) '..ein Unterschied -wischen den sinnberückenden Bildepn'des Koran und der reinen, keuschen Klarheit. unsererBlbelk' Jener bietet dieecht, orientalische' Art, -diese 'die) Menschlichkeit, die ewig jünh/nhera^ zizs'MusbMdcirum aitch ewig'schön ist. ' Es fand daher kein Mensch ein'Haar. darin, daß Saul auf der Suche nach den verlorenen Eselinnen