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Der Israelit · 1902-11-20 · Heft 92 (20.11.1902) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 92 (20.11.1902)
Date
1902-11-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1932 gedenken die Oefen an jedem Freitag im Bade und an jedem Sabbat im Beth Hamidrasch heizt, versichert, es werde einen langen, strengen Winter geben. Obwohl ich nicht abergläubisch bin und auf die Meinung von Weiterpropheten kein Gewicht lege, so machten seine Worte mir doch Muth. Gestern war ich im Walde. Wir haben viele Arbeiter gemiethet, die die Bäume fallen, sie dann zersägen und mit dem Veil zerkleinern, dann kommen die Bauern mit ihren Schlitten und bringen das Holz in die Stadt. Diese Woche haben wir viel eingenommen. Am Samstag nach dem Beten beehrte mich mein Schwiegerpapa mit seinem Besuch. Ich bewirthete ihn, wie üblich, und dankte ihm aus vollem Herzen für die mir erwiesenen Wohlthaten; ich' versprach ihm, die Schuld alsbald abzutragen und. wenn mir Gott einigermaßen Glück gibt, ihm noch hundert Rubel draufzuleihen, damit er seine zweite Tochter verheirathen kann. Im Bethause begegnete man mir mit Respekt; zur Thora rief man mich unter den angesehensten Kaufleuten auf und beehrte mich :it einer „schönen Alijah". Ich schenkte zwei Fuhren Hotz für das Bet Hamidrasch, was unter den „Batlanim" helle Freude erregte. : 26. Schebat. . Lieber Freund! , Ich bin mit meiner Lage zufrieden. Ich und mein Kompagnon reisten diese Woche nach S., da wir gehört hatten, daß man von dem dortigen Gutsherrn einen großen Wald pachten könnte, was viel Kaufleute herbeilockte. Wir fanden in der That eine zahlreiche Versammlung von Kauflustigen vor. Natürlich brach sofort ein Streit zwischen uns aus, ein Jeder, behauptete, ein größeres Anrecht auf den Gutsherrn und seinen Wald zu haben. Endlich kam ein Vergleich zu Stande, der Kapitalkräftigste unter den Versammelten zahlte allen Anwesenden je zehn Rubel Laar aus; er entledigte sich auf diese Art aller Nebenbuhler und behauptete allein das Feld. So ist das geschäftliche Leben beschaffen. Auf der Heimreise sann ich über dieses Erlebniß nach und es kamen mir dabei verschiedene Gedanken. Als ich „Schreiber" war. arbeitete ich im Schweiße meines Angesichts und mit Anstrengung des ganzen Nervensystems. ich rannte tagsüber von Haus zu Haus und. unterwies beinahe hundert Kinder; aber als das Ende des Monats kam und ich anfing, mein Honorar zusammenzubetteln, sammelte ich mit vieler Mühe und ungeheuren Erniedrigungen acht Rubel und fünfzig Kopeken ein. Und nun habe ich im Verlaufe von einigen Stunden zehn Rubel — ich kann nicht sagen: verdient — aber eingesackt, ohne das geringste Zuthun, ohne die mindeste Anstrengung, ohne jegliche Gegenleistung. Noch sträubt sich mein Gewissen dagegen. Und doch sind solche Vorkommnisse im geschäftlichen Leben nichts Seltenes. Es gibt in unserer. Stadt sogar zwei sog. „Kaufleute", deren ganzes Handelgebahren darin besteht, daß sie ausspioniren, wo es einen Wald zu verpachten, oder zu verkaufen gibt: flugs sind sie an Ort und Stelle, und ohne einen rothen Heller in der Tasche zu besitzen, treiben sie die Preise in die Hohe, bis sie von den wirklichen Kaufleuten, die das Objekt im Ernste erstehen wollen, mit einer gewissen Summe abgefunden werden. So fristen sie ihr Dasein. Du kannst Dir denken, in was für einem Ansehen diese Elemente bei den wirklichen, redlichen Kaufleuten stehen. Man wird es recht gewahr, wie weise und voll sozialer Gerechtigkeit die talmudische Vorschrift war, die da sagt: Man darf sich nicht den Schein geben, daß man etwas kaufen, wolle, wenn man kein Geld in der Tasche hat. (Fortsetzung folgt.) Der JSraelit* erscheint iy5c1»eiitllc1» zweimal, Montags snd ©onues’stags, jedeSmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt aanzjährlich. halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der 'SuchHandel verkehrt durch V. x. SkeinackLv, Leipzig, Rotzplah J8.— Inserate 25 Pfennig die v»ergespaltene Nonvareillezeile oder deren Raum. Preis der Zelle im Reelametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband vro ^abraana für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark. oder 18 Kronen österr.. fur's Ausland i« Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3792. Telephon 1v ft. Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine AuSgaL^ deS Israelit" vier Wochen lang granS und franco .erhalten. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere. Zeit so kann man sich für 25 Pfennige das Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post, auf dieselbe unter Nr. 3792 a. abonniren. Auf Wunsch stunde« wir die Zahlung des JnserttonöbetragS au außer Stelle Befindliche bis nach __ Erlangung einer solchen. «rnpatt: (Hauptblatt): Der Sabbat vor dem preußischen Kammcrgericht.— Zeitungsnachrichten u.Concsyonde,lZen: Deutschland: Berlin. Memel. Darmstadt. Regensburg. Baden-Baden. Oesterreich: Wien Ungarn: Neutra. England: London. — Feuilleton: Aus den Briefen ^me^^Ie^bersküsst^n.^Eo^kZli^.)^ von Arbeit und.Handwerk im Ludenthum. — Zeitungsnachrichten u. Correspom Lenzen.^uts^land.^Franknnt^M._ Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Affal» He Beilage:^Schħos?— Trachten der Israeliten von Konstantin (LUgerien) Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition deS Israelit". Schottstraße Nr. L Mainz. Druck und Verlag der Job. Wirth'schen Hosbuchdruckerei Actien-Gesellschaft ln Mainz. HLerZrr drei Beilage».

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