Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 82-83 (14.10.1902)
- Date
- 1902-10-14
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
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1772 A. Adler, Aschaffenburg, - S. B. Bamberger, Würzburg, Jakob Ettlinger, Altona,M. Frankel, Witzenhausen, S R. Hirsch, Frankfurt a. M.- S. Klein, Kolmar, Dr. M. Lehmann, Mainz, L. B. Ottensoser, Höchberg, A Stern Hamburg, Prof. Dr. A. A. Wolfs, Kopenhagen, M. Wetzlar, Gudensberg. Wo solche Männer eine Sache unterstützten, da wird man nicht so leicht an ihrer Rechtlichkeit zweifeln, trotz allen 'liebenswürdigen Bemerkungen des Herrn Dr. Löwe! Doch diesen Herrn wird ganz besonders das Urtheil eines anderen intereffiren. In seinem Artikel, der sonst so reich ist an „goldenen Rücksichtslosigkeiten", spricht er ein einziges Mal mit Hochachtung von zwei Personen. An. Rabbi Chajim Woloschin bringt er hier den Ehrengruß. Nun, in dem Werkchen „M aginei Erez Jisroe V' finden wir eine Response dieses Rabbiners, worin er, von seinen früheren Landsleuten in Palästina sprechend, die von anderen Ländern keine Unterstützung genießen, sagt: „daß sie Ansprüche machen dürfen auf die für Palästina ein kommenden Gelder und daß sie nach allen Meinungen gleichgestellt werden müssen mit den Armen der Stadt, in der wir wohnen. Dr. L. ist indessen noch nicht entwaffnet. „Das Geld," sagt er, „wird an wenige Wohlhabende verschleudert!!" In seinem Artikel kommt ein Citat vor aus einer Broschüre, die vor sieben Jahren erschien und werden darin bestimmte Behauptungen geäußert, einige, seitdem verstorbene Personen betreffend.' Darüber zu debattiren ist selbstverständlich nutzlos. In den Betrachtungen über die jetzige Austheilungsweise wird nicht anders, als in allgemeinen Ausdrücken gesprochen. Dem gegenüber wünsche ich die entschiedene Erklärung abzugeben, daß, wie aus wiederholt und von verschiedenen Seiten eingezogenen Erkundigungen hervorgeht, alle Theilhaber der Chalukoh diese dringend nöthig haben. Daß es in jedem Lende und in jeder Stadt beim Vertheilen von Armengeldern Vorkommen kann, daß man sich trotz aller Mühe, trotz aller Informationen der detaillirtesten Auskünfte doch noch irren kann, wer will das bestreiten? Aber, Pekidim und Amarkalim waren und sind stets bereit, alle diesbezüglichen Anmerkungen streng zu untersuchen und haben, wenn sie meinten annehmen zu können, daß dieser oder jener auch ohne Chalukoh, sei es auch in noch so bescheidener Weise seinen Unterhalt verdienen könne, nie gezögert, die Chalukoh zu verweigern oder einzuziehen! Dr. L. ist indessen noch nicht zufrieden. „Den Mitgliedern der deutsch-holländischen Gemeinde," so denkt er, „fließen diese Armengelder in so reichem Maße zu. daß sie wahrlich mehr als ein comfortables Leben bei den palästinensischen Lebensbedingungen allein da- '.... V:Tf* von führen könnW!" Er nennt dann einige Zahlen. Ich, will annehmen, daß es unabsichtlich geschehen, doch Thatsache ist es,'- daß ein nicht genau Unterrichteter meinen muß, daß einzelnen Personen ganz enorme Beträge ausgezahlt werden. Das ist ganz unrichtig. Der für die d. h. Gemeinde bestimmte Theil repräseniirte in den letzten Jahren eine Summe von ca. 180 Frs. pro Person und per Jahr. Wer die palästinensischen Verhältnisse nur einigermaßen kennt und — — die Wahrheit liebt, wird wohl nicht behaupten, daß mit 180 Frs. per Kopf und per Jahr eine Familie „wahrlich mehr als ein comfortables Leben führen kann!" .. Jetzt kommen wir zur schwersten Anklage. „Durch diese Vertheilung," sagt Dr. Löwe, „ist ein soziales Elend entstanden, das zum Himmel schreit. Es werden förmlich frühe Heirathen gezüchtet, die ein schwaches, kränkliches, kraft- und saftloses Geschlecht entstehen lassen." ..... Im vergangenen Jahre heiratheten drei männliche Personen, nicht jünger, als in Palästina Sitte ist! . . . . . . . Weiter wird noch behauptet, daß „Manche nicht die große Ausgabe scheuten, deutsche Unterthanen zu werden. Die für diesen Zweck gemachten Auslagen sind eine sichere und gut rentable Anlage." ....Im Ganzen sind es drei Familien, (zusammen acht Personen), die nicht aus Holland oder Deutschland stammen, doch sehr lange in Deutschland wohnten, ehe sie nach Palästina zogen! UebrigenS, die deutlichste Antwort auf die letzten Punkte ist wohl die Mittheilung der Thatsache, daß trotzdem «frühe Heirathen gezüchtet werden," daß „Mancher die großen Ausgaben nicht scheute, um deutscher Unterthan zu werden" und trotz dem doch wohl Verlockenden für viele Armen, um nach Jerusalem zu ziehen und sich da bald die Armengelder „in so reichem Maße zufließen zu sehen," daß trotz alledem und alledem in ^>er Zeit von sieben Jahren die Bevölkerung der deutschholländischen Kolonie sich um ganze ISPersonen vermehrte!! *• ' . * * Der Löwe hat gebrüllt, ich möchte aber nicht sagen: „Gut gebrüllt, Löwe!" „X.