Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 82-83 (14.10.1902)
- Date
- 1902-10-14
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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v ' .. :;v'"-• .. . . .. , .... ... ... - "•v*!-;.; f^y H. - EKuW^MMMW:T^~" ptitn erübrigen konnte nndersö für die kleinen .Beigelech (Kleine Kringeln) lausen konnte, die bei dieser-Gabe überglücklich waren; und diese heiteren Gesichter der Kleinen..schienen ihm frisches Leben einzuflößeit/; Allein an einem Sukäusfeste merkte Jankel bei den Kindern nicht mehr dieselben freudestrahlenden Gesichter, wenn er . ihnen Beigelech brachte. Schon, eine Zeitlang schien ihm das älteste Kind, ein zehnjähriger Knabe, traurig zu sein! ühb als er wieder einmal Beigelech mitbrachte, nahm der Knabe nichts an. Verwundert fragte ihn der Großvater nach dem Grunde, worauf er leise weinend antwortete:- . . - * „Ich esse keine Beigelech mehr, lieber Seide, ich will. Du sollst mir ein paar Schuhe kaufen; schon lange habe ich vom Fenster aus gesehen, daß alle, auch ganz kleine Kinder, im Winter Schuhe tragen und auch in Cheider gehen. Niemand sitzt so wie ich den ganzen Winter hindurch, in der Stube; ich will auch auf die Straße herausgehen^ will auch im Winter in Cheider gehen." „Sei nicht betrübt," . sagte der Großvater sanftmüthig, „Du wirst auch Schuhe bekommen und wie im Sommer in Cheider gehen, nur jetzt habe ich kein Geld, aber so Gott will, werde ich Dir, wenn ich leben und gesund sein werde, zu Purim ein Paar Schuhe kaufen." Freudig aufjubelnd küßte der zehnjährige Leibke seinen Großvater und im Nu hatte er die alte Heiterkeit wiedererlangt. Denn Purim war ja-— bald. Es ist Purim. Man hat soeben in Schul den zweiten Minjon „abgedawnet" und die beiden Freunde, Joffel und Boruchke, wollen gerade nach Hause gehen, als ihnen der alte Wasserträger Jankel leise zurief. Verwundert fragten sie sich, was er wohl von ihnen haben wolle, da. er bisher mit Niemandem Lin Wort gesprochen hatte, und sie sonst immer von seiner Nähe verjagte. Trotzdem gingen sie zu ihm heran. Jankel streichelte ihre Wangen und schaute sie wehmüthig, aber zugleich freundlich an, schwieg mit verlegener Miene, auf seinem wettergebräunten Gesichte lag ein tiefer Kummer. Er sah die mitleidig fragenden Mienen der beiden Knaben, da raffte er sich plötzlich auf und sagte mit zitternder Stimme:./ „Kinderchen — ich will Euch um etwas bitten, — Ihr wißt, heute ist Purim — Peßach sieht vor der Thüre -— mein zehnjähriger Jäkel hat bis jetzt noch keine Schuhe 7— seit drei Monaten sitzt er. bereits ununterbrochen im Zimmer, kann nicht in Cheider gehen, — ich habe ihm zu Purim ein.Paar Schuhe versprochen, habe aber kein Geld, nicht einmal soviel, um heute eine Sude zu machen. Meine ganze Hoffnung war bisher Purim gewesen, — sie hat sich nicht erfüllt. Ich möchte Euch bitten, bei den Leuten herumzugehen, und sammelt ein paar Groschen. Ich würde selbst herumgehen, aber nur Gott weiß — ich kann es nicht. Hätte ich es vermocht, so wäre ich jetzt in meinem Alter kein Wasserträger." ' . : Thronen rannen von Jankels Augen und benetzten seinen greisen Bart. - .; Die Kinder waren von dieser Rede ganz verblüfft, er hatte sie als erwachsene Menschen betrachtet, eine schamhafte Röthe stieg in ihr Gesicht,' und ohne eine Antwort zu geben, liefen sie schnell aus der Schul heraus. Sobald sie aber auf der Straße waren, machten sie plötzlich Halt. „Warum bist Du davonaelausen?" fragte Boruchke; . ' : ' V- „Weil Du schnell herausliefest, bin ich Dir nachgelaufen." „Wollen wir wieder umkehren und jeder ihm eine Kopeke geben?" „Du Narr, was wird er/ mit zwei. Kopeken machen?" ' ^.Wollen wir ihm dann unsere ganze Baarschast abgeben!?" Sie zählten ihr Geld; im Ganzen hatten sie sechs Kopeken. - „Das ist so gut wie gar nichts,' denn für meine Schuhe, die doch sehr klein sind, hat die Mutter, drei Rubel bezahlt, und vielleicht hat sein Jäkel einen größeren Fuß." sagte Joffel. ,; „Was sollen wir denn thun?" . „Wollen wir doch wirklich herumgehen und Geld zusammen sammeln, große Bachurim thun dies ja häufig." ' ' „Wir werden es nicht zu Stande bringen, jene sind doch groß und wir . . . überhaupt schäme ich mich." „Ach. was haben wir uns zu schämen, wir fragen beide unsere Mutter, ob sie unsere Absicht gutheißen wird." —' : Die jungen Freunde verabredeten sich, bald nach dem „Anbeißen" (Frühstück) zusammenzukommen und einander den Bescheid ihrer Mutter mitzutheilen. /. III; 'y*.'-"/' 'V‘:\ „Warum sollst Du es nicht thun?" sagte Joffel's Mutter zu ihrem Sohne, der sie fragte, ob er mit. Boruchke eine Nedowo für einen armen Mann sammeln dürfe. „Wenn Du schon jetzt für eine anderen herumgehen wirst, so wird Dich Gott später in eine solche Lage bringen, daß Dü der Hülse Anderer nicht bedürfen wirst. Seht nur zu, daß Ihr so früh wie möglich heute Euer Vorhaben ausführt, denn je früher, desto mehr Geld werdet Ihr zusammenbringen.". Joffel beeilte sich mit dem Früstück; er war von einer ernsten, feierlichen und doch zugleich frohen Stimmung ergriffen; zum ersten Male fühlte er sich als Mann, der bereits auch etwas gilt und für seine