Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 82-83 (14.10.1902)
- Date
- 1902-10-14
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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c t- £ 7. ' V.. : . '!! jl it! M für dasÄ^> ^<WVU3 5 E S v*>- -^r* A R0»P, Mr. 19 14. Cd. 1903.] SM UW MW Hükllüs bis WM öder Me ttße«l -gsr HAHt. Erzählung aus dem russisch-jüdischen Leben vou I. 8chef1elowih. >, Die beiden Cheiderjungen, der zwölfjährige Josiel und der dreizehnjährige Boruchke, sind" miteinander durch innige Freundschaft verknüpft, sie sind zwei wahre Freunde, die fast stets zusammen waren, die gemeinsam in den Cheider gingen, in die Schul, , von der Schul, die zusammen aus einem Siddur zu dawnen pflegten, obgleich Jeder von ihnen einen besonderen hatte und die auch zuweilen gemeinsam lose Streiche ausführten. . Die Freundschaft dieser beiden Knaben ist den Meisten aufgefallen. Selbst Jankel, der alte Wasserträger, hatte davon gewußt. Jankel trug den ganzen Tag Wasser auf seinen Schultern, und die paar Kopeken, die er sich hierdurch täglich schwer verdiente, trug er froh nach Hause, ohne seinen von den nassen Kleidern durchkälteten Körper unterwegs durch einen Schluck Branntwein, zu erwärmen. Zu Maariw war er stets in Schul, wo er sich auf eine niedrige Bank am warmen Ofen zu sehen pflegte, um seine nassen Kleider zu trocknen und seine alten Knochen zu durchwärmen; vor sich hatte er einen Mischnajoß, in den er' eifrig seine Blicke heftete. Dieser lag auf einem zerbrochenen Ständer, der schon, von Niemandem benutzt wurde, aber unserem alten Wasserträger viele Dienste erwies. Theils diente er ihm wirklich als Ständer, theils als Kopfkissen, theils pflegte er damit die wilden Kinder von sich zu scheuchen, wenn sie ihn beim Mischnajoßlernen störten. . .. . / . .... ' Der alte Jankel hatte schön längst ' keine Kinder^ nur 'eine alte Frau, ' die er,wD-hätte/burG.sei'ne schwere Arbeit ernähren können, da sie ja beide nicht die geringsten Ansprüche an das Leben stellten. .Allein Gott hatte sie durch ein schweres Unglück heimgesucht.' Ihr einziges Kind nämlich,- - eine Tochter, die er vor vielen Jahren an einen Fuhrmann verheirathet. hatte,- ist plötzlich — einige Jahre nach der.Hochzeit —- Wittwe geworden und hatte für drei kleine Kinder zu sorgen. Die Pferde und der Wagen würden verkauft, um mit. dem Erlös die Schulden zu bezahlen. Bald hatte sie nichts mehr und war mit ihren Kindern zu ihren alten. Eltern gezogen. Der alte Jankel trieb sie nicht von dannen, überließ sie und ihre Kinder nicht erbarmungslos ihrem Geschick, sondern er begann ohne. Widers willen, wie in den jungen Jahren, ihretwegen zu arbeiten. Dies hielt er für seine Pflicht. Aber der ©er* dienst seiner so gewaltigen Anstrengungen reichte, kaum zu trocknem Brode für sie aus. Bald starb auch seine Tochter, und die Kinder blieben nun ganz den Groß* eltern überlassen.. Mit frommer Ruhe ertrug der Alte auch diesen Schicksalsschlag, er fühlte sich trotzdem sehrglücklich, er liebte seine Enkelchen, die ihm stets, wenn er nach Hause zu kommen pflegte, freudestrahlend ent* gegenliefen, ihn liebkosten, küßten und ihn mit zarter,/ warmer, süßklingender Stimme: „Guter. Seide"' (Großvater) nannten. Besonders glücklich fühlte er sich, wenn er von seinem Verdienste ein. oder zwei. Kö-