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Der Israelit · 1902-10-14 · Heft 82-83 (14.10.1902) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 82-83 (14.10.1902)
Date
1902-10-14
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1749 einer Prinzessin ihr kostbarer Schmuck in denselben Brunnen und nun freute sich die Arme, denn sie wußte, wer der Fürstin den Schmuck herausholt, wird ihr auch den verlorenen Eimer mitbringen. Vielleicht war der Armen ihr. verlorener Eimer so theuer, wie der Prinzessin ihr Geschmeide. Gewiß geht uns das Elend der in Schande gerathenen jüdischen Mädchen, auch wenn ihre Zahl kleiner ist, ebenso nahe, wie der großen, christlichen Welt die Schmach ihrer Töchter. Aber wenn die letztere Anstalten trifft, ihre Kleinodien aus dem Pfuhl der Entartung herauszuholen, so sind damit auch die unseren gerettet. Wie läppisch hätte sich aber das arme Mädchen benommen, wie wenig savoir vivi'v hätte es bekundet, wenn es die Arme in die Seiten gestemmt, zu den fürstlichen Brunnensteigern gesagt hätte: Ich würdige Eure Bestrebungen und spreche meine Befriedigung darüber aus, mit der Ihr da zu Werke geht! Das hat aber der Rabbiner-Verband in Deutschland gethan, in dem er auf die klaffende Wunde am Körper der gesammten Kulturmenfchheit, nachdem er sie mit plumper, ungeschickter Hand noch tiefer gewühlt hat, als sie in Wirklichkeit ist, folgendes Heftpflästerchen klebt: Die Versammlung nimmt folgende Leitsätze der Referenten an: 1) Der Rabbiner-Verband würdigt die Bestrebungen zur Bekämpfung des Mädchenhandels und spricht namentlich seine Befriedigung darüber aus, daß die Komitees in London und Hamburg mit Ernst und Energie alles aufbieten, um dem Mädchenhandel wirksam entgegen zu treten. 2) Der Rabbiner-Verband unterstützt diese Bestrebungen zunächst dadurch, daß seine Mitglieder die freundschaftlichen Warnungen an allein reisende Frauen und Mädchen zahlreich unterschreiben. Das ist jedenfalls eine wackere Thai! Man darf sich den armen Mädchen gegenüber davon gewiß denselben Erfolg versprechen, als wenn man — um beim Bilde unseres Midrasch zu bleiben — fallende Eimer und Juwelen durch von Verbands-Rabbinern unterschriebene Warnungen im Falle aufhalten wollte! Um diese Armseligkeiten verordnen zu können, geben deutsche Rabbiner die Judenheit der Verachtung und dem Gespötte preis! — Doch nein, sie haben noch eine dritte Resolution, die folgendermaßen, lautet: 3) Der Rabbiner-Verband beschließt, ein dringliches Schreiben zunächst an die galizischen und russischen Rabbiner zu richten, worin sie nochmals, wie in einem ähnlichen, bereits früher ergangenen Aufrufe, auf die große Gefahr aufmerksam gemacht und zur wirksamen Bekämpfung aufgefordert werden.' .Eventuell sollen zunächst die galizischen Rabbiner in diesem Schreiben aufgefordert werden, zu diesem Zwecke .eine Rabbiner-Conferenz in Galizien einzuberufen, die dann unsererseits beschickt werden soll. — Ich habe mich noch nie in meinem Leben danach gesehnt, Rabbiner in Rußland oder Galizien zu werden, aber jetzt möchte ich's einen Tag lang wenigstens sein, den Tag, an dem das Schreiben der deutschen Amtsbrüder bei mir eintrifft, um ihnen die rechte , Antwort darauf geben zu können. Welche Bornirtheit, - welche Anmaßung spukt doch aus allen Ecken und Enden dieser Resolution! - Die Bornirtheit zuerst. Also dazu müssen sie die ganze außerjüdische Welt gegen die Judenheit alarmiren, dazu müssen stenographische Berichte in der „Frankfurter Zeitung" erscheinen, mir einen Brief an die galizischen und russischen Rabbiner zu beschließen? Hätten sie diese Heldenthat nicht beschließen und vollziehen können, ohne die galizischen und russischen Rabbiner in der öffentlichen Meinung bloßzustellen, als müßten sie von Rabbinern solchen Kalibers erst an ihre Pflicht erinnert werden? Weiter reicht ihre Weisheit nicht? Und dabei räumen sie selber ein, sie hätten einen solchen Brief schon einmal geschrieben, der aber augenscheinlich nichts geholfen hat, sonst wäre doch der zweite nicht nöthig. Und wie ein Glück, daß er nichts geholfen hat. Hätte er eingeschlagen, wären auf einen, solchen Brief hin alle Mädchenhändler wie Spreu vor dem Winde zerstoben, so hätten sie ja ein Traktandum zu wenig bei ihrer Versammlung in Frankfurt gehabt! Solche saftige Bissen, solche Gelegensten, wo liberale und orthodoxe Rabbiner (allerdings auch Pfarrer und Derwische) an einem und demselben Strange ziehen, gibt es so viele nicht, daß man sich so leichthin einen fortescamotiren lassen könnte. Und die Anmaßung, die .tpdö . oic darin liegt, vor aller Welt den Glauben zu erwecken, als hänge der . Jammer des Mädchenhandels, soweit er jüdische Mädchen betrifft, von der Intervention oder Nichtintervention der Rabbiner in Rußland und Galizien ab! Wie denken sich die Herren denn eigentlich diese Intervention, wenn sie sich etwas dabei denken? Was sollen denn um Himmelswillen die Rabbinen in Galizien und Rußland thun, um dieser Kalamität mit Erfolg entgegen zu treten? ., Wenn heute Jemand in ein russisches oder galizisches Dorf kommt und verspricht armen Mädchen eine geachtete, gute Stellung, wie sollen sie das ehrliche Anerbieten von dem betrügerischen unterscheiden können? Der Vater, die Mutter, der Rabbiner, die den reellen Vermittler von dem unreellen unterscheiden können, bedürfen wahrlich keiner Verwarnung seitens des Rabbiner-Verbandes, und die Arglosen, die von der Geriebenheit eines betrügerischen Agenten getäuscht worden, sind durch Verwarnungen vor solcher, Täuschung doch wahrlich nicht zu schuhen! > /> : ' Und da sollen die Rabbiner Galiziens, sich und ihre Gemeinden auch noch durch.' Einberufung einer ’ Rabbiner-Konferenz blosstellen, und weil sie die Blamage

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