Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 82-83 (14.10.1902)
- Date
- 1902-10-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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die. Entscheidung herbeizuführen, ob in dem Landtage die deutsche oder tschechische Partei dominirend sein wird. Bei den früheren Wahlen haben unsere Glaubensgenossen sich immer mit den Deutschen verbunden, haben mit ihnen Schulter an Schulter gekämpft und ihnen geholfen, die Majorität in einem Lande zu erringen, deren Bevölkerung sich aus dreiviertel Slaven und einviertel Deutschen zusammensetzt. Wahrlich, bei den Wahlen zeigte sich die Anhänglichkeit der Juden zu den Deutschen, denn jene scheuten kein Opfer, um den hartbedrängten Deutschen zum Siege zu verhelfen. Nun haben letztere ihre Dankbarkeit dadurch bekundet, daß sie mit unseren Glaubensgenossen einen friedlichen Verkehr unterhielten und mit Worten, wenn auch nicht mit Thaten, ihrer Unparteilichkeit Ausdruck gaben. Jetzt haben sich die Verhältnisse in unserer Markgrasschaft gründlich geändert. Eine Partei fängt an in unserem Lande festen Fuß zu fassen; es ist die Alldeutsche Partei, deren Meister und Gründer der antisemitische Abgeordnete, der Judenstämmling Schönerer ist. Jedoch von der zum Selbsterhaltungstrieb nöthigen Vorsicht ausgehend, geben sie die Parole aus, nur in solchen Bezirken eigene Kandidaten aufzustellcn, woselbst eine Gefahr bestehe, daß ein slavischer Bewerber dürchdringen könne. Nichtig kommentirt ist dieser Beschluß folgendermaßen auszulegen: In gemischt-fprachischen Bezirken, woselbst die Juden das Zünglein an der Wage bilden, woselbst also die Gefahr besteht, daß die Juden Wahlenthaltung üben, rder gar sich mit den Tschechen verbinden könnten, um eventuell den Deutschen den betreffenden Bezirk zu entreißen, wollen die Schönerianer so aroßmüthig sein, von der Aufstellung eigener Kandidaten abzusehen und das Terrain den Deutsch-Fortschrittlichen zu überlassen. welche übrigens in ihrem innersten Innern nicht viel besser^ als ihre Bruderpartei, die Alldeutschen, sind. Wie sich die Juden, deren politische Unklugheit hier nicht unerwähnt bleiben soll, zu verhalten haben, liegt an der Hand. Dieselben werden gut thun, sich diesmal, um den Deutschen einen Wink mit dem Zaunpfahl zu geben, ihnen aber nicht zu schaden, sich an der Wahl nicht zu betheiligen. Das wird die leitenden deutschen Kreise, die die Ehrsucht haben, eine recht imposante Stimmenzahl auf sich zu vereinigen, stutzig machen, ja, es wird in ihnen auch die Besorgnis; wachrufen. daß dieser Schritt unserer Glaubensgenossen den ersten Anlauf bedeutet, dem dann energischere Versuche folgen würden. Wenn dann die Deutschen zur Ueberzeugung gelangen werden, daß die unfreundliche Haltung der Juden den Verlust der ohnedies künstlich erhaltenen Majorität der Deutschen im Land-- tage nach sich ziehen könntedann werden sie wohl eines Bessern sich besinnen und gegen ihre ehemaligen treuen Bundesgenossen andere Seiten aufziehen. Also Glaubensgenossen, beherziget diese Worte und übet im ganzen Lande Wahlenthaltung! — Heute wollen wir einen wunden Punkt, eine der schmerzlichsten Angelegenheiten unserer konservativen Glaubensgenossen berühren, es betrifft dies das koschere Fleisch und die rituellen Speisen. Wir müssen es mit Wehmuth gestehen, daß es diesbezüglich fast ausnahmslos sehr schlecht bestellt ist. Dem Schreiber dieser Zeilen ist, um der Wahrheit die Ehre zu geben, das innere Gebühren der mit dem Verkaufe des koscheren Fleisches betrauten jüdischen Fleischhauer nicht bekannt; er weiß auch nicht, ob das zu Würstel, Wurstzeug und Geselchten bestimmte Fleisch eine rituelle Behandlung zu Theil wird oder nicht. Aber was ihm bekannt ist, das ist das tadelhaft religiöse Verhalten. der meisten jüdischen Fleischhauer. Er kennt eben viele jüdische Metzger, die den Sabbat entweihen, an dem-, selben rauchen, Würste bereiten und überhaupt die wichtigsten jüdischen Gebote nicht beobachten.. Dadurch aber kann man es keinem verargen, wenn er Mißtrauen hegt und diese erwähnten Persönlichkeiten nicht rptm stellt. Zum Lobe der mährischen Schächter hingegen muß es gesagt werden, daß die überwiegende Majorität derselben einen tadellos religiösen Lebenswandel führt. Das gilt jedoch nur von. den in Gemeinden angestellten Schächtern. Die Qualität aber jener, die das Schächten in kleinen jüdischen Ansiedelungen vornehmen, oder die.von Ort zu Ort wandern, um die Bewohner mit rituellem Fleisch zu versorgen, ist eine sehr mangelhafte. Oft fühlt sich mancher, der das Schächten bloß aus den Belehrungen eines deutschgeschriebenen Büchelchen sich angeeignet hat, berufen, sein Amt auszuüben. Mögen die Rabbiner des Landes, die ja in ihrer Mehrheit der konservativen Richtung angehören, ihr stetes Augenmerk ahf die Beseitigung der angedeuteten Uebelstände richten. - R u ß 1 and. < Sskmferopol, im Sept. Hierselbst hatte der Gouverneur der Krim, Kammerherr Trepow, kürzlich eine merkwürdige Frage zu entscheiden. Der Bischüf von Ssimseropol hatte erfahren, daß eine griechisch-orthodoxe Dorfgemeinde in der Krim den Bau ihrer Kirche, einem jüdischen Unternehmer übertragen hatte. Der Bischof war nun der Ansicht, ein Jude dürfe keine orthodoxe Kirche bauen, und wandte sich an den Gouverneur mit der Bitte, den Kirchenbau zu untersagen. Dieser lehnte es aber ab, den Wunsch des Bischofs , zu erfüllen; er erklärte, so lange eine Kirche nicht eingeweiht sei, stelle sie kein Heiligthum dar, und die russischen Gesetze enthielten keine Bestimmung, die den Juden den Bau eines griechisch-katholischen Gotteshauses verbiete.'' y.‘:-' '. v ' . ' A m er!! a.::r^ Washington, im Oki. (Präsident N ö s e - v e l t u n d d i e Juden.) Denjenigen, welche mit dem Geschäftsgang vertraut sind, der von der amerikanischen Constitution vorgeschrieben ist, braucht nicht