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Der Israelit · 1902-10-14 · Heft 82-83 (14.10.1902) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 82-83 (14.10.1902)
Date
1902-10-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1740 bezeichnet diese Sache als eine internationale, bei der Amerika nicht schweigen kann. Es beruft sich nicht auf den Berliner Vertrag, an dem es keinen Antheil hat, nicht auf ein internationales Recht, sondern auf eine, internationale Gerechtigkeit, und aus die moralische Verpflichtung, welche der Berliner Vertrag den Großmächten auferlegt. Sckrtär Hay's Protest ist eine Art Selbstvertheidigung, er ist eine Folge der Bemühung der Vereinigten Staaten, in der ganzen Welt allen Bedrückten hilfreich zu sein. So hat auch die englische und die continentale Presse den Protest aufgefaßt. Die Unterschiebung amerikanischer Angriffslust und Anmaßung — wie einige die Handlungsweise des Sekretärs deuteten — beweist die Nnkenntniß amerikanischen Charakters und amerikanischer Politik, oder sie. verräth den Wunsch, aus dieser Intervention Kapital zu schlagen. ZsUNrsgsrsschrLHLe» und Eorrespsrrdeme«. Deutschland. Würzburg, im Sept. Einen schweren Verlust sollte uns das abschließende Jahr noch bringen. Herr Leopold Oster, Verwalter des hiesigen israelit. Kranken- und Pfründnerhauses, ist am 26. Sept. nach nur dreitägiger Krankheit, im 61. Lebensjahre, seiner segensreichen Thätigkeit im Dienste der * leidenden Menschheit und dem Kreise seiner Lieben durch den Tod entrissen worden. Wer nur irgend Gelegenheit hatte, obige Anstalt in ihrer Wirksamkeit und zweckmäßigen Einrichtung kennen zu lernen, der mußte auch erkennen, daß sie den Ruf als Musteranstalt in ihrer Art, wesentlich den ganz hervorragenden Berufseigenschafien ihres Verwalters . zu verdanken habe. Herr Oster,' welcher als Sanitäter seiner Militärpflicht genügte, trat mit der Gründung der Anstalt im Jahre 1884 als Verwalter ein und wirkte an derselben mit voller Hingebung, mit seltener Berufs treue und vorzüglicher Sach- und Fachkenntniß. Damit verband er peinliche Ordnung in allen Theilen des Dienstes, der Reinlichkeit und der Beobachtung aller sanitären Vorschriften und Bestimmungen der Hüusverwaltung. So machte die Anstalt auf jeden Besucher den besten Eindruck; denn Ordnung und Reinlichkeit leuchteten ihm überall entgegen. Dazu kommt noch der religiöse Geist, in welchem die Anstalt statutenmäßig organisirt ist und geleitet wird, die gemüthvolle, theilnehmende Weise, mit welcher die Krankenpflege geübt wird. Allerdings stand dem Verwalter.zu all diesen Vorzügen eine ebenso ausgezeichnete Gattin zur Seite und nur solch vereinter Wirksamkeit waren diese Resultate möglich. Beide Eheleute erfreuten sich auch stets der allseitigen Beliebtheit und Anerkennung; bei den Aerzten der Anstalt und der Stiftungsverwaltung genossen sie unbedingtes Vertrauen, bei den Kranken und Pfründnern Liebe und Dankbarkeit. Groß war daher der Schrecken, als Freitags Abends zunächst in der Synagoge, dann in weiteren Kreisen die Kunde von dem raschen Hinscheiden Oster^s sich verbreitete, allgemein die Theilnahme mit der Familie. Jeder fühlte, daß nicht nur diese, sondern die ganze Gemeinde, besonders aber die Anstalt einen fast unersetzlichen Verlust erfahren hatte. Diese Theilnahme fand denn auch bei dem am 28. Sept. stattgefundenen Leichenbegängnisse entsprechenden Ausdruck. Die Vetheiligung war eine ungewöhnlich große; sowohl die Herren Oberärzte mit ihren Assistenten, verschiedene Vereine, als auch der größte Theil der Gemeinde waren erschienen. An der Bahre auf dem Friedhofe sprach Herr Distrikts-Rabbiner V a m b e r g e r rührende Worte der allgemeinen Trauer über den so frühen, unerwarteten Heimgang des hochverdienfen Mannes und den damit entstandenen Verlust für die Familie, für die Gemeinde und deren hervorragende Wohlthätigkeitsanstalt Ausdruck gebend. In der Gewißheit, daß solchen Verdiensten ein bleibendes, dankbares Gedenken gesichert und daß dieselben im Himmel den schönsten Lohn finden werden, möge sich die schmerzgeprüfte Familie trösten! -- Hierauf ergriff noch Herr Kgl. Hofrath Dr. Ad. Oppenheimer (Oberarzt der Anstalt seit ihrem Bestehen) das Wort zum Abschied, dem Hingeschiedenen in seinem und der Verwaltung Namen dankend für seine treuen Dienste, mit der Versicherung, daß der Name Oster der Anstalt unvergeßlich bleiben und daß er fortleben werde im Herzen der Oberärzte, im Herzen aller seiner Pflegbefohlenen und aller Freunde der Anstalt.— Der sterbliche Theil wurde hierauf zur ewigen Ruhe gebettet, der Geist aber wird in himmlischer Wonne segnend auf die lieber. Seinen und auf das Werk, in welchem er sich die schönsten Verdienste erworben, herabschauen! . Von der Verwaltung erschien in den hiesigen Tagesblättern ein sehr warmer Nachruf. In besonderer Rücksicht auf die Frau und nach einem in den letzten Lebensstunden ausgesprochenen Wunsche, verbleibt die Mttwe im Besitze der Hausverwaltung, während der eigentlich berufliche Theil durch einen neu anzustellenden berufstüchtigen Oberpfleger vertreten werden soll. Das Ausschreiben zur Bewerbung hierzu ist bereits erfolgt. - . .. Oesterrei ch. Aud Mähren, 5. Okt. Wieder stehen die Landtagswahlen vor der Thür, wieder werden die Juden unseres Kronlandes zur Wahl gerufen werden, um

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