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Der Israelit · 1902-10-09 · Heft 81 (9.10.1902) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 81 (9.10.1902)
Date
1902-10-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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unS bewahren, wie Du verheißen und nicht, wie ich selbst es gewünscht habe!" Wenn es nach menschlichem Sinne ginge, so müßte Za Gott jedesmal, wenn ein ganzes Volk der Sünde verfallt, cs auf einmal austilgen, und. so von Fall zu Fall danach den Plan seiner Welt ändern! Davon abgesehen, werden wir in unserer Kurzsichtigkeit immer in denjenigen, die Gottes Strafgericht sofort ereilt, den Frevler, in dem, den Seine Langmuth verschont, auch stets den Gerechten erkennen? Würden nicht diejenigen, die es stets besser als Gott verstehen wollen, alsdann auftreten und behaupten: Gottes Gerichte treffen stets nur den Unschuldigen — — — es gibt überhaupt keine göttliche Gerechtigkeit, weder hier, noch dort im JenseiM Wir erkennen daraus, daß wir uns nicht unterfangen dürfen, mit unserer kurzen menschlichen Elle die Erhabenheit der Wege Gottes zu durchmessen. Weil aber die Menschen sich bei dieser Erkenntniß nicht bescheiden wollen, wird sie ihnen zur Quelle der verhängnißvollsten Irrungen. Das eben läßt uns die Thora durch den Vorgang der nVw mit nachdrucksvoller Deutlichkeit vor die Seele stellen. Weil die Einen sahen, daß hier auf Erden, nicht jedem Fehltritt sofort die Strafe auf der Ferse folgt, sondern das Loos des Zufalles scheinbar die Entscheidung trifft, so behaupten sie, Gott kümmere sich um die Welt überhaupt^ nicht, es gäbe überhaupt keine Gerechtigkeit. Die Langmuth Gottes, für uns. Menschen - die' größte Wohlthat, wird für sie zum Verhängniß, das sie schließlich dahin führt, sich dem birny zu verschreiben, der sie von. Abweg zu Abweg verführt, bis sie schließlich in ihrem Uebermuthe, gleich Belsazar, bis zur Raserei sich, berauschen und elend zu Grunde zu gehen. Die anderen dagegen lassen sich trotz alledem keinen Augenblick in ihrem Vertrauen auf Gott beirren. Im Hinblick auf das ipr® welcher das Allerheiligste von dem Vorraum trennt, erschließt sich ihnen die Wahrheit, daß keine menschliche Einsicht je in den Rath Gottes einzudringen vermag, daher sind des Menschen Wege nicht den Wegen Gottes vergleichbar. Was hier als Jrrthum unseren Ausblick verfinstert, das wird derinst in voller Klarheit uns leuchten. Mag auch dieses Leben als eine Kette von Versuchungen sich darstellen, eben darum gilt es, das Ziel fest in's Auge zu fassen, der rovisb rp20 in das Allerheiligste Gottes gelangen läßt. V2'7M2n!?22 E3nx 22'^-y -!L2' N1N w'2 '2 «Soll dieser Tag uns zur Sühne gereichen, so daß er euch von all euren Sünden läutere — gleichviel, ob auf den Wegen Gottes wandelnd, menschliche Schwachheit uns überwältigt, oder ob in frevlerischer Vermessenheit uns Lberhebend, um der Gewalt des Asosel zu.verfallen — Wien. t ‘Jcb so dürfen wir das Licht Gottes nicht scheuen, müssen vielmehr vor seinem Angesichte unsere. Läuterung vollziehen. Zeitungsnachricht-« ««d Gemftwtt&etsitst. Deutschla n d. Gerolshofen, 6. Okt. Am Sabbat ki Sowau verstarb plötzlich in dem nahen Zeilitzheim, die hochgeehrte Frau Jette H i r s ch s. A., im Alter von 86 Jahren. Die Verschiedene war erst vor kurzem mit ihrem Manne von Fraustadt zu ihrem Sohne, Herrn Lehrer Hirsch, übergesiedelt, um daselbst ihren Lebensabend zu beschließen. Dieselbe erfreute sich bis zu ihrem Lebensende einer körperlichen und staunenswerten geistigen Frische. Durch ihren fröhlichen Humor und durch ihre trefflichen weiblichen Eigenschaften war sie bei Jedermann sehr beliebt. Auch diejenigen Vorzüge, die ein b'n npx schmücken, waren bei der Heimgegangenen vereinigt. p2*6 nnte n'nn ners ns2. , Mit ihrem Manne führte sie ein mustergiltiges, uneigennütziges Eheleben rwi ^2 jn s6i 2iv rinbo: und ihren Kindern war sie eine. zärtliche, aufopfernde Mutter. nEd bp non n"nru. - » Möge die Verblichene für die Hinterbliebenen und für uns Alle ein tot sein vor dem Throne des richtenden Königs, sodaß wir eingeschrieben werden: .D&tsn N212 D«n *1222 Würzburg, 2. Okt. Zwei Tage lang wurde am Schwurgericht gegen den verheirateten Metzgermeister Aron Baum in Nordheim.(Rhön) wegen Meineids verhandelt. Im August, vorigen Jahres hatte der Bäckermeister Johann Schmitt in Nordheim wegen eines Viehkaufes Differenzen mit Baum. Kurz darauf fand der sog. Fleischbesudelungsprozeß in Würzburg statt, den Memminger in einer Hetzbroschüre, betitelt „Jüdische Schweinereien", zur antisemitischen Agitation verwertete. Schmitt las eine solche Broschüre, und da fiel es ihm nun auf einmal ein, daß auch er im Jahre 1896 gesehen habe, wie Baum in seinem Schlachthause das Hinterteil eines geschlachteten Thieres verunreinigt habe. Er erzählte dies im Wirthshaus und in Dörfern der Umgegend von Nordheim, die Kunden Baum's blieben in Folge dessen aus. Durch solche Verdächtigungen aufgebracht, stellte Baum, den Schmitt zur Rede, es kam zu gegenseitigen, Schimpfereien, und nun lief Schmitt zur Gendarmerie, um seine angeblichen Wahrnehmungen anzugeben. Zwei Bekannte beider Parteien erschienen darauf bei Schmitt und machten ihm Vorhalt. Jetzt erklärte dieser, seine Angaben seien nicht wahr und nur aus Zorn gegen Baum erhoben worden. Er unterschrieb einen Widerruf, der dreimal in einer Zeitung veröffentlicht und auch der Gendarmerie mitgetheilt wurde. Aber am gleichen Tage wiederholte Schmitt seine Angaben wieder im Wirtshause. Nun stellte Baum Klage. An der Strafkammer erzählte Schmitt, er sei im April. 1896 eines Abends zwischen 10 und 11 Uhr in das

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