Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 81 (9.10.1902)
- Date
- 1902-10-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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43» Jahrgang. (Betrachtung zum versöhnungstage.) Von Rabbiner Dr. Daniel Fink—Wien. UMHtsUDkkitkiiHlitWtsKWltitkii. (Schluß.) Nunmehr sind wir auch in die Lage versetzt, das für den Versöhnungstag verordnete Opfer der mit welchem die Sünden des Volkes gesühnt werden sollen, von einer neuen Seite zu würdigen. Der eine von den Widdern wird bekanntlich Gott zum Opfer dargebrücht, der andere brrnrb bestimmt. Wenn wir tiefer dringen, gewinnen wir in denselben eine Darstellung für die beiden Ursachen, aus welchen alle menschlichen Verfehlungen abzuleiten sind. Die einen gehören jener Klaffe von Menschen an, die in ihrem Denken und Fühlen '"6 Gott zwar zugethan sind. Nichtsdestoweniger erliegen sie der Sünde, die nun einmal ein.Erbtheil unseres Geschlechts bildet. Ihnen weist das Opfer des heutigen Tages die Richtung 'i vsb die zu Gott führt, welche sie unverrückt in's Auge fassen sollen. So nur können sie immer kräftiger die Einflüsterungen des Irrthums abwehren und immer entschiedener in den Willen Gottes eingehen. Aus dem Verfahren, das mit dem,mb beobachtet wird, dürfen sie an der erhebenden Gewißheit sich nufrichten, daß ihrem frommen Streben schließlich die herrlichste Krone winken wird. An das Ziel ihres Lebens angelangt, werden sie v:tb\ ':zb in das Allerheiligste Gottes eingehen, zu einem neuen, seeligen Leben. ' Den anderen dagegen wird in dem brrrWb i'yv dem für Asosel geweihten Widder und in dem Verfahren, welches mit ihm zu beobachten ist, ein Spiegel ihres innersten geheimsten Wesens und Strebens vorgehalten. Mögen sie auch selbst sich oft der Gewalten, denen sie sich blindlings ausliefern, nicht bewußt werden. aus der Thora erfahren wir das unheimliche Triebwerk ihres Lebens. Von thörichtem Hochmuth geschwellt, gestattet es ihr Dünkel nicht, daß sie Gott sich unterwerfen. Im Wahne ihren Leidenschaften blindlings ergeben, starrt sie dieses Leben wie die Wildniß einer Wüste an. Wie viele unserer heutigen Juden sind doch leider im buchstäblichsten Sinne ein Widerspiel des i'xe»! In die grause Finsterniß ihres Lebens leuchtet nur einmal des Jahres ein himmlischer Lichtstrahl hinein. Nur noch an dem heutigen Tag erinnern.sie sich, daß es noch einen Gott gibt, ,rbv icaV lmi 'Sth *n "nein vor dem sie die Last ihrer Sünde, an der sie unabläffig zerren, abwälzen möchten, um sofort wieder der Wild-- heit ihrer zügellosen Triebe sich auszuliefern. So' , vollführen sie ein Leben als Wüstlinge, öde und trostlos. weil ihnen das Höchste abgeht, weil sie keinen Gott' . anerkennen, keine Religion kennen, daher für ihre, blinden menschlichen Triebe weder Maß noch Ziel ge-, winnen können. Mögen sie von'der Welt selbst auf einen schwindelnd hohen Gipfel gehoben werden, auf welchem Belsazar stand, ihr Leben muß sie dennoch, wie eine Wüste voll Schrecken und Entsetzen anwidern. Der Weg, der mit dem towfr TO eingeschlagen worden, weist sie wiederum mit furchtbarer Eindring-', lichkeit auf das Ziel hin, dem sie schließlich nimmer ent- , gehen werden. : :.,V.v Wie aber Menschen, die sich, in unseren Tagen, zu-' mal, noch für erleuchtet halten, nur dazu kommen, sich, solch heillosen Verirrungen auszuliefern, auch darüber', erschließt uns die Thora in den Vorschriften des heiligen Versöhnungstages die unzweideutigste Erkennt-. niß. Beiden dpw w ' toutbe ein Verfahren beobachtet, wie es sonst nicht wiederkehrt. Durch die . Entscheidung des Looses wurden sie ihrer Bestimmung., zugeführt?ixnk nnx “6 “mx bin Was soll, damit dargethan werden? -t Wir lesen im Talmud . (Synhedrin Fol. 111) n'2pn amb wo. nbiwv wpm6 d’bx *px nwb nex m pxt an»; 2Vw. rsb *iax — N2X' dw n*b ivx — vMi» noxl b ’xa nnn xwn' „Als Moses in den Himmel trat, fand er Gott gerade im Begriffe, die Worte b'bx ^x „langmüthig" aufzu-. zeichnen. Moses fragte: „Bezieht sich dies nur auf die Frommen?" und ihm ward zur Antwort: „nein, auch auf die Frevler!" Moses jedoch entgegnete: „die Frevler sollten doch lieber sofort von der Strafe ereilt werden!" worauf Gott erwiederte: „Begreifst Du auch , das, was Du wünschest?" Für den Augenblick mag ja das Begehren Moses ganz gerechtfertigt erscheinen. Er . ging dabei jedenfalls von der Ansicht aus, der Sache. Gottes könnte hier auf Erden dadurch der wirksamste . Dienst erwiesen werden, wenn den Frevlern das Straf-; gericht Gottes sofort auf die Fersen folgte. Nur die. Frommen verdienen die Langmuth Gottes, um Frist für Selbstbesinnung, Reue und Besserung zu gewinnen. Ihm ward jedoch die Aufklärung, daß selbst ein Mensch wie Moses die Tragweite und die Folgen eines, solchen Ansinnens nicht zu würdigen vermag. Schon , die allernächste Zukunft hat dies vollkommen klar-. gestellt. Hatte doch Moses selbst, um das Verhängniß von dem sündigen Geschlechts der Kundschafter abzuwehren, zur Langmuth Gottes, seine Zuflucht nehmen müssen und darum auch gebetet "i ma x: bnv nnsn M2N njs»x2» „So möge sich denn die Allmacht Gottes an