Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 81 (9.10.1902)
- Date
- 1902-10-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1710 -i Werk Vorbehalten," entgegnete Esther, „denn. meine Tage sind gezählt." - - - „Sprich nicht so, mein Kind," bat der Vater, „der Allgütige kann helfen." „Nein, ich fühle es, meine Kräfte gehen zu Ende. — Ich konnte mich meines Eheglücks ohne Vatersegen nicht lange erfreuen, mein guter Gatte wurde bald nach unserer Verheirathung leidend und mußte fast immer das Bett hüten. Die aufreibende Krankenpflege, die beständige Sehnsucht nach Dir, mein teurer Vater, die Gewissensbisse zehrten am Mark meines Lebens. Das Krankenlager meines Gatten hatte alle unsere Ersparnisse aufgezehrt, und mittellos stand ich mit meinem Söhnchen da, als der Tod meinen Gatten von seinem Leiden erlöste. Mich beherrschte jetzt nur ein Gedanke. Zurück zu Dir, mein heißgeliebter Vater, zurück zu meinem Gotte, dem ich ja im Herzen immer treu geblieben. Nun, da ich Dich wiedergesehen, da ich mein Kind Deinen treuen Vaterhänden übergeben kann, nun will ich gerne sterben." Ihre Stimme war schwächer und schwächer geworden, sie war einer Ohnmacht nahe. Hastig umfing der Vater sie und legte sie vorsichtig auf das Sofa. Dann brachte die alte Rifka, die es gar nicht glauben wollte, daß das ihr schöner Liebling sei, einen Teller Suppe, und nachdem Esther sich ein. wenig gekräftigt hatte, ging auch Rabbi Jizchak mit seinem kleinen Enkel zu Tische. Er hatte die unaussprechliche Freude, zu sehen, wie der Kleine sich vor dem Essen die Händchen wusch, den Segensspruch und dann das Tischgebet sprach. - Den Jom Kippur verbrachte Esther unter fortwährendem Gebete. Als sie das Neilagebet verrichtet hatte, ließ sie den Vater und ihr Söhnchen, das immer beim Großpapa sein wollte, aus der Synagoge holen. „Vater," sagte sie mit schwacher, erlöschender Stimme, „ich wollte Dich und mein Kind noch einmal sehen, bevor ich sterbe. Meine Kräfte gehen zu Ende, segne mich und vergib mir! - -.;; : „Ich habe Dir vergeben, mein Kind," sagte der Vater mit thränenerstickter Stimme, „und der Allmächtige, der Deine aufrichtige Buße sieht, wird Dir auch verzeihen."; Dann legte er segnend seine Hände auf ihr Haupt. „Lasse einige Frauen holen," bat sie leise. Dann sprach sie leise das- Sündenbekenntniß, — und sanft, und schmerzlos war sie hinübergeschlummert. Eine unabsehbare Menschenmenge gab Esther das. letzte Geleite. Der Rabbiner hielt sich aufrecht in seinem Schmerze, er wollte nur seinem Enkel leben. Er hätte die unendliche Freude, ihn als seinen Nachfolger auf dem Rabbinatssitze in S... zu sehen. Er war ein echt frommer Jehudi, ein edler Charakter, geehrt und' geliebt von seiner Gemeinde und allen, die ihn kannten. Er hat den Frevel seiner Mutter voll und ganz gesühnt. ' - •*>>{«$ Schaut! £)<-* Ich bin ein Jude, und mein Hort ist Gott,' : Und meine Losung ist das Wort der Lehre; Was mich beschützet und errettet aus der Noth, Ist jenes Heiligthum, das ich verehre. ... Jahrtausend, die an ihm vorüberzieh'n. Sie stören nicht der Thora heil'gen Laut. . Was lang bestanden, heut' auch soll's erblüh'n; Drum, auf Genossen, Juden, schau't!. Schau't in das Buch, der Väter Thaten, Schau't in die alte Zeit hinein. Und was Euch niemals wohlgerathen. Dann wird's Euch wohlgerathen sein! Max Grünbaum, Tertianer in Cassel. Der „Israelis erscheint wöchentlich zweimal, Montags nnd Bonnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch V. Zf. Stern ackev, Leipzig, Rohplatz jv. — Inserate 25 Pfennig die viergespältene Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr.. für'S Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3792. Telephon 1015. S'ellesuSende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine AuSgabe deö Israelit^ vier Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe'' längere. - Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige das Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post, auf dieselbe unter Nr. 3792a abonniren. Auf Wunsch stunden wir die Zahlung des JnsertionSbetrags an außer Stelle Befindliche bis nach - - Erlangung einer solchem ' . . , . Inhalt: (Hauytblatt): Menschliches Ausschreiten. Göttliches Einschreiten. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutsch- Berlin. Frankfurt a.M. .Niel. Aus,denr Negierungs-Bezirk Cassel. Marktbreit. Eudtknhnen.Oberdvr?.—Rußland: Petersburg.—Ber» land: .. inischtes. — Feuilleton: Gesühnt. .Inhalt der ee$m (Schluß.) — Schaut. __ ... . JEtllao«: Menschliches Ausschreiten. Göttliches Einschreiten. — Zeitungsnachrichten und Correspon- Lenzen: Deutschland: GervlShofen. Würzburg. Randegg. — Legte Nachrichten: Berlin. . , ZnhLlt ver rroelten BrUagr: Wissenschaft oder — Gelehrsamkeit (Schluß.) — Zeitungsnachrichten und Correspondenzcn: Deutsche land: Seesen. Frankreich: Baris. Nmnänicu: Bukarest. Ainerika: Neivnork. - Inhalt v«r dritten AeUage: Jüdische Sprüchwörter Mid Redensarten (Schluß.) — Zeitungsnachrichten und Corresvondenzen: Deutschland: Berlin. - Verantwortliche Redaktion: OSear Lehmann in Mainz. — Exvedltion deS ^FSraelit". Schottstraße Nr. 3. Mainz. •*. ’ DruS und Verlag der Lob. Wirth'schen HosbuchdruLerei Aetien-Gesellschaft in Mainz. ' '-.7'--'- HßsTM drei VsNsgerr. 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