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Der Israelit · 1902-10-09 · Heft 81 (9.10.1902) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 81 (9.10.1902)
Date
1902-10-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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:1707 nach Antisemitenart an Bord beschimpft und «Judenjunge" genannt hatte. Der Vater des Hirsch reichte eine Klage beim Kommando des ersten Geschwaders ein und der Gerichtsherr erhob Anklage gegen Petzold wegen Beleidigung. Da Petzold dem Hirsch die Beleidigung nicht direkt in's Gesicht gesagt, sondern Anderen gegenüber gebraucht hatte, erkannte das Standgericht auf Mindeststrafe. Der Verurtheilte legte Berufung ein und beantragte seine Freisprechung mit der Begründung, daß er nicht die Absicht der Beleidigung des Hirsch.gehabt habe und der Matrose an Bord allgemein «Judenjunge" genannt werde. Die als Zeugen erschienenen Kameraden des Hirsch bestritten entschieden, daß dieser an Bord mit dem Schimpfnamen gerufen werde. Das Gericht verwarf die Berufung des Angeklagten als unbegründet, da Petzold objektiv eine Beleidigung ausgesprochen habe. Es bedauerte gleichzeitig, daß es nicht in der Lage fei; die vom Standgerichte erkannte Strafe zu erhöhen, weil der Gerichtsherr keine Berufung eingelegt habe; andernfalls hätte es die Strafe des Petzold" erhöht. (B. Mg.-Ztg.) M. Aus dein Negicrungö-Bezirk Cassel. Verschiedene Tageszeitungen enthalten folgenden Bericht: Treysa, 29. Sept. Gestern beginn Herr Lehrer Oppenheim von hier sein 25jähriges Jubiläum. Die allgemeine Theilnahme der israelitischen Gemeinde, der Lehrerschaft,Treysas, der israelitischen Kollegen der weiteren Umgebung, sowie der Einwohnerschaft ohne Unterschied des Bekenntniffes, legten Zeug-- niß ab von dem Ansehen, in dem der Jubilar steht, wie von der Beliebtheit, deren er sich zu erfreuen hat. Mittags fand in der Schule eine von dem Königl. Ortsschulinspektor Herrn Rektor Röse geleitete Schulfeier statt, nach deren Beendigung zahlreiche Geschenke überreicht wurden, unter denen besonders diejenigen der Gemeinde, des städtischen Lehrerkollegiums, sowie des Ausschusses der israelitischen Lehrerkonferenz Hessens, dessen langjähriges Mitglied der Jubilar ist, zu erwähnen sind. Am Abend fand im Saale des Herrn Wettlaufer ein in gehobenster Stimmung verlaufener Kommers statt." Wir fügen noch hinzu: Möge es dem Talmid Chacham vergönnt sein, bei bester Gesundheit noch eine Reihe von Jahren zur Ehre Gottes, zur Erhaltung des Judenthums und zur Förderung vaterländischer Bildung zu wirken. Marktbreit, 30. Elul. Wieder ist ein Mann treuer Pflichterfüllung und rastloser Thätigkeit eingegangen in das Reich der Geister. Am 1. Selichothtage wurde Herr S. Wohl s. Ä., Magistratsperson und . langjähriger erster Kultusvorsteher unserer Gemeinde, zur letzten Ruhe bestattet. Er erreichte das seltene, hohe Alter von 85 Jahren. Bis vor drei Jahren noch wirkte der Verstorbene in seinen Aemtern mit jugendlicher Rüstigkeit und in voller geistiger Frische. In. seiner Familie, in der bürgerlichen Gesellschaft, in der Gemeinde, in allen Kreisen, . in denen er seine . geistigen Kräfte entfaltet, hat er unauslöschliche Spuren seines thatenreichen Lebens zurückgelassen. 57 Jahre wirkte der Verblichene in hiesiges. Gemeinde, in segensreicher Thätigkeit. 19 Jahre bekleidete er bei bescheidenem Einkommen das Amt des Religionslehrers und Kantors der damals noch kleinen -hiesigen Gemeinde. 36 Jahre'war der Entschlafene der bewährte' Führer und so der geistige Mttelpunkt deraufblühen-, den und immer mehr wachsenden Kultusgemeinde. Sein hervorragender Geist, sein überaus reiches Wissen; sein praktischer Sinn, sowie seine Charkatereigenschaften befähigten ihn ganz besonders zu diesem Amte, das er mit gewissenhafter Treue verwaltete.. Er war in des Wortes vollster Bedeutung ein nbun rw nm Er hatte einen klaren, besonnenen Blick in das Kommende.! Mit dieser zielbewussten Energie verband sich der sanfte Charakter einer alles versöhnenden Friedensliebe und! eine bestrickende Veredtsamkeit. Der imposante Trauerzug, welcher der Bahre die- ’ ses hochverdienten Mannes folgte, legte lautes Zeugnih ab von der allseitigen Beliebtheit und hohen Ächtung,, deren, sich der Heimgegangene bei der gesammien Bevölkerung der hiesigen Stadt vhne Unterschied der Konfession in hohem Maße erfreute. Unter anderen :r-, wiesen die Geistlichen.der'beiden'chri'stlsH'en^onfeffw^,!,- nen, die städtischen Kollegien mit dem Bürgermeister,! . das Lehrerkollegium und die Schüler der städtischen Real- und Handelsschule, deren Gründer und lang-, jähriger Leiter der Verstorbene, war, diesem, die, letzte! Ehre. Vor dem Trauerhause sprach Se. Ehrwurden Herr Distriktsrabbiner Adler,' Kitzingen, im Aufträge der Kultusgemeinde. In eindrucksvoller, tiefempfundener Rede entrollte er ein klares Bild von der fruchtbaren, erfolgreichen Thätigkeit des Hingeschie-! denen. Am . Grabe zollte der erste Kultusvorstand. Herr S. Weinberg, dem Wirken seines Vorgängers im Amte die wohlverdiente Anerkennung und den Dank der hiesigen Gemeinde. In kernigen, treffenden Worten hob der Redner unter Zugrundelegung des , Textes TOna pr-io vpycp tzv ivm xdh; nö-pno irosn seine hervorragenden Verdienste um, das hiesige Gemeindewesen . hervor, besonders. noch seinen friedlichen, versöhnenden Charakter, dem es auch unter den schwierigsten Verhältnissen gelang,'die Ein?' heit und den Frieden in der Gemeinde allezeit zu. wahren."-'' ■- -v;' Als letzter Redner am Grabe sprach.her 'Bürger-' meister der. hiesigen Stadt, der . mit . dem, Rektor der Handelsschule der Bahre auf den zwei'Stunden' entfernten Friedhof gefolgt war. ' In eindrucksvollen!' Worten gab Redner der'tiefen Trauer der Bürgerschaft um den Verlust dieses wackeren, hochängesehenen

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