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Der Israelit · 1902-10-09 · Heft 81 (9.10.1902) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 81 (9.10.1902)
Date
1902-10-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1704 lange Zeit aller Welf die?Glieder4rzittern. Man lechzte förmlich nach einer-,. Gelegenheit, diesen. -verwegenen Frevel sühnen?zu könnM So nur erklärt es sich, daß Cyrus ganz aus freien Stücken unseren verbannten Vorfahren ihr Vaterland wiedergab und die Wiederaufrichtung des Tempels befahl. Jndeß so gewaltig und erschütternd dieses Ereignih sich'auch ausnehmen mag, bald im Eingänge des Thoracibschnittes, der heute zur Verlesung gelangt, weil er die Bedeutung des Versönhnungstages auseinandersetzt, wird von einem anderen berichtet, das womöglich noch furchtbarer sich äusnimmt: bk 'n nm 'wsi 'wb ereiTpa fnnx ys. ms nr». ntws „Gott redete zu Mose nach dem Tode der beiden Söhne Aharons, die, als sie Gott zu nahe traten, hingerafft wurden." Was hatten sie sich eigentlich zu Schulden kommen lassen? Hingerissen von dem Ueberschwang des Jubels, der: sich angesichts der göttlichen Gnadenerweisungen aller Welt bemächtigt hatte, nahten sie mit fremdem Feuer, n rrs iö ''v'rr das Gott nicht geboten .hatte, dem Altäre. Vier dieses Vergehen und dazu noch all' seine begleitenden Umstände würdigt, der kann nicht anders, als es in einem durchaus milden Lichte betrachten; dennoch wurden sie sofort vom Strahle des Todes ohne Schonung niedergestreckt und dies noch im Angesichte des Vaters, der soeben -den weihevollsten Augenblick seines Lebens f-nerte. Wie gering erscheint doch ihr Vergehen im Vergleiche zu dem herausfordernden Frevel eines Belsazars. Jener wurde trotzdem erst gewarnt, wer weiß, ob er nicht dem drohenden Gerichte entgangen, hätte er sich rechtzeitig noch unterworfen. Die Söhne Aharons dagegen wurden sofort von ihrem Verhängniß ereilt! — Scheint sohin dieses Ereigniß hinsichtlich seiner Ursachen unzulänglich begründet, .so . wiederum auf der anderen Seite in seinen Wirkungen bei weitem-überschätzt. Welche-.Beziehungen hat es denn eigentlich zu dem Versöhnungstage überhaupt? — das ist ja eine Frage, die schon von jeher erhoben wurde. Dringen wir jedoch noch tiefer-in den Zusammenhang unseres Textes, so erfährt unser Staunen womöglich noch eine bedeutsame Steigerung. Nach der von demselben gelieferten Darstellung soll der Tod der Söhne Aharons als erster Ausgangspunkt, ja als eigentliche Grundlage für die Stiftung des Jom Kippur angesehen werden. Heißt es doch unmittelbar nach dessen Erwähnung: rn V22 «2' bm -pnx |wx bn .■'lamÄ-iwas ernprf „Rede zu deinem Bruder Aharon, daß er nicht zu jeder Zeit in das Heiligthum jenseits -des Vorhanges trete." . Wer etwas hebräisch versteht, der weiß, daß der Nachsatz in unserem Falle zu lauten - hätte: V-npn bx X2' ysi«i b>yrb. iw: ex '2 „sondern nur am 10. des siebten Monats soll Aharon in Pas Allerheiligste ein tretend - Statt dessen heißt es: 'Mmxn brr pmx - rx« — was sich nur auf den 'Satz' iwoi —, Ktb VN27P2 beziehen kann und demnach besagen will: indem er unter den Eindruck dieser Thatsache sich stellt^ dadurch allein erscheint Ahron zum Eintritte in das Allerheiligste als würdig. Nun erhebt sich mit um so schwererem Gewicht die Frage: Ist denn das harte und saure Joch von Sünde, Schuld und Laster, unter welchem die Menschheit seufzet, nicht1 der dringenden Veranlassung genug zur Einsetzung eines Tages der Sühne, der uns Linderung bringen soll? Was will ein einzelnes Ereigniß — und sei es selbst der Tod der Söhne Aharons, dem gegenüber für eine Bedeutung beanspruchen?! Jndeß, wenn wir tiefer dringen, so leuchten uns ' aus den beiden Ereignissen, um welche sich unsere Betrachtung dreht, die schwersten und drohendsten Gefahren hervor,, durch welche die Menschen Gottes und Seiner Lehre verlustig gehen können. Vergegenwärtigen wir uns zunächst die Lage unter Belsazar. Was damals sozusagen die Macht der Welt bildete, das war alles mehr oder minder von Babylonien abhängig. Der Herrscher dieses Reiches bildete gleichsam den Mittelpunkt der damaligen Welt, in seiner Hand ruhte ihr Geschick. Wo hätte das Geschick einen einzelnen Menschen je noch auf eine höhere Stufe gehoben? Dem . Belsazar war jedoch damit noch nicht gedient. Nicht bloß den Selbstherrscher, nein den Alleinherrscher dieser Welt wollte er machen. Nun wußte er aber, daß in seinem Reiche noch Trümmer von einem Volke vorhanden waren, dessen Macht sein Vater zwar längst gebrochen hatte, das aber nichtsdestoweniger in unbeugsamem Eigensinne — wie soll ich nur sagen — an einer Art Traum festhielt, wonach ein Mensch weder Selbstherrscher, noch viel weniger Alleinherrscher jemals sein könne, sondern einen Höchsten gibt es, dem sie alle unterworfen sind. Dieser winzige Schatten war es, der sein bis zum Wahne gesteigertes Machtbewußtsein zu verdüstern schien. Um auch den noch zu verscheuchen, holte er eben zu einem verwegenen Zuge aus. Er erhob den Kelch des Heiligthums, um Gott zu höhnen und siehe da. vom Schrecken Gottes ereilt, wird er selbst ein. in tausend Aengsten sich windender Schatten und der frevlerischen Uebermuthes erhobene Kelch entsank seiner Hand. Alle Welt hatte nun wieder erfahren, was man doch so gar gerne vergißt, daß es einen Gott gibt, der noch immer die Zügel der Weltregierung führt. . Anders lag die Sache bei den Söhnen Aharons. Eine verwegene, von frevlerischem Uebermuthe geschwellte Gesinnung läßt sich ihnen in keiner Hinsicht vorwerfen, wohl aber ein anderes, was in Anbetracht" ihrer . Eigenschaft als Priester nicht weniger bedeutet. Schon bei dem ersten Schritte, den sie als solche unternahmen. waren sie der Verantwortlichkeit ihrer Stellung nicht eingedenk und haben an die Stelle des . göttlichen Willens — ihr augenblickliches Gutdünken, gesetzt. Wenn das in dem Sinne so weiter ginge, was'

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