Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 80 (6.10.1902)
- Date
- 1902-10-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1692 geblieben. Vor einiger Zeit habe ich ihn bei einer bekannten Familie getroffen und ich war ganz erstaunt' über die Tiefe, die Pragnanz und die Aufrichtigkeit jedes feiner Worte. Als ich zum Abschied gesagt habe: ^Je seiTe la inain qui a 6crit le ..travail“ et je yais travailler!“ hat er mir mit einem freundlichen Lächeln geantwortet: „Parfaitement, mon jeune aini, travaillez, c’est la meillenre fagon de m’honorer“. Dieser große und edle Mann ist nun tobt! Weder die Schmähungen seiner Feinde, noch die Verkleinerungen seiner Gegner werden, die Nachkommenschaft hindern, voll Liebe und Bewunderung auf ihn zurückzublicken. Unsere Weisen sagen: virr iw wn rn2 2 Ni Wir wollen daher als schönste Zolaehrung den Wunsch gussprechen, daß die Zeit der Toleranz und' der Gerechtigkeit, die ec geträumt, nicht all-, zulange auf sich warten lasten möge. Pi. K e tt 11 lei Mesühnt. - 7 V v; a H tung vo n S. R. Man schrieb das Jahr 1876. Es war Ende September. Der Tag war brennend heiß gewesen, fast wie im. Juli; doch die Kühle des Abends, der frühe Untergang der Sonne zeigten, daß der Sommer im Scheiden begriffen war. Auch die vielen rothen Blätter, die auf der Erde lagen, deuteten auf das Herannahen des Herbstes hin. ' - r ' Auf der Landstraße zu E... wanderte ein junges, ärmlich, fast dürftig gekleidetes Weib; ihr zur Seite ein reizender, blondgelockter Knabe von ungefähr vier Jahren. Sein munteres Geplauder erhellte zuweilen für einige Minuten die düster gefaltete Stirne der Mutter, aber schnell verschwand das Lächeln wieder, um einem trüben Ernste Platz zu machen. Die junge Frau mußte schon viel gelitten haben. Die schmalen, eingefallenen Wangen, die tiefliegenden klugen, aus denen einst ein wärmeres Feuer gestrahlt haben mochte, die vielen Silberfäden, die sich durch das schwarze Haar dahinzogen, sie zeugten von gramerfllllten Tagen und kummervollen Nächten.? . Einige Minuten ging die Mutter schweigend neben ihrem Kinde einher; an ihrem Geiste war"wieder ein- MMwie'-schoN häufig;; -die PeWmgepheit Wrüberge-. Mngen üüd'.Ham ihr manchen schweren -Seufzer ent-' lockt, als des Kleinen Stimme ihren Gedankengang unterbrach, v/ _; „Kommen wir heute noch zum Großpapa?" fragte? der Knabe, indem er Miene machte," sich auf einem - Stein am Wege niederzulaffen. . - -7-- „Komm' Leo," sagte die Mutter, „Du darfst Dich jetzt nicht sehen, es wird bald dunkel werden, uiü» hier auf der Landstraße können wir doch nicht übernachten. Zum lieben Großpapa kommen wir heute nicht mehr, aber wir werden uns doch bald ausruhen." . ' r . Dabei bückte sie sich, um den Knaben, der schon das Köpfchen zum Einschlafen gesenkt hatte, emporzuheben, aber die Kräfte versagten ihr. Ein heftiger ' Hustenanfall ließ ihren siechen, gebrechlichen Körper erbeben, und sie mußte sich an einem Baume festhalten, um nicht umzusinken. Endlich hatte sie sich wieder so- / : weit erholt, um das inzwischen fest eingeschlafene Kind - auf ihre Arme zu nehmen, und langsam, fast keuchend, schleppte sie sich mit ihrer theuren Last weiter. „O, Du mein guter Gott," betete sie, .„laß mich . \ doch mitleidige Menschen finden, die uns über Nacht beherbergen. Wenn ich bei dieser kühlen Luft im Freien übernachten, muß, dann ist mein armes Kind vielleicht - - morgen schon eine heimathlose Waise. Werde ich meinen Vater Wiedersehen, und wie wird er mich aufnehmen?" Bei diesem fortwährend gelispelten Selbstgespräche war es dunkler und immer dunkler geworden, und noch schien die Landstraße kein Ende nehmen zu wollen. Da hörte sie in der Ferne das dumpfe Rollen , eines Wagens. Athemlos lauschte sie. Näher und näher ' . kam das Gefährt, und nun sah sie beim Scheine der Laterne, daß in dem Wagen ein Mann mit einem kleinen Kinde saß, das, gleich dem ihren, auch eingeschlafen' war.— „Gute Frau," rief der Mann, als er die arme Frau bemerkt hatte, „Euch scheint es ähnlich ergangen, zu sein, wie mir. Die Nacht hat Euch, zu früh über- - rascht und Euer Söhnlein scheint auch eingeschlafen zu. sein. Ihr wollt gewiß auch nach E . ..," sprach der Mann weiter, „steigt zü mir ein, wir sind bald am Ziel." — ' -• „Tausend Dank," entgegnete die Frau, „Ihr-thut ein gutes Werk, der Allmächtige möge es Euch lohnen!" . Dann stieg der Kutscher auf Befehl seines Herrn . ab, . reichte den schlafenden Knaben in -den Wagen * hinein, half der Frau beim Einsteigen und weiter ging die Fahrt. ‘' -.•/ _' „Sie haben wohl schon einen weiten Weg zuruckgelegt?", fragte der freundliche Mann mit mitleidigem Blicke, „Sie scheinen sehr ermüdet zu sein." -s "; .. „Wir wandern schon viele Tage und Nächte," entgegnete die Frau mit unsäglich trauriger Stimme, r. ^heüte dachte ich ganz sicher S.. > zu erreichen, nun ist es aber wieder nicht gegangen." 5; „Beruhigen Sie sich," sagte HerrSom hieß der Mann„von E. . .'üach'MM'rsk ein sehr kurzer Weg, den werden Sie, wenn Sie heute Nacht