Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 80 (6.10.1902)
- Date
- 1902-10-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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I kr - : 1693 gut geruht, haben, morgen mit Leichtigkeit erreichen. Sie kommen jetzt mit mir in meine Wohnung,- machen es sich da gemüthlich, schlafen gut, und, wenn Sie sich morgen ganz wohl fühlen, so setzen Sie Ihre Reise fort. Sollten Sie sich jedoch noch nicht ganz erholt haben, so bleiben Sie über Jom Kippur bei uns. Sie sind doch Gläubensgenvffin?" fragte er. Sie bejahte, während grotze Thronen aus ihren Augen perlten.. «Sie sind ein edler Mann," sprach sie, „Gott hat mein heißes Gebet erhört und - mich gute Menschen finden lassen." ' „Reden Sie doch nicht so viel von dieser. Kleinigkeit," unterbrach Herr. Sommer ihre Dankesbezeugung. „Meine Frau wird sich sicherlich auch schon Sorgen machen, weil ich mit dem Kleinen so spat nach Hause komme; sie ist gewöhnt, mich vor Nacht daheim zu sehen. Die beiden Jungen schlafen so gut, daß es mir fast leid thut, daß wir sie nun wecken müssen, wir sind nämlich jetzt zu Hause. — Da sind wir glücklich angelangt," rief er seiner Gattin, die ihn schon an der Thüre erwartete, zu, „ich habe Dir auch noch Gäste mitgebracht. Komm' hierher, liebe Mirjam, und hilf der Frau aus dem Wagen, sie ist furchtbar angegriffen und ermüdet. Ich trage rasch unfern Jungen, der eingeschlafen ist, hinauf, im Augenblick-bin ich wieder zurück, um auch den andern Jungen zu holen." Der letztere war aber inzwischen erwacht, und noch schlaftrunken fragte er: „Sind' wir nun beim lieben Großpapa?" „Nein, mein Kind," entgegnete die-Mutter, „aber, bei guten, lieben Menschen werden wir uns heute Nacht ausruhen, und morgen kommen wir mit des Allmächtigen Hilfe zum lieben Großpapa." Schon nach kurzer Zeit faß der kleine Leo vergnügt beim Abendessen zwischen den Sommer'schen Kindern, und alle ergötzten sich an dem munteren Geplauder des reizenden Knaben. Die arme Frau konnte nichts genießen, sie war zu matt und elend. Frau Sommer bestand darauf, daß sie wenigstens eine Tasse'Milch trinke und sich dann sofort zu Bette begeben müsse. „Sie sind so gut, so unendlich gut," sprach die arme Frau unter Thronen, „ich kann es Ihnen niemals danken, was Sie an mir und meinem Kinde thun." ' Strengen Sie sich doch nicht mit dem Sprechen an," bat Frau Sommer, „und versuchen Sie, vor allen Dingen, jetzt zu ruhen, damit Sie sich morgen kräftiger Nach einem freundlichen Gutenachtwunsch ent-, fernte sie sich. Sie-hatte eine dunkle Ahnung, wen sie unter ihrem Dache beherberge und müßte.. dies ihrerm Manne -mittheilen-- Dieser-fchütteltezwar ungläubig das Haupt,.er erinnerte sich nicht, der Fremden schon einmal im Leben begegnet zü sein, doch .seine Frau blieb bei ihrer Meinung. Mach kürzer Zeit trait sie noch.einmal leise in das Schlafzimmer ihrer Schützlinge und hatte die Freude, dieselben in. ruhigem^ Schlummer zu finden. Zufrieden ging sie hinaus, um -' noch ihr Tagwerk zu vollenden, MH Cs war der Rüsttäg des heiligen Jom-KippmH In seinem Studirzimmer zu S. . . saß Rabbi JizchäI Winterfeld, über, seine Folianten gebeugt, doch er lernte nicht. Seine Gedanken schweiften zurück, weit zurück^ und Bilder der Vergangenheit zogen an seiner Seeles vorüber. Er dachte an seine frohe/ glückliche JugerM an seine frommen Eltern, hie ihn, ihren Einzigen, M allem Guten erzogen hatten. Keine Opfer scheuten sM um ihn studiren zu lassen, und nach vollendeten StüH dien verbrachte er noch einige Jahre auf einer ungari-7 schen Jeschiba, Wie stolz und glücklich waren die güH ten Leute, als er dann den ehrenvollen Posten eines" Rabbiners in S. ... erhielt. Bald darauf führte er seine unvergeßliche Lea als Gattin heim. Er war Wglückt in seiner Häuslichkeit, zufrieden in seinem Wir-; kungskreise, und als ihn nach Jahresfrist feine Gattin^ mit einem lieblichen Töchterchen beschenkte, da fehlte^ ihm nichts zu seinem Glücke. Doch bald kam der erstes große Schmerz seines Lebens. Eine epidemische Krankt heit war in S. . .. .'ausgebrochen und hatte auch seinh theures Weib dahingerafft. Bald starben ihm auch: kurz nacheinander die greisen Eltern, und allein staiM er mit seinem mutterlosen Kinde/ . Diesem''galt nun' sein ganzes Sorgen und Streben,. seine ungeteilte Sorgfalt widmete er seinem geliebten Tochterchem,, 7 Die alte Rifka, ein Erbstück der. Familie, die auch ihn großgezogen, sorgte für das Hauswesen und für das leibliche Wohl des Kindes. Fast den gänzen Tag verbrachte die kleine Esther, im Studirzimmer des Vaters. Sie war ein äußerst gewecktes, , klar, denkendes Kind, und des Vaters höchste Freude 'war es, die Kleine zu unterrichken, ihr auf ihre kluggestellten Fragen zu antworten.. .: - - Esther wuchs zur herrlichen Jungfrau heran. Im ganzen Städtchen, ja in der ganzen Gegend,.wurde sie nur die „schöne. Esther" genannt. Freundinnen hatte sie keine. Der Vater entbehrte sie so ungerne, und sie brauchte auch nichts, als ihren Vater und die alte Rifka. Die Alte vergötterte ihren Liebling und erfüllte den leisesten ihrer Wünsche^ K 7.)' Friedlich und still war es diesem Hausi> während draußen — es war im Jahre 1870/71Hdie Kriegs - fackel loderte. Doch jetzt sollte es auch m^S.^.:. lebendig werden. Einquartirüng war angemeldet worden, viele Hunderte von Soldatensollten in d>Lm kleinen ,.ÄadtcheyAufy^m^.fi^M^.MWIMUaöbme'Müse war man damit beschäftigt,- alle entbehrlichen Zimmer in Schlafräume umzuwandeln.H H: (Schluß folgt.) / IL= --.-J-rr—-