Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 91 (17.11.1902)
- Date
- 1902-11-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Kreise meiner Schüler und lehrte.sie die Schreibkunst, als die Mutter eines meiner Zöglinge hereinstürzte und ein Geschrei erhob: „Ich zahl' Euch ganze fünfzehn Kopeken baar Monat für. Monat, und am Ende wollt Ihr meinem Sohne nicht einmal ein paar Zeilen vorschreiben! Diesem und jenem schreibt Ihr jedesmal neue Zeilen vor mit allerhand schönen Schnörkeln und Linien, daß es eine Freude ist zu sehen und aus meinem Sohne macht Ihr Euch nichts, weil er armer Leute Kind ist. Hier hat Ihr sieben und eine halbe Kopeke für den halben Monat und fortab brauche ich Euch nicht mehr." Sie drehte mir den Rücken, nahm den Sohn bei der Hand und verließ das Zimmer, sprühend vor Zorn. Das ist nicht der einzige Fall dieser Art. In den wenigen freien Stunden, die mir bleiben, lese ich die hebräischen Zeitungen und angesichts der unendlichen gehäuften Leiden, von denen unsere Brüder in den verschiedensten Gegenden heimgesucht werden, kommt mir manchmal der Gedanke: „wer weiß, ob jene Unglücklichen und Verfolgten nicht einen Menschen in meiner Lage glücklich schätzen?" . . . . Auch hier in der Stadt neiden mir viele mein — Glück, ich habe sogar schon Feinde, und zwar Leute, denen ich nie im Leben ein Leids zugefügt. 1. Tebeth. Lieber Freund! ' ' Alle meine Feinde haben sich in Freunde verwandelt. Und weißt Du warum? Weil meine Existenz als „Schreiber" futsch ist. Vergangene Woche tauchte plötzlich in unserer Stadt ein junger Mann auf, und alsbald verbreitete sich die Kunde, der Fremde sei ein kaligraphischer Künstler, wie ihn unsere Stadt seit langem nicht mehr gehabt habe. Noch an demselben Tage ließ er Kundmachungen an den Wänden des Beth Hamidrasch, der Synagoge und des Badehauses' anbringen, die besagten, daß der Ankömmling sich unterziehe, binnen zwei Monaten Jedermann in die Kunst des Schönschreibens einzuweihen. Als Muster waren unter den Kundmachungen Schriftproben von seiner Hand angebracht, damit das Publikum sich augenscheinlich von seiner Kunstfertigkeit überzeuge. Es war eine reine Augenweide, alle die kunstvollen und meisterhaften Schnörkel anzublicken, und das Volk ergötzte sich daran. Es waren da allerhand geflügelte Drachen, Thürme und Festungen zu sehen. Die Folge war, daß es keine volle Woche dauerte, bis ich alle meine Schüler verlor, bis auf zwei arme Knaben, die mich vermuthlich auch alsbald verlassen werden. Anfangs gerieth ich außer Fassung.und lief zum neuen „Schreibers um ihn durch Drohungen zu bewegen, den Ort auf der Stelle zu verlassen. Jener aber lachte mich aus und machte sich nichts aus meinem Aerger, ebenso wie ich mir seinerzeit nichts aus dem Aerger des alten Jakob Schreiber gemacht habe. Ich lachte übrigens nachher selber über meine Aufwallung. Habe ich denn nur. allein einen Magen, und der Andere kann von der Lust leben? Das ist nun einmal der Kampf um's Dasein. Nach einigen Monaten wird sich der Ruhm unseres neuen „Schreibers" wahrscheinlich ebenso verflüchtigt haben, wie der seiner Vorgänger und er wird einem Andern Platz machen müssen. Doch, wohin soll ich mich , nun wenden und was soll ich ansangen? (Fortsetzung folgt.) - Wöchen-Kalenüer. Donnerstag. 20.*_9louem6er, 20.'Chefchwan.''S'r2N rMyru Freitag, 21. November. 21. Cheschwan. Sabbat-Anfang in Mainz und 'Frankstrrt a. M.4 Nhr"05Mnr. Samstag, 22. November. 22. Cheschwan. rnV '*n Sabbat-Ausgang in Mainz und in Frankfurt a. M. 5 Uhr 20 Min. — Berlin 4 Uhr 52 Min. — München 5 Uhr 14 Min. — Hannover 5 Uhr 07 Min. — Stuttgart 8 Uhr 17 Min. — Prag 5 Uhr 00 Min. — Straßbnrg 5 Uhr 25 Min. ^Posen'4 Uhr 40 Min."— Stettin 4 Uhr 45 2Jlin. Montag/24. Noveinber.724. Eheschwan. ’ISTn'JJM Ter Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags nnd Bonnerstags, jedeSmal in mindcftrnS zwei Bogen. P.eis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Mau abonniu ganzjährlich, halbjährlich oder vier'.eljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Vnchl'audel verkrhrl durch V. Strinackrrr, Leipzig, Nolrplatz jv. — Inserate 25 Pfennig die vkergespaltene Ronpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Direrte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich l4 ReichS-Mar! oder 16 Kronen österr.. für'S Ausland IS Mark, an die Expedition sranco einsenden. Postzeitungsliste 3792. Telephon 10 5. S ellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine AnSgaVe des Jöraelit" vier Wochen lang graiiS und sranco erhallen. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige das Vierte'jahr. indeß ausschließlich bei der Post, auf dieselbe unter Nr. 3792 a abonniren. Auf Wunsch stunden wir die Zahlung deö JnserLionsbetragS an außer Stelle Befindliche bis «ach Erlangung einer solchen. Inhalt: (Hauptblatt): Im Kampf um den Ritualmord. — Zeitungsnachrichten n.Correspondemen: Deutschland:Frankfurta.M. Aus Westfalen. Karlsruhe. Worms. Ungarn: Budapest. Bonyhad. «chweij: Bern. England: London Amerika: Baltimore»— Feuilleton: Aus den Briefen eines Ueberslüssiaen. (Fortsetzung.) , . - Inhalt d«r erst«,: Beilage Literan,che Wunsche. — Zeitungsnachrichten n. Corresponderyen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a.M. Oesterreich: Wien. Prag. Troppmu England: London. 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