Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 91 (17.11.1902)
- Date
- 1902-11-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1910 Woche hindurch kein Minjan hat, wer konnte in Bern Gemoro lernen? — „Das ist die Berner Schaß- Chewro!" wurde mir auf mein Befragen erklärt, eine Erklärung, die mein Staunen noch erhöhte. Auf mein Verlangen wurde ich eingeführt und konnte nun zunächst konstatiren, daß die Berner jüdische Gemeinde an dieser d*b> iron in der.That ganz unschuldig ist. Es sind ca. zwölf hiesige Studenten, die hier aus aller Herren Jeschiboth zusammengeströmt' sind und sich zu einer Schaß-Chewro konstituirt haben. Man lernte preuo rooc aber die zwölf Herren, besitzen nur drei Sanhedrin-Exemplare. Vielleicht hat diese Mittheilung zur Folge, daß den Herren, die sämmtlich mit irdischen Gütern nicht allzureich bedacht sind, einige Exemplare von c*d pTirus überlasten werden. Es gibt an vielen Orten Deutschlands aus der Zeit, in der noch fleißig gelernt wurde, Seforim, die durch ungenügende Benützung verstauben und vergilben. Eine nicht gut angebrachte Pietät, möchte diese Seforim lieber von Würmern verzehren lasten, als daß sie von Menschen im Eifer des Gefechts beschmutzt oder gar zerrissen werden. Viele halten diese Seforim wie heilige Reliquien auch deßhalb zurück, . weil sie keine Gelegenheit haben, sie an Orten unterzubringen, an welchen sie richtig benützt werden. Diesen sei die Schaß-Chewro zu Bern recht warm hierdurch empfohlen. — Adresse: Cand. phil. Frankl, Pension Schneider in Bern. Aeußeres Bollwerk 23. Auch Herr Rabb. Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz) ist bereit, Exemplare entgegen zu nehmen und weiter zu befördern. En g l a n d. London, im Nov. Mit' großem Gefolge von städtischen Würdenträgern begab sich dieser Tage Sir Marcus Samuel in's Haus der Lords, um vom Lordkanzler Earl Halsbury, die königliche Bestätigung als neuer Lord Mayor zu erhalten. Richter Fulton stellte Sir Marcus nach altem Brauche mit Erzählung seiner Lebensgeschichte vor und führte aus, daß er der Pionier des Großhandels mit Japan gewesen und Dank seiner großen Organisations-Fähigkeit im Jahre 1888 die Hungersnoth von Japan abwehrte, indem er riesige Mengen Reis hinlieferte. Sir Marcus führte auch die erste japanische Goldanleihe, sowie japanische Siädte- Anleihen in London ein; ferner erlangte er eine führende Stelle im Petroleum-Großhandel und in der Rhederei. Der Lordkanzler erklärte, der designirte Lord Mayor sei in jeder Hinsicht eine Zierde des hohen Amtes, wozu er einstimmig gewählt worden, und ttertheile ihm mit besonderer Freude Namens des Königs die, PMiguyg. sowohl Sir Marcus als England können sich mit Stösz rühmen, sagte Lord Halsbury, daß er einer Gemeinschaft angeh'öre. die in andern Län- . dern ungerechten und grausamen Verfolgungen ausgeletzt sei, während hierzulande die wahren Grundsätze. der Freiheit und des Rechts geachtet und. gewahrt werden. ' - - ' - . . - "7 A itu k a. Baltimore. (Prof. D r. Aron F r i e d e n - wald ist nicht mehr da!) Prof. Dr. Friedenwald, dessen Eltern geborene Deutsche waren, wurde im Jahre 1836 in Fells Point geboren. In seiner Vaterstadt genoß er seine erste Ausbildung und begann im Jahre 1837 Medizin zu studiren. An der University of ihe Maryland Medical School promovierte er im Jahre 1860 mit Ehren, dann ging er. nach Deutschland und setzte seine Studien in einigen höheren Anstalten des Reiches fort. Im Jahre 1863/gleich nach seiner Rückkehr aus der alten Welt, heirathete er Fräulein Bertha Bamberger. aus Bayern stammend, und er- , öffnete gleich danach seine Praxis. Während seiner langen und nutzreichen Thätigkeit hat Friedenwald viele bedeutungsreiche und verantwortungsvolle Aemter bekleidet. Er war das älteste Mitglied der Facultät für Aerzte und Wundärzte. Seit 1873 war er Professor für Augen- und Ohrenkrankheiten. Er war Schatzmann der Fakultät und viele Jahre Präsident des ausführenden Komitees. Seine wissenschaftlichen Arbeiten zur Entwickelung der Medizinischen Genossenschaften sind zahlreich und fanden reiche Beachtung und werden als wichtige Beiträge der Medizinischen Wissenschaft geschätzt. Er war Mitglied der American Medical Assosiation und der Medizinischen und Juristischen Fakultät von Maryland, deren Präsident er im Jahre 1889/90 war. Das bekannteste Werk von Professor Friedenwald ist. das Buch „Jüdische Aerzte und die Beiträge der Juden zur medizinischen Wissenschaft." ' Das Dahingeschiedene war stets bereits und gern zur Hand, wo es zu helfen galt. Sein Liebeswerk für Arme und Unglückliche wird am besten gekennzeichnet durch die erste Unterstützung, die er der Hebrew Benevolent Society und anderen ähnlichen jüdischen Organisationen der Stadt angedeihen ließ. Er war bis. zu seinem Tode Präsident der Chisuk Emüno Congregaiion und des Zweigvereins der Alliance Jsraelite Universelle zu Baltimore. Er war auch Bicepräsident der Jewish Publikation Society, Direktor des Jüd.- Theologischen Seminars in Rewyork und Direktor der jüdischen Waisenanstalt dieser Stadt. Prof. Friedenwald wird für immer in warmem Andenken bleiben, bei den Gelehrten durch seine Hervorragenden Kenntnisse, bei den Menschen überhaupt durch seine weitberühmte Mildthätigkeit und große Menschliebe, bei uns Juden aber noch ganz besonders wegen seines unerschütterlichen Festhaltens an dem überlieferten Judenthum, wegen, seines. ncpV und wegen seiner aufrichtigen ffß» vr;