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Der Israelit · 1902-11-17 · Heft 91 (17.11.1902) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 91 (17.11.1902)
Date
1902-11-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Worms. Die hiesige israelitische Gemeinde ist dieser Tage freudig überrascht worden, indem eine kinderlos verstorbene Frankfurterin, hier geboren, der Gemeinde für wohlthätige Zwecke Mk. 27,000 Lestirt hat. Auch die Bürgermeisterei hat von derselben Mk. 900 erhalten zur gleichmäßigen Vertheilung an jüdische und christliche Arme. Bei dieser Gelegenheit will ich auch mittheilen, daß die hiesige Narrhalla-Gesellschaft, nachdem sie christliche Vereine bedacht hat, auch den israel. Unterstützungsverein mit Mk. 26 beschenkte, während der Turnverein dem isr. Hospital Mk. 60 zuwies.? . U n g a r n. Budapest,, im Nov_Bon einem Mitgliede des Büdapester Komitees zur Unterstützung der Juden in Rumänien erhielt das „Isr. Gemeindebl." die folgenden Zeilen, die ein grelles Streiflicht auf die trostlose Lage der Juden in Rumänien werfen: Vorige Woche hat sich bei mir Dr. Rudolf Brunner, ein jüdischer Advokat aus Rumänien, gemeldet. Der Betreffende wollte über Oderberg nach Amerika auswandern; nachdem er jedoch die. für sich und seine Frau gelöste. Rundreisekarte unterwegs verloren und die 39 Gulden, die er bei sich hatte, gerade nur ausreichten, um die Reisekosten ~ seiner . Frau nach Deutschland zu decken, war er genöthigt, seine Reise in Gödöllö zu unterbrechen. Die dortige Kultusbehörde, hat ihn mit Reisespesen hierher versehen und ihn an mich gewiesen, daß ich dem Armen in seinem Unglück beistehen möge. Ich that dies aus dem rumänisch-jüdischen Fonds und unser armer Glaubensgenosse ist wahrscheinlich nach Bremen gelangt, von wo er sich mit seiner Frau und seinem einjährigen Kinde nach Washington begibt, um sich dort eine neue Heimath zu gründen. Sein Schicksal und die Unbilden, die er durchzumachen hatte, illustriren sehr lebhaft den in Rumänien herrschenden Judenhaß und das willkürliche Verfahren der Behörden. Brunner mußte nämlich sein Vaterland deßhalb verlassen, weil eines schönen Tages die Richter erklärten, daß.sie mit einem jüdischen Advokaten nicht verhandeln. Als er hierüber bei dem rumänischen Justizminister Klage führte, klingelte der Minister seinem Diener und befahl ihm: „Führen Sie diesen Juden hinaus!" Nichtsdestoweniger kehrte er nach seiner Vaterstadt zurück und machte den Versuck», ob .nicht vielleicht doch die Richter ihre Meinung ändern werden. Als er aber zuletzt gegen einen rumänischen Bauer, der von einem Juden eine Dreschmaschine gekauft hatte, die sicherstellungsweise Execution verlangte, zerriß der Richter dieses Gesuch des Dr. Brunner. por dessen nAügm. mit^iLvrErklätüng-ndaßner^idas^Wefüch -berücksichtigen werde.'' wenn . es von einem christlichen Advokaten eingereicht werden wird. Damit war das Maß der Vitterniß voll. Da Brunner wußte, daß er bei der Regierung vergebens Gerechtigkeit suchen würde, , machte er seine gesummte Habe zu Geld und ging mit Weib und Kind lieber in die weite Welt, als daß er sich noch länger solchen Mißhandlungen ausgesetzt hätte'. V Das nennt man aber in Rumänien Toleranz.- . . v Borwhad, 6. Nov. Verflossenen Schmini azereth benützte" unser hochverehrter Herr Oberrabbiner Dr,- 'Rosenthal die Maskirpredigt, , um an das stets, bewährte, jüdische Herz zu Gunsten der rumänischen Juden zu appelliren. Der bekannte Redner, vom Fest-' abschnitte '>nn ausgehend, schilderte ergreifend die traurige Lage der unglücklichen Glaubensgenossen, die nur darum leiden, weil sie Juden sind und Juden, bleiben wollen, und forderte die Anwesenden auf, im Sinne des Talmuds: ca?? nsa :b*?* jrn - jn: zu geben und wieder zu geben. Es waren, das.. D‘*m nbn p pe cscn. die auch den Weg zum Herzen gefunden. Unter dem Eindrücke dieser - trefflichen Rede: wurde unter der Leitung des Herrn Gemeindepräses. L. Müller eine Sammlung veranstaltet, an welcher sich sowohl Private, als auch sammtliche Wohlthätigkeits-- anstalten unserer Gemeinde betheiligten. Das Resultat, waren einige hundert Kronen, welcher Betrag an das. Zentralkomitee nach Budapest eingeschickt wurde. So. entsprach Bonyhad dem pn in: „gib und gib wieder," denn vor einigen Jahren', als der jetzige Landtagsab-; geordnete, Herr Paul Sandor, zu diesem Zwecke die erste Sammlung in Ungarn.einleitete, hatte sich , unsere - Gemeinde schon mit 200 Kronen daran betheiligt.. Emanuel Gr.üner, Talmudist..'.'? S. ch w e i 1. -; '-V.r', . - Bern, 12. Nov. Seit einer Reihe von Jahren führt mich meine geschäftliche Reiseroute zweimal jähr- , lich in die Schweiz. Mit großem Interesse habe ich den unverkennbaren Fortschritt verfolgt, der sich in Aus-- breitung und Erstarkung des alten Judenthums, an vielen Orten daselbst geltend macht. Woran ein jüdischer Geschäftsreisender dabei zuerst denkt, ist die. Gelegenheit, koscher zu essen. Diese Gelegenheit ist, trotz, des fast schon zehn Jahre bestehenden Schächtverbots. heute viel häufiger, als früher! und was das Wichtigste ist,' es sind zum großen Theil Restaurationen, die nicht' nur dem Namen nach, sondern in Wirklichkeit koscher geführt werden. Eine solche Restauration ist die von, dem Hamburger Verein für rituelle Speisehäuser empfohlene Pension S ch n e i d e r, in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes. Was ich dort dieser Täge^ erlebt habe, hat mich wie, ein Märchen aus Tausend,' und Eine Nacht angemuthet. - Ich war etwas^pätM-als sockst zuMschHekom- ' i,sin'lltnd'^hörteaüf^dem Körridöd' laut' von Mehreren Stimmen Gemara lernen! In Bern Gemara? Bern ist eine Gemeinde, nicht , besser und nicht schlechter als' viele andere, die mit ihren ca. 50 Mitgliedern die ganze

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