Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 91 (17.11.1902)
- Date
- 1902-11-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Uebrigen verweise er darauf, daß der Pastor Fr. Weichmann in Sternberg i. N. eine Schrift „Das Schächten" habr erscheinen lassen, zu welcher Professor Straä das Vorwort geschrieben und das Material geliefert habe. Diese Schrift sei ein Konglomerat von allen möglichen unzutreffenden Dingen, und Pastor Weichmann habe später in einer in Zielenzig abgehaltenen Versammlung öffentlich erklärt,-daß er bedauere, sich zu einer derartigen Arbeit von Prof. Strack habe bewegen lassen. Strackes Kampf gegen Rohling. Sehr umfangreich gestaltete sich die Vernehmung des Zeugen Prof. Dr. Strack. Er behauptete, daß er in der Dewald-Verhandlung, in welcher auch die Vernehmung des Prof. Rohling beantragt worden war, lediglich pflichtgemäß''dem Gerichtshöfe dargelegt habe, warum er die Vernehmung Rohlings nicht für angebracht halte. Er habe zu diesem Zwecke lediglich eine Stesse aus seiner Schrift „Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit" verlesen, in der erlauf Seite 111 den österreichischen Professor und Kanonikus August Rohling öffentlich des Meineides und grober Fälschung angeklagt habe. Die Ankündigung des Professors Rohling, daß er doch wohl mal nach Berlin kommen müsse, sei ihm sehr erwünscht gewesen, und er habe sich bereit erklärt, ihm das Reisegeld hin und zurück zur Verfügung zu stellen. Die Beschuldigung, daß er meineidig sei, gründe sich darauf, daß Professor Rohling in Sachen Grumbköws ein eidliches Gutachten sn der Judenfrage abgegeben habe, das so merkwürdig sei, daß man nur annehmen könne, er habe bei Abfassung des Gutachtens grob verbrecherisch gehandelt oder es unter Einwirkung der Parteiverblendung abgegeben. Wo die Grenze zwischen beiden Alternativen liege, sei schwer zu sagen/. Er müsse den Vorwurf erheben, daß Rohling in die Texte Dinge hineininterpretirt habe, die, wenn sie nicht auf verbrecherischen Willen hindeüten, nur durch pathologische Vorgänge erklärt werden könnten. . Er halte demnach den Eid für objektiv falsch und erinnere auch an folgende Thatsache: Der Rabbiner Bloch habe seinerzeit den Vorwurf des Meineides gegen Rohling erhoben, dieser habe die Klage gegen Bloch erhoben, als aber der Termin angesrtzt war, habe Prof. Rohling die Klage im letzten Augenblick zurückgezogen^ Rohling sei früher Prof, in Münster gewesen und später Kanonikus , in Prag geworden, - besonders geschätzt vom Kardinal-Erzbischof Fürsten Schwarzenberg./.Auf Befragens des Rechts- . änwälts Simons führte Prof. Strack einige Stellen aus dem Gutachten Rohlings an, - ‘■'bit er als bewußte; ’ Fälschungen betrachten müsse. Gäbe es auch nur eine Sekte im/Judenthum, die sich zum „Ritualmorde" bekeAH dann wärrM der Erfle^der' da sagen/würde, daß die Christen vernichtet Harens die JÄd'en'Mt stumpf und Stil auszuröiten. Er behaupte aber, daß die Juden selbst eine solche Sekte ausroiien würden. Er behaupte ferner: es gebe, keine Geheimlehre in der jüdischen Religion, seine einzige Stelle in der jüdischen Lktteratur, die ein Christ, der Sachkenntniß besitzt, nicht finden könnte. Schlimmsten Falls wurden Judenfeinde dabei aushelfen. Professor Rohling habe auch seinerzeit behauptet, in einer Schrift des Rabbi Mendel in Galizien werde der „Ritualmord" direkt gelehrt. Er habe den Prof. Rohling gebeten, das Buch nur sehen zu dürfen; es wurde darauf geantwortet, daß das Werk zu. kostbar sei. Er habe dann angeregt, daß er das Buch unter sicheren Kautelen einsehen dürfe, darauf sei aber keine Antwort erfolgt. Er habe darauf nach Galizien geschrieben und die Antwort erhalten, daß ein solches Buch überhaupt nicht existire. Was den Vorwurf der Lüge betrifft, der ihm in der Nummer vom 18. Mai 1900 gemacht worden, so treffe derselbe einerseits nicht zu, andererseits habe er ihn keineswegs stillschweigend hingenommen. Dr. Bachler sei Chefredakteur der „Staatsb.-Ztg.", und wenn letztere in langer Frist fort und fort verleumderische Angriffe gegen ihn richte, so könne dies doch nur mit Billigung des Chefredakteurs geschehen. Er sei - seit 1882 der Gegenstand der heftigsten Angriffe der Rassenantisemiten gewesen, weil er es als seine Pflicht als christlicher Theologe erachtete, den unzutreffenden Angriffen gegen die jüdische Religion entgegenzutreten. Die „Ritualmordfrage sei ein giftiger Zahn in dem Kampfe der Antisemiten gegen die Juden. Er habe zu den Angriffen lange Zeit geschwiegen. Erst als man von ihm behauptete, er tanze nach der Pfeife zahlungsfähiger Rabbiner und stamme von Juden ab, habe er den Geh. Rath Prof. Dr. DambaH befragt, was er thun solle, und dieser habe ihm den Rath ertheilt: „Nehmen Sie die schärfsten Ausdrücke, die Sie finden können, gegen ihre Gegner in die Feder, und warten Sie ab, ob Sieverklagt werden, dann erheben Sie Widerklage!" Diesem Rathe sei er gefolgt, und als 1892 seine Schrift - „Blut" in'vierter Auflage erschien, habe er im Vorwort die Herren Bachler („St.-Ztg."). Balla („Das Volk") / und E. Bauer („Neue deutsche Zeitg.") als schamlose Verleumder bezeichnet. Auf den Vorwurf, daß er die Beschuldigung der Lüge auf sich habe sitzen lassen, habe er sofortin dem Vorwort zu der 1900 erschienenen achten Auflage zu seiner Schrift klar und deutlich geantwortet. Er habe außerdem, da er als evangelischer Theologe kein Freund von Privatklagen fei, die gegen ihn geschleuderten Angriffe schriftlich und mündlich dem Minister v. Zedlitz und später von Bosse unterbreitet, und als 1900 neue Beleidigungen gegen ihn losgelassen wurden, habe er sich wieder an den Ministe- . rialdirektor.Althoff und den Geheimen Rath Dr/ .Erstes gewendet, und angefragt, ob. er dagegen Schritte / ihun solle oder mch^ Er: sei.dänn nach GhsteistLereist.^ und habe, als er hörte,' daß eine Art Generäläbrech-,. nung mit der „Staatsbürger-Zeitung" gehalten wer-