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Der Israelit · 1902-09-30 · Heft 78-79 (30.9.1902) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 78-79 (30.9.1902)
Date
1902-09-30
Page
– (sequence 27)
Language
German
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.•Ims- rM k richtigen Ausführungen gelangen, wenn ihm aus weiteren Kreisen Unterstützung, sei es durch Kapitalzuwendungen oder jährliche Beiträge, in reichlichem Maße zufließt. Wenngleich in neuerer Zeit für humanitäre Bestrebungen große Anforderungen an die hiesigen Gemeindemitglieder herantreten, kann maN dem genannten Unternehmen freundliches Entgegenkommen bei den meisten der Circularempfänger in sichere Aussicht stellen. Ich werde Ihnen gelegentlich darüber berichten. H. B. Eydtkuhncn, 21. Sepi. Heute Nachmittag um 4Uhr nahm Herr Kreisrabbiner Dr. Beermann- Jnsterburg eine Schulvisitation in unserer Synagoge vor. Die Knaben und Mädchen würden im Uebersetzen der täglichen Gebete, in der biblischen Geschichte und in der Bedeutung der kommenden hohen Feiertage geprüft. Herr Rabbiner Dr. Beermann hielt eine treffliche Ansprache an die Jugend, in welcher er sie ernst ermahnte, fest und treu dem Judenthum, dessen Bedeutung sie (die Kinder) dereinst in die Welt hinaustragen sollen, anzuhängen und innig und andächtig an den hohen Feiertagen zum Allgütigen zu beten. Das Mincha-Gebet beschloß den feierlichen Akt, dem auch die Vorsteher und Mitglieder der Gemeinde beiwohnten... — Aus Rache setzten jungst nachbarliche Bauern, welche sich um ein Stückchen Land mit den jüdischen Mühlenbesitzern Gebrüder S k u tz k i - Wirballen herumstritten, deren Eigenthum in Brand. Mehrere Gebäude, die zum Besitzthum der Gebr. Skutzki gehörten, sowie viele Getreide- und Futtervorräthe und auch Vieh wurden durch das große Feuer vernichtet. Der Schaden wird auf 40,000 Rubel geschätzt. Die Bauern wurden verhaftet. Eduard S e g a l l. R u ß Usb. MinSk, 16. Sept. (V om russischenZionisiencongreß.) Ueber die Eröffnungssitzung des am 4. d. Mts. in Minsk zusammengetretenen Gesammtrussischen Zionistencongreß berichten die Petersburger „Nowosti" Folgendes:- Die Eröffnung des Congresses fand unter ungeheurenl Zudrang und auch unter bedeutender Unordnung statt. Die erste Sitzung sollte um 9 Uhr morgens stattfinden;, es hatte sich aber schon um 7 Uhr eine gewaltige Menschenmenge vor dem Sitzungssaal im Hotel „Paris" eingefunden, die auch die Nebenstraßen füllte. Vor dem Eingang in das Versammlungslokal hatten Studenten eine Kette gebildet und ließen nur Personen passiren, die Eintrittskarten vorweisen konnten. Da nicht alle Delegirten am Vortage Billets erhalten hatten und mehrere ohne Eintrittskarten in den Saal gelangen wollten, entstanden Streitigkeiten, und die Nachlommenden stauten sich am Eingang. Bald wurde eine Ausgabe von Eintrittskarten, die erst in der Nacht fertiggestellt worden waren, durch eines der Fenster organisirt, wodurch das Gedränge vermindert wurde. Der Sitzungssaal war überfüllt. Die Delegirten standen in Gruppen zusammen, diskutirten lebhaft und debattirten. Die Ordner eilten im Saale auf und ab und suchten die Delegirten zu überreden, ihre Plätze einzunehmen. Das Publikum drängte sich zur Rednertribüne. Einige Delegirten suchten eine Eintheilung der Versammelten nach den Parteien, der Rechten und Linken, herbeizuführen, es gelang ihnen aber nicht. Trotzdem wandten sich einige Delegirte immer wieder. an die Ordner mit Anfragen, wo die „Fraktion" (die liberale Partei) und wo die „Misrok" (die Orthodoxen) säßen. Ein Mann in elegantem, langem Atlaskaftan und neumodischem Cylinder ging im Saal umher und fragte eindringlich, wo die „Gemäßigten" ihre Plätze., hätten. Von Zeit zu Zeit ertönte donnernder Applaus, sobald hervorragende Vertreter des Zionismus erschienen. Die Masse der Delegirten war überhaupt in recht erregter Stimmung und durch die Ermüdung von der Reise und die Ungeduld des Wartens sichtlich nervös geworden, was sich in ihren Diskussionen, ihren Gestikulationen und ihrer Reizbarkeit kundgab. Um 10V2 Uhr erschienen die sieben Bevollmächtigten, die Herren Bruck, Velkowski, Goldberg, Rabinowiisch, Ussyschkin, Tschlenow und Jassinowski, mit Applaus begrüßt, auf der Präsidententribüne. Den Präsidentensitz nahm der Bevollmächtigte des Minsker Rayons, Dr. Bruck, ein und erösfnete die Sitzung mit einer Rede, in der er darauf hinwies, daß zum Kongreß die aktiven Kämpfer für den Zionismus versammelt seien, um über Maßregeln für die Wiedergeburt des jüdischen _ Volkes zu berathen. Während der vier Jahre seines Bestehens habe die Zionistenbewegung einen großen . Erfolg erzielt, der hauptsächlich in einer Hebung des Nationalbewusstseins zutage trete. Außerdem gewährten die günstigen, politischen Bedingungen, eine Frucht der glänzenden und unermüdlichen Thätigkeit des Führers des Zionismus, Dr. Herzl (donnerder Applaus), Hoffnungen und Kraft zu weiterer Arbeit. Zum Schluß bemerkte Dr. Bruck, daß das Judenvolk die Ideen des Zionismus um so schneller verwirklichen - könne, je mehr Selbstständigkeit der Einzelne zeigen werde, und sprach die Versicherung aus, daß es schließlich Alles erreichen werde, worauf es ein Recht habe, da es an Kultur, Lebensfähigkeit und Loyalität den übrigen Völkern nicht nachstehe. Rach Schluß feiner Rede, die auf die Delegirten einen starken Eindruck machte, theilte Dr. Bruck mit, daß zahlreiche Glückwunschtelegramme eingetroffen feLn, darunter ein Telegramm von Dr. Herzl, der dem Kongreß Erfolg wünscht: In diesem Augenblick.bat der überfüllte Saal ein seltenes Bild. Die aus allen Gegenden Rußlands eingetroffenen Delegirten, Alt und Jung, Männer und Frauen, Orthodoxe mit „Peissach", Käppchen und langen Kaftans, sowie modisch gekleidete

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