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Der Israelit · 1902-09-30 · Heft 78-79 (30.9.1902) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 78-79 (30.9.1902)
Date
1902-09-30
Page
– (sequence 26)
Language
German
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1672 Chanuklaferien abzuhaltenden Sitzung zu vertagen, da alsdann voraussichtlich sämmtliche Mitglieder des Kuratoriums, die dem Lehrerstande angehören, anwesend sein würden. Die Anwesenden stimmten dem Antrag und seiner Begründung in freier Besprechung bei; ein Beschluß konnte nicht gefaßt werden, da die Versammlung nicht beschlußfähig war. Der Borsitzende wird nun eine neue Sitzung für die Chanukaferien einberufen. 4 Der Versammlung ging eine Vorstandssitzung voran, in welcher die eingelaufenen Anträge geprüft und vom Vorsitzenden Mittheilung von dem Eintreffen der Allerhöchsten Genehmigung zur Annahme des Plaut'schen Legats und von der Ueberweisung einer Summe von 500 Mk. aus dem Nachlaß des Rentners Max Heim zu Frankfurt a. M. gemacht wurde. Berlin, 18. Sept. Der Vorstand des „Zentralvcreins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" hat, wie erst jetzt bekannt wird, anläßlich der bekannten Bonner Rede, an den Generaloberst von Loö das nachstehende Schreiben gerichtet: „Ew. Excellenz haben in einer Zeit, in welcher besonders bejahrte deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens, welche vor 32 Jahren freudig dem Rufe zu den Fahnen gefolgt sind, durch grundfalsche Urtheile über die Soldaten jüdischen Glaubens so häufig schmerzlich verletzt werden, kürzlich bei der Jubelfeier in Bonn Worte gesprochen, die von einer jetzt leider seltenen Vorurteilslosigkeit und ernstem Gerechtigkeitsgefühl zeugen. Wenn jene Worte weite Kreise, welche den Unsegen, der „konfessionellen Zänkereien" erkennen und verabscheuen, sympathisch berührten, mußte diese Wirkung in besonders hohem Grade bei unserem mehr als 100,000 deutsche Juden umfassenden Zentralvereine eintreten, der sich seit neun Jahren erfolgreich bemüht, opferfreudige, vaterländische Gesinnung und unverbrüchliche, Glaubenstreue zu pflegen. Unser Verein ist thatsächlich von dem Geiste beseelt, der eine Bürgschaft dafür bietet, daß die deutschen Soldaten jüdischen Glaubens jederzeit dem Rufe zu den Fahnen mindestens mit derselben Freudigkeit folgen werden, wie Diejenigen anderer Bekenntnisse. Daß diese. Gesinnung aber auch schon früher unter den deutschen Juden heimisch war, dafür bringt die hier beigefügte Schrift: „Die Juden als Soldaten", welche wir uns gestatten, Ew. Excellenz ehrerbietigst zu widmen, zahlreiche Belege. Die Nachkommen jener jüdischen Soldaten. die für das deutsche Vaterland kämpften und bluteten, werden sich, wenn das Vaterland wieder in Gefahr sein sollte, ihrer Vorfahren sicher würdig erweisen. Stets werden sie aber um so freudiger ihre Pflicht erfüllen, als die Worte Ew. Excellenz ihnen die frohe Ueberzeugung einflößen, daß ruhmvoll bewährte Führer des deutschen Heeres völlig frei sind von der „Unduldsamkeit zelotifcher Eiferer". Genehmigen Ew. Excellenz für diese uns so tröstliche „Soldatensprache" die Versicherung ausgezeichnetster Hochachtung." Hamburg, 23. Sept. Auf dem jüngsten Orientalisten-Kongreß Hierselbst war einer der interessantesten Vorträge derjenige des hiesigen Augenarztes Dr. Rotelmann (Christ) über den Farbensinn bei den alten Hebräern. Der Redner benutzte dabei allerdings alte Schriftsteller, deren Anschauungen er sich nicht immer zu eigen machte, zumeist aber trat der gelehrte Redner selbstständig auf und zitirte zur Begründung seiner Anschauung von dem gutentwickelten Farbensinn der alten Hebräer-aus Bibel, Talmud und Midrasch. Eine der Hauptbeweisstellen des hochentwickelten Farbensinns bei unseren Voreltern, die Herr Rotelmann nicht angeführt, findet sich im Targum Jonathan b. Usiel zur Stelle 'bst bt» *2 *2 12-722 und im Midrasch Rabba zur Stelle. Danach waren die vier Haupt-Lagerfahnen Trikoloren und entsprachen deren Farben denjenigen der zwölf Edelsteinen auf dem Vrustschilde des Hohenpriesters, auf dem die zwölf Namen der Stämme eingeschliffen waren. Der Midrasch namentlich geht noch ausführlicher auf den Gegenstand ein und behandelt jede einzelne Farbe und die heraldischen Abzeichen der Stämme, die als Wappen auf die Stammfahne — außer der Hauptfahne für je drei Stämme hatte jeder Stamm noch seine eigene — künstlerisch gemalt wären. Ob es wohl noch eine ältere Farben-und Wappenkunde, wie die unserige gibt? H. B. Hamburg, 23. Sept. Die Verwaltung des Krankenhauses der Teutsch-Jsr. Gemeinde versendet ein Circular, worin sie zu Beiträgen zur Begründung und Unterhaltung eines Jsr. Schwesternheims auffordert. Zunächst wird unter Leitung nahmhafter hiesiger Aerzte die Ausbildung einer Anzahl isr. Krankenpflegerinnen geplant, die ihre Thätigkeit dem Krankenhause und in Privathäusern, insbesondere aber zur Unterstützung der Armenpflege widmen sollen. ' Für viele Damen, die sich diesem edlen Berufe widmen werden, wird es deren Lebensberuf sein, weßhalb darauf Bedacht zu nehmen ist, ihnen für spätere Zeiten eine sorgenfreie Existenz innerhalb eines eigenen Schwesternheims zu verschaffen, in welchem dann auch die Ausbildung der Elevinnen zu geschehen und das Domizil der aktiven Schwestern gedacht wird. Zu diesem Zwecke haben nun einige vornehme und begüterte hiesige Familien bereits Mk. 110.000 zusammengebracht, wovon ein Theil zu Pensionszwecken bestimmt ist. Während die Krankenhaus-Verwaltung, die jetzt ihre geschulten Krankenpflegerinnen aus dem Frankfurter Heim gegen nicht unbedeutende Gegenleistung bezieht, sowohl durch Ueberlassung eines Bauplatzes wie auch in anderer Weise das Unternehmen nach Kräften unterstützen wird, kann der Plan nur dann zur.

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