Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 78-79 (30.9.1902)
- Date
- 1902-09-30
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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1674 Liberale, erhoben sich wie ein Statt unb riefen mit dröhnendem Beifallklatschen den Nationalruf der Zionisten: „Heidod! Heidod!" — Erst nach etwa zehn Minuten trat relative Ruhe ein, wenn auch nicht auf lange. Die Präsidenten- und Vicepräsidentenwahl rief stürmische Debatten hervor. Jetzt kam die nervöse Stimmung der. Versammelten zum Durchbruch. Drei Stunden lang stritt man über diese Angelegenheit, aufgeregt schreiend und den ordnungsmäßigen Verlauf der Wahlen störend. Erst' gegen 1 Uhr Nachmittags war der Vorstand gewählt worden. Zum Präsidenten wurde Dr. Tschlenow, zu Vicepräsidenten die Herren Ussyschkin und Rosenbaum gewählt. .Rumänien. Bukarest, 18. Sept. /Nach amtlichen Berichten sind von der Autarkster Polizeipräfektur im Laufe der letzten drei Monate 3509 Auswanderungspässe ausgestellt worden, ohne, daß sich bisher ein Nachlasten der israelitischen Auswanderungsbewegung bemerkbar gemacht hätte. Unter den Auswanderern der letzten Mo- , nate haben sich auch zahlreiche Frauen befunden-, welchen von ihren bereits vor längerer Zeit aüsgewanderten Männern das Geld zur Nachreise eingcschickt worden war. Ueberhaupt lauten die von den Ausgewanderten eingelaufenen. Briefe im Allgemeinen günstig; die isr. Handwerker, die sich in den weiter westwärts gelegenen Städten Canadas niederließen, haben überall lohnenden Erwerb gefunden. Bemerkenswerth ist, daß von . den Inhabern der hiesigen großen Pelz- und Kleiderwaarengeschäften bereits über den Mangel-an billigen Arbitslräften Klage geführt und die Befürchtung ausgesprochen wird, daß dieser Mangel bei einer längeren Fortdauer der israelitischen Auswanderungsbewegung schädigend auf die Konkurrenzfähigkeit des rumänischen Konfektionsgeschäftes dem Auslande gegenüber zurückwirken werde. Süd- A f r i k a. Kapstadt, im Sept. (Wer überlebt den Andern?) Bei der kürzlich in Kapstadt erfolgten I Eröffnung des Testaments von Cecil Rhodes ergab sich, daß Herrn M. Kahn in Paris ein Legat in Höbe von Lstr. 6000 vermacht war. und damit hat es folgende eigenthümliche Bewandtniß. Rhodes war Anfang der neunziger Jahre in Paris, wo er die bekannte Bildergallerie des Herrn Kahn besichtigte.'. Unter den Gemälden gefiel ihm besonders ein Rembraudt, den Herr Kahn ihm für Lstr. 1009 zu überlasten bereit war. Aber Rhodes war nicht in Käuferlaune^ erbot sich dagegen, folgende? Abkommen, das auch wirklich geschloffen wurde, mit Herrn Kahn zu treffen. Würde Herr Kahn v o r Rhodes sterben, so sollte Rhodes das Bild als Vermächtniß erhalten. Falls aber Rhodes früher stürbe, sollte Kahn ein Legat von Lstr. 6000 erhalten.' Und auf solche Weife gelangte durch diese Art Wette der Pariser Kunstsammler in den Besitz eines so ansehnlichen Legats. S p rech s a a l. . Nach Osthofen!. Auf die „Ergebene Anfrage! in Nr. 69 des „Israelit": „Was hat der Religionsunterricht mit der Kirchweih in Osthofen bei Worms zu schaffen?" nahm ich bis jetzt deßhalb eine abwartende Stellung ein, weil ich dachte, eine berufenere Feder würde sich an die Beantwortung dieser heiklen Frage herauwagen. Da dies aber bisher nicht geschehen, so sei hiermit meine Ansicht mitgetheilt: „Mein Freund und Klassenbruder M., Lehrer in Osthofen, ist ein geborener Kurhesse und zwar der Sohn eines staatlich angestellten Elcmentarlehrers. Bei uns im jetzigen Reg.-Bezirk Cassel ist in allen staatlichen Schulen, der Kirmesmontag (in der Neuzeit bei christlichen Schulen der Samstag, bei isr. der Kirmessonntag) schulfrei. In Nr. 2 des Schulverordnungsblattes der Königl. Reg. vom Mittwoch, den 3. April 1889, heißt es auf Seite 5: „Als weltliche Feiertage sind schulfrei: der Geburtstag Seiner Mas. des Kaisers und Königs nach Abhaltung der Schulfeier, der Sedantag (2. Sept.). sowie auf dem Lande , der zweite sog. Kirchweihtag (Kirmesmontag)." Außerdem finde ich es nur gerecht, wenn christk. Schulkinder dadurch eine Kerb- (Kirmeß-) Freude be- . reitet wird, daß sie einen schulfreien Tag haben, daß dann auch jüdische Schulkinder daran theilnehmen. T. H.. Lehrer. . Stuttgart, 24. September. Bezugnehmend auf die verschiedenen Artikel in Ihrem geschätzten.Blatte bezüglich „Gründung jüdischer Handlungsgehülfen-Bereine" muß ich zu meinem großen Bedauern die Wahrnehmung machen, daß die Betheiligung an dieser Sache sehr wenig ist, besonders das Interesse der jüngeren Leute läßt für dieses Bestreben sehr viel zu wiinschen übrig. Im Interesse der gesammten. jüdischen kaufmännischen Angestellten würde es doch liegen, dieses Unternehmen nach Möglichkeit zu unterstützen. -.Nochmals aber mutz ich auf das Berhältniß vieler jüdischer Prinzipale zu ihren Glaubensgenossen zurückkommen. Leider ist dieses Verhältniß vielfach das denkbar Traurigste. Nicht genug, daß uns die Aufnahme von vielen christlichen Geschäften unmöglich gemacht ist, geschieht dies auch von vielen jüdischen Häusern.'; Es wird Jedermann begreiflich sein, daß. unser Ziel schwer zu erreichen ist; jedoch ist solches mit verein-' ten Kräften möglich. Bemerkt sei noch, daß ich beim Schreiben dieser Zeilen mit Schoppenhauer dachte: „Das Leben ist kurz, die Wahrheit ist ewig!/ Sagen wir die Wahrheit!" S. W..