Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 78-79 (30.9.1902)
- Date
- 1902-09-30
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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43. Jahrgang. 1; lif M.ZMW ii. Dir MtiiliilsiAWkriisg. Newyork, 26. Sept. Die Nachricht. daß Rumänien keine Passe an Juden mehr ausstelle, wird in Washington als unmittelbare direkte Anerkennung der Richtigkeit der Darlegungen des Staatssekretärs Hay angesehen. Das Aufhören der Auswanderung würde als Beseitigung lediglich der direkten Streitfrage zwischen Amerika und Rumänien betrachtet werden. Amerika müßte, obschon es auch weiterhin tiefes Interesse für die Lage der rumänischen Juden hegen möge, sich einstweilen mit dem zufrieden geben, was' geschehen sei. (Die konservative rumänische Zeitung „Ronmanie" behauptet, daß der Minister des Innern den Präfekten den Befehl ertheilt habe, den Juden keine Auswanderungspässe mehr zu ertheilen. Außerdern sollen die Behörden den Befehl erhalten haben. die Abreise von Juden, die auswandern wollen, gewaltsam zu verhindern. Das soll denn auch schon in Bukarest selbst solchen Auswanderern gegenüber geschehen sein, die sich bereits Pässe und Fahrkarten nach Arnerika verschafft hatten. Red.) London, 27. Sept.' Dem Reutsr'schen Bureau zufolge unterbreitete die rumänische Regierung durch den Gesandten in London der britischen Negierung eine längere Darlegung der Lage der rumänischen Juden, wie sie sich von ihrem Standpunkte aus darstclle. Der Gesandte erklärt sich ermächtigt, auszuführen, daß seine Regierung nicht in der Lage sei. die Judenanswandcrung aus Rumänien zu verhindern. Der Gesandte bat um Auskunft, ob die Ansichten der britischen Regierung mit denen des amerikanischen Staatssekretärs sich deckten. Bukarest, 23. Sept. (Proteste gegen die Haß'sche Note.) Die heutige „Jndependance roumaine" hat auf die Zirkularnote des Auswärtigen Amtes zu Washington an die Vertreter der Bereinigten Staaten bei den Signatarmächten des Berliner Vertrages mit einem geharnischten Artikel geantwortet, welcher nach den bekannten Beziehungen dieses Blattes zur Regierung als das getreue Echo der in unseren leitenden Kreisen herrschenden Ansichten gelten muß. In demselben wird gesagt, daß die vor einem Biertelsahrhundcrt feierlich anerkannte Unabhängigkeit Ruinäniens der nilwiderleglichste Beweis dafür sei, daß Rumänien die für die Anerkennung seiner Unabhängigkeit gestellten Bedingungen erfüllt habe. Am' wenigsten hätten die Vereinigten Staaten im Hinblick auf die von ihnen aufgestellte und festgehaltene Monroe-Doktrin das Recht, sich in die inneren Verhältnisse eines europäischen Staates zu mengen, falls nicht etwa'gar die -• Schaffung eines Präcedenzfalles für alle mit dem Berliner Vertrage zusammenhängenden Fragen zu Gunsten der Vereinigten Staaten beabsichtigt sei. Letztere seien nur durch Einwanderungen aus, aller Herren Ländern, zu ihrer heutigen Machtfülle gelangt, und es hätte, der wegen einer verhältnißmäßig sehr geringen Anzahl israelitischer Einwanderer aus Rumänien versuchte Protest nur dann einen Sinn, wenn man diese Einwanderer auf gleiche Stufe mit den Chinesen stellen wollte. Uebrigens sei es noch lange nicht erwiesen, wie viele von den in den letzten drei Jahren aus Rumänien nach den Vereinigten Staaten ausgewanderten Israeliten in Rumänien geboren seien und hier ihr Heimathsrecht verlangen können. Von einer gezwungenen Auswanderung derselben könne keine Rede sein. Sie hätten von 1880—1899, b. Vin den Zeiten des Prosperirens. in Rumänien gelebt und kehren jetzt, in der' Zeit der mageren Jahre, dem Lande freiwillig den Rücken. Die „Jndep. roum." glaubt daher nicht daran, daß die von den Vereinigten Staaten ausgegangene Anregung in, Europa Anklang finden werde, und es könne aus der' ganzen diesbezüglichen Aktion nur geschloffen werden^ daß man in den Vereinigten Staaten die Einwanderung der Israeliten keineswegs gerne sehe.—C; -. Die übrigen hiesigen Blätter begnügen sich mit dev Wiedergabe der Ansichten, welche in den großen Auslandsblätlern über die voraussichtlichen Erfolge oder Mißerfolge der von Washington ausgegangenen Anregung enthalten sind, oder fallen wohl auch, wie der cantacuzinistische „Patriotul", über die Negierung Sturdza's her, welche diese neue Demüthigung Rumäniens verschuldet habe.;; Zertungsnachrichte« und Correspondenzeu. D e u t s ch l a n d. . Berlin, 26. Sept. Das Curatorium der „Penstons-, Wittwen- und Waisenkasse" des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reiche hielt am 18; September im Bureau des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebuudes", unter Leitung des Herrn Hauffs eine Sitzung ab. Ans der Tagesordnung stand: 1) Beschlußfassung über die Resolution des Hamburger, Telegirtentages vom 31. Dezember 1801 betr, die Pcnswnskasse. 2) Weitere' Berathung über' die Mittel zur Vermehrung der Einnahmen.'" Zu Punkt 1 lag ein Antrag des Herrn Direktor Dr. Adler vor, die Besprechung bis zu einer in den