Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 78-79 (30.9.1902)
- Date
- 1902-09-30
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449868--56777-2519463- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1664 den. Zudem fojrb von dem Unkundigen gar manches - eben in Form und Wendung für Mauschelei gehalten, was bei näherer Untersuchung sich als altdeutsch oder auch als noch jetzt lebende Gauart (Provinzialismus) ergibt. So möchte ich der ängstlichen Besorgniß begegnen, irgend ein Uebelwollender, an denen der Jude ja noch keinen Mangel hat, möchte das Buch benutzen, um daraus judenfeindliche Pfeile zu schmieden. Aber gesetzt auch, es thäte dies ein solcher, um L ia Jtzig Feitel Stern sein Muthchen zu kühlen und so recht ccm amore zu mauscheln, in Gottes Namen! — Ueber solche Gemeinheit sind wir gottlob; soll es aber nur Spaß sein, so können wir, wenn anders Grund zum Lachen da ist, sogar mitlachen/ . Soweit Tendlau, und wir stimmen ihm auch heute noch bei. Wir sind nicht in Ohnmacht gefallen, wenn ein „oller, ehrlicher, verflossener" Kreuzzeitungsredakteur das Mauscheln sogar parlamentsfähig zu machen suchte, wir stimmen Tendlau heute umsomehr bei, als Volkskunde und Dialektforschung neuerdings sich besonders eifrigerer Pflege zu erfreuen haben. Und nur aus diesem Gesichtspunkte allein ist ja hier das Nrtheil zu sprechen. Ehe ich nun aus dem Inhalte selbst Mehreres anführe, noch die Frage: Wie ist der reiche Stoff geschichtet, nach welchem Eintheilungsgrad geordnet? Zur leichteren Uebersicht sind die Redensarten eingetheilt: a) in solche, welche sich an biblische und talmudische Persönlichkeiten und Ereignisse anlehnen;. d) in solche, welche dem Leben entnommen sind. - und zwar in Abteilungen je nach ihrem Bezug auf Geist, Gemüth, Charakter, Lebensverhältnisse u. s. w. c) in Klugbeitsregeln und Erfahrungen; d) in solche, welche auf Mythen, Sagen, Legenden und Anekdoten beruhen. Für jeden der vier Eintheilungsgründe gibt es natürlich wieder viele Unterabtheilungen, unter die so und so viele Sprichwörter eingereiht sind. Sohin ist das Ganze trefflich systematisirt und logisch gegliedert. Aus der. überreichen Auswahl kann hier — wie gesagt — nur sehr Weniges angeführt werden; doch dürfte es genügen, um eine Ansicht sich wenigstens bilden zu können und ein Urtheil über die Gründlichkeit, mit der hier jüdisch-deutsche Sprichwörter behandelt sind. Ich gebe dabei die jedesmalige Nummer des Sprichwortes an; manche möchte ich in ganzer Ausführung bringen, andere nur im Wortlaut ohne Kommentar, von wieder anderen letztere nur theilweise. 3. Schikker wie Lot. —Um einen hohen Grad des Rausches zu bezeichnen. Lot (1. SB. M , 39, 33) war in seinem von den eigenen Töchtern ihm beigebrachten Rausche allen Bewußtseins so beraubt, daß er nicht gewahr ward, was dieselben, mit ihm unternahmen. »Schikkor" (hebr.) betrunken.; . - 8. Esev get Maaser von Stroh. — „Esäü gibt Zehnten von Stroh." Zur Bezeichnung eine? frömmelnden Heuchlers. Esau soll nämlich nach der Sage (Jalkut Beresch. 13V), um seinem Vater eine bnhe Idee von seiner Frömmigkeit beizubringen, demselben die Frage vorgelegt haben', ob man auch von leerem ausgedroschenem Stroh den Armen Zehnten geben müsse. 3.7. Korachs Neschires. — Korach (4. B. M., 26.) gilt in Folge der Sage als Muster eines überreichen Geizhalses. (Vergl. Bamidbär rab. Abschnitt 22.) Nach Pirkeh R. Elies. Eap. 50 hatte Korach die Goldschätze Josefs aufgefunden. „Ob er reich is? Da steckt K.'s Neschires!" „Neschires" verdorben aus aschirutb, Reichthum, mit Vorsetzung eines n, wie man „Newere" für aberah (Uebertretung, Sünde) hört, wohl entstanden durch Hinüberschleisung des n von aan (ein, eine) aberah. '; .;; : . 30. Sudes Schlome. — „Salomos Mahl" (seüdath). Von Salomo heißt es: (3. B. König. 5.. 2, 3.) „Er hatte täglich zum Mahle dreißig Kor seines Mehl etc." Wollte man daher die Größe und den Aufwand eines Mahles bezeichnen, so hieß es: Es war Sudes Schloome! — Aehnlichen Sinnes ist die altdeutsche Redensart: Es geht zu wie an König Artus Hof. (Agricola.) Eine Redensart,' die auch bei den Juden sehr gebräuchlich war, und es gibt selbst im sog. Jüdisch-deutschen eine gereimte Artüsfage (ein schön Maase vun König Artis Hof) von Josele Witzenhaufen, dem Schreiber, wie sich der Verfasser nennt. 43. Das is e Tites! -7— 49. Er is e Tachschit! — 58. Er muß überall das Choosem. druf drücke. — 65. Bin ich e Nowe? — 71. Er sagt Kitov druf. — 77. Dashaaßt Esrogim nach Sikkos! — 81. Mehr Schochtim als Hühner. — 97. Ich red vun Grün, gebstu Tschuwe blau! 104. Loo Bock weloo Klotz. „Kein (lo) Bock und kein (w'lo) Klotz," eigentlich: ohne alle Mittel zum Spalten; dann überhaupt zur Bezeichnung, daß irgend ^worin oder woran nichts sei. was zum Zwecke führe. 333. Uf so e Kaschje gehört so e Teriz. „Auf eine solche Frage gehört eine solche Lösung!"- Vergleiche Spr. Sal. 26, 5. „Antworte dem Thoren nach seiner Thorbeit, damit er sich nicht weise fühle. „Kaschje' (kaschjo, kuschjo von kaschah. schwer, nannte man in den talmudischen Studien die Frage, die über eine Schwierigkeit gestellt ward, und „Teriz" (teruz, aus dem Chaldäischen. verwandt mit dem bibl. raza, befriedigen, berichtigen) die Berichtigung, die Antwort. .Bei den Alten: Entwort, so wie „entwern" für antworten. — Rücksichtlich der spöttischen Frage auf relig. Gebiete vergl. Sabbat 30. Jalkut Mischte 961. „Wer einem Thoren (durch eine rücksichtsvolle Antwort) Ebre erweist, thu.t dem gteich, der einer Hermessäule (Merkulis bei d. Rabbinen, s. v. a. Merkurius) Steine hinwirft. Als Zeichen der Verehrung. Vergl. über diesen