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Der Israelit · 1902-09-30 · Heft 78-79 (30.9.1902) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 78-79 (30.9.1902)
Date
1902-09-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1651 gerne gethan. Ebenso gerne wurde der Verstorbene seinem alten Kreisschulinspektor die Himmelspforte öffnen, wenn ihm Gott hierzu die Macht gäbe." In trefflichen Worten entwarf alsdann der Amtsnachfolger des Verstorbenen, Herr Lehrer Plant, ein Bild von des Lehrers Aussaat und Ernte und kam zu dem Schluffe, daß Herr Goldschmidt die herrlichsten Früchte für seine treue Arbeit geerntet, nämlich die Liebe und Dankbarkeit seiner Schüler, sowie die Hochachtung und Werthschähung seiner Vorgesetzten und seiner Gemeinde. „Möchte der Verstorbene"— so schloß Herr Plaut und auch wir schließen uns diesem Wunsche -an — „auch seine himmlischen Garben ernten." Deffau, 27. Sept. Pflicht der Dankbarkeit gebietet es Ihrem Korrespondenten, des Heimganges Dr. Wilhelm Oechelhäuser 's zu gedenken, der durch sein Wirken um das öffentliche Wohl und durch seltene Vorzüge des Geistes und Gemiithes weit aus den Kreisen seiner Zeitgenoffen hervorragte. Auf dem Felde deutscher Kultur und deutschen Geisteslebens wird sein Name für immer verzeichnet stehen. Er war ein Mann, nehmt Alles nur in Allem. — Als einer der angesehensten Führer der Natinalliberalen Partei, als Vertreter des zweiten Anhalt'schen Wahlkreises, gehörte er als eifriges Mitglied dem „Vereine zur Bekämpfung des Antisemitismus" an und suchte durch Wort und Schrift jene Giftsaat zu zerstören. Ehre seinem Andenken! Eydtknhrren, 24. Sept. Gestern, am 23. Sept., dem Ankunftstage unseres Kaisers in Rominten, war cs gerade ein Jahr, daß der erlauchte Monarch (am heiligen Versöhnungsfeste, welches wegen des Schaltiahres Heuer drei Wochen später trifft) nach den Abgebrannten, jetzt bereits (um den Marktplatz herum> wieder aufgebauten jüdisch-russischen Städtchen Wvstyten gekommen war und den Unglücklichen die erste hochherzige Spende von 10,000 Mk. hatte überreichen lasten. Aus diesem Anlaffe fanden dort gestern in den Kirchen und in der Synagoge Dankgottesdienste für den edlen Herrscher statt. Es wurde an den Kaiser nach Rominten ein Dankes-Telegramm abgesandt. Der Kaiser ließ hierauf durch den Forstmeister von Saint-Paul seinen in warmen Worten gehaltenen Segenswunsch der Stadt übermitteln. — Die Ankunft des Kaisers in Wvstyten wird in diesem Monate erwartet. Würzburq, 28. Sept. Herr Rabb. Dr. M. L. Bamberger, bisher in Schildberg, hat die Stelle des Dozenten für die talmudischen Lehrgegenflände am hiesigen israelit. Lehrerseminar übernommen. Wir sind hocherfreut, daß dieser Posten durch eine in so hohem Grade geeignete Persönlichkeit besetzt wurde. Straßburg t. E., Ende Sept. Mit Beginn des Monats Oktober, wenn die großen Ferien ihrem Ende sich zuneigen, wird von den Studenten die Frage aufgeworfen: „Wohin gehe ich im kommenden Semester?" Für einen frommen civis academicus hat die Wahl der Universität ihre besondere Schwierigkeit; denn von den 22 deutschen Hochschulen hat kaum die Hälfte eine echt jüdische nbnp, fast immer hindert der Mangel einer Koscher-Restauration den Jünger der Wissenschaft, die Alma mater aufzusuchen, die ihm die besten Lehrkräfte und -Mittel für seine Studien bietet. . Man wird daher gewiß mit Freude hören, daß Straßburg, die wunderschöne Stadt, alle die Bedinggungen erfüllt, die ein frommer Student an eine Uni- , versitätsstadt stellt: in wissenschaftlicher Beziehung rangirt Straßburg bekanntlich unter den ersten Universitäten des Reichs. Seit der Gründung der Religion sgesellschaft hat auch jüdisches Leben sich zu entwickeln begonnen. Außerdem existirt hier ein hübsches Restaurant (Besitzer R. Wolf), der vor kurzem eine geräumige Wohnung in der Kronenburger Straße 14 I bezogen hat. (Siehe Inserat.)' Dasselbe unterstebt der Aufsicht des Rabbinais der Religionsgesellschaft. En gl an d. . London, im Sept. Brighton, die herrliche Seestadt, hat eine sehr schöne Synagoge,, und der daselbst seit deren Bestehen füngirende Seelsorger, Rev. A. Jacobs, ist einer der b e st e n und f L h i g st e n Männer, der englisch-jüdischen Gemeindebeamten. Run, da wie bekannt, die jüdische Bevölkerung in Brighton sich vergrößerte, auch die Besucher von Rah und Fern nehmen jährlich an Zahl zu, so wäre es sehr wünschenswerth, daß das einzige prachtvolle Gotteshaus, nicht nur allein an Sabbat und Festtagen, sondern jeden Tage morgens, oder wenigstens am Montag und Donnterstag, geöffnet sei. Bevor die heiligen Festtage herannahen, fühle ich mich als strenggläubiger Jude, der oft Brighton besucht, verpflichtet, auch bezüglich des Priestersegens crp rc"2. einige Worte zu bemerken. Ich bin überzeugt, daß so wie ich, auch manche andere konservative Israeliten, die den Tempel besuchen/ sehr bedauern, daß daselbst seit einigen Jahren an Festtagen der Priestersegen zu den Seltenheiten gehört, und wie es scheint, ist die Schuld den fortgeschrittenen Abkömmlingen des ersten Hohepriesters Ahron zuzuschreiben. Die lieben Herren Kohanim behaupten, daß e'Z7>2 r,v-2 . nicht zeitgemäß sei. llnd wie freute es uns, als am jüngsten Wochenfeste Rabbi David Kohn-Zedek, der in Brighton anwesend war, die Synagoge besuchte und mit seiner bekannten herrlichen Stimme der versammelten größeren Gemeinde den Priestersegen spendete, wodurch die konservativen Juden sich sehr erbaut fühltep. Am zweiten Tag Schabuoth fungirte dieser fromme, gelehrte Herr als pn»

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