Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 78-79 (30.9.1902)
- Date
- 1902-09-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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gen Greis sah, einen unvergeßlichen Eindruck. Welch' großen Verlust wir aber in dem theuren Verblichenen zu beklagen haben, das bewiesen nicht allein die große Zahl Leidtragender, die sich am Trauerhause eingefun- - den, um dem großen Rabbi das letzte Geleite zu geben, sondern auch die warmempfundenen Trauerreden, die von hervorragenden Vertretern des Judenthums gehalten wurden. In der Leichenhalle ergriff zunächst Herr Rabbiner Dr. Rosenthal das Wort, sodann die Herren Rabb. Dr. Guttmann, Seminardirektor Dr. Hoffmann, der als Vertreter des Berliner Rabbinerseminars gekommen war, Rabbiner Dr. Freimann-Holleschau, Dr. B amberg er- Schrimm und endlich Dr. H o r o v i tz - Frankfurt, welch' letzterer im Aufträge seines Vaters, des Frankfurter Rabbiners, sprach. „Der Meister der Beredtsamkeit, der berühmte Talmudist, der große Homiletiker," das waren die Worte, mit denen des großen Gelehrten gedacht wurde, dessen sterbliche Ueberreste allerdings vor uns auf der Bahre lagen, dessen Geist sich aber zu einem ewigen Leben aufgeschwungen. Im Traüerhause hatte bereits der älteste Sohn des Verstorbenen eine ergreifende Rede gehalten. Das Judenthum hat zwar den Tod eines Mannes zu beklagen, wie es wohl nur noch wenige in seinen Reihen aufweisen kann, aber der Geist dieses Großen in Israel wird unter uns fortbleen, verjüngend, anspornend und belehrend! Friede seiner Asche! Das Andenken des Gerechten ist zum Segen! Noch hatte sich nicht der Hügel über dem, was an Rabbi Cohn sterblich , war, geschlossen, als wir in erneute Trauer durch die Nachricht von dem Ableben des -verdienstvollen Herrn Josef Falk versetzt wurden. Ich hatte bereits oben Herrn Falk einen wahrhaft frommen Juden, eine mächtige Säule des Judenthum genannt, und das war er in vollkommener Weise. Sein ganzes Leben und Denken war, wie Herr Dr. Rosenthal in seiner Leichenrede treffend hervorhob. nur auf Thora, Aboda und Gemilus Chasodim gerichtet. Schon der Name Falk und eine strenggläubige, wahre Frörnmigkeit sind zwei Dinge, die unzertrennlich miteinander verknüpft sind. Jedes einzelne Familiemnitglied, vom ältesten bis zum jüngsten, hält an jener Frömmigkeit fest, die eben nicht anerzogen werden kann, einer Frömmigkeit, die in Fleisch und Blut übergegangen ist, die mit der Muttermilch eingesogen wird, und ohne welche man sich eine Mitglied jener Familie kaum denken kann. Und Josef Falk, der Senior der Familie, der nunmehr im Alter von 71 Jahren dahin- ‘ geschieden ist, war ein Mann, der sich nicht nur bei seinen Gläubengenossen, sondern auch bei Andersgläubigen durch sein gewinnendes Wesen der größten Hochachtung erfreute Und welche Anzahl wohlthätiger Werke und Einrichtungen verdankt ihm seinen Ursprung oder FoE-estehen! Wie viele Waisen verlieren in ihm ihren Vater, wie viele Wittwen ihren Gönner!. Mit welch' unermüdlcher Aufopferung hat er für pe alle gesorgt! Da war kein Gang, der ihm zu schwer war, kein Weg, der ihm zu weit gewesen wäre, wenn es galt. Armen und Kranken Hilfe zu bringen. ’ Ein beredtes Zeügniß legte auch der imposante Trauerzug von Josef Falk's Wirken ab, wie unendlich viel der Verblichene hier auf Erden geleistet! Nach Hunderten zählte die Menge, die sich, stumm, gebeugt von dem Gedanken an diesen unersetzlichen Verlust, dem Zuge anschloß. Herzergreifend war es, anzusehen, wie sich, als die Bahre zur^ruft gebracht werden sollte, ein Jedes dazu drängte, um dieselbe tragen zu helfen, um nur noch einmal ein Fleckchen von dem zu berühren, was die Ueberreste dieses Zadik, dieses großen und stillen Wohlthäters barg. Möge den beiden Heroen unserer Emunah an der Seite Gottes ein ewiges Leben beschieden sein! n'2Lm. F. Aus dem Regierungsbezirk Cassel. Wenn es auch berechtigt ist, einem jüdischen. Lehrer, der nach fast ' vierzigjähriger Amtszeit zur ewigen Rühe eingeht, ehrende Nachrufe zu widmen, so erachtet es doch Ihr Korrespondent als eine Pflicht, Ihnen aus der jüngsten Nummer der „Hessischen Schulzeitung" einen Nekrolog " über den Heimgegangenen Lehrer G olds ch m i dt aus Frankenberg zu senden. Es dürfte wohl im deutschen Reiche wenig Vorkommen, daß ein e v a n g e l i s ch er Pfarrer, der in feinem Nebenamte Königl. Kreisschulinspektor, seinem jüdischen Lehrer am offenen Grabe solch' ehrende Worte nachruft, die den Sprecher überaus ehren.' Es ist dies ein be- - redtes Zeichen für die Stellung der jüdischen Lehrer im hiesigen Bezirk.;; „Ein treues Lehrerherz hat zu schlagen aufgehört. Der Lehrer Israel Goldschmidt zu Frankenberg schloß am 7. September auf immer die Augen. Am 9. Sept. würde das, was sterblich an ihm war, dem Mutterschoß der Erde übergeben. Von seiner großen Beliebtheit legte sein Leichenbegängniß Zeugniß ab. Die ganze jö- - dische Gemeinde, deren Lehrer er fast 30 Jahre war. sowie ein großer Theil der christlichen Bevölkerung gaben ihm das Geleite zum Grabe. Auch der Vezirkslehrerverein Frankenberg, dessen eifriges und beliebtes Mitglied der Verblichene war, sowie der hiesige Gesangverein befanden sich im Leichengefolge. Am Grabe schilderte Herr Rabbiner Dr. Münk die hohen Verdienste des Verstorbenen um Schule und Gemeinde. Nach einem Gesänge des Bezirksvereins und des hiesigen Gesangvereins ergriff der Königl. Kreisschulinspektor, Herr Metropolitan Wessel, das Wort und schilderte bewegten Herzens das innige Verhältniß zwischen ihm und dem Verstorbenen. Er schloß mit den Worten: „Wenn ich eher gestorben wäre, wie Herr Goldschmidt und Gott hätte mir die Macht dazu gegeben, Herrn Goldschmidt die Himmelspforte zu öffnen, ich hätte es,