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Der Israelit · 1902-09-30 · Heft 78-79 (30.9.1902) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 78-79 (30.9.1902)
Date
1902-09-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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auch gar nicht fehlen, falls wir uns dem Willen Gottes widersetzen, vor Gott sind und bleiben wir fehlbare, irrende, trotzende Sterbliche, wenn wir Ihn unseren Vater und König nennen, und uns sagen müssen, daß wir nicht wie Kinder und nicht einmal wie treue Diener gelebt und gehandelt haben. Deßhalb ist das Correlat des aus der Tiefe unseres Herzens zu Gott gerichteten Rufes zu jeder Zeit "p&V uxon. Freilich hat in den allerjüngsten Tagen des scheidenden Jahres ein Lichtpunkt unseren umdüsterten politischen Horizont erhellt. Die mächtigste Republik der Erde hat zu Gunsten der Juden das Wort ergriffen und den judenfeindlichen rumänischen Staat an die Pflichten der'Menschlichkeit auch seinen jüdischen Bürgern gegenüber ermahnt. Aber die Intervention ist zunächst nur eine diplomatische und zur Stunde ist es noch zweifelhaft/ ob und in wie weit die humanen, hochsinnigen Intentionen der amerikanischen Republik auch bei den großen Monarchien Europas Beachtung und Unterstützung finden. Aber wie diese Entscheidung auch erfolgen möge, es ist hinlänglich dafür gesorgt, daß die Worte nrx xbx vh s'X „Unser Vater! unser König! Wir haben keinen König außer Dir!" auch noch im kommenden Jahre ihre Berechtigung nicht verlieren werden. Mehr als ein Jahrhundert ist dahin gegangen, seitdem die Menschenrechte proklamirt und säst von allen Staaten Europas auch -den Juden zuerkannd wurden. Aber alle Fortschritte, der Kultur und Gesittung haben den Rückfall in den alten Judenhaß nicht zu hindern vermocht, unter dem wir täglich leiden. Nicht von den Errungenschaften der Zeit, nicht von dem noch so sieghaften Fortschritt der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit erwarten wir daher unsere Besserstellung, sondern inniger als je, treten wir vor unseren Vater und König mit dem Vekenntniß, daß lediglich mit Rücksicht" auf Seinen Namen, den wir als Gottesvolktragen, und je nach der Hingebung, mit der wir ihn tragen, wir Befriedigung für die Sehnsucht unseres Lebens erhoffen. TWS 1»bü U'2X Mit diesen Lebensvorsätzen ausgerüstet, wagen: wir den Schritt in die verhüllte, neue Zukunft . und wünschen unseren Lesern, wünschen unseren Brüdern und Schwestern auf weitem Erdenrund, aus bewegtem Herzen: ' 121V tw U'bv v»in »2!» wäx. Zeitungsnachrichte« imd CosresyorrYenzsN/ V--:”i ■ /-?.i y’ ■W'-’ir.?>iV. :I :?{jy;U Berlin» 28, iZeptr^ Der^Komtztt-Möx.hAMzrß' feK am Dienstag und' den folgenden Tagen vor der hiesigen Zweiten Sttafkanmer noch 'einmal äüsgerollt -werden.' Am 30. September beginnt nämlich e.-,Belel>gungs-.. Prozeß gegen die „Stagtsbürger-Zütung^. d h,gegen deren verantwortlichen Rrdakteur -.ft,-Po^iche.r-und:.- ,W toi; Verleger Wilhelm Bruhn. Bril? sollen durch, eine Reihe von Artikeln über den Konitzer Mord verschiedene Beamte und Privatpersonen beleih gt haben, besonders; den Ersten Staatsanwalt, den Untersuchungsrichter, . . die Kriminalkommissare. Braun und Wehn und den Bürgermeister von Könitz. Die Verhandlung wird eine große Ausdehnung annehmen, dad-e Angeklagtem, 7 einen umfangreichen Entlastungsbeweis antreten wollen . .. und die Verlesung zahlreicher Aktenstücke nothwendj:. wird. Als Nebenkläger treten auf: , > der Schlächter- . meister Adolf Lewy, jetzt in Berlin, dessen Sohn, der Schlächtergeselle Lewy, der die ihm wegen Meineid's zuerkannie Zuchthausstrafe in,Rawitsch verbüßt, . der.:-; Kaufmann Großmann in Bütow und der Kaufmann > Gustav Caspary in Könitz. Unter, den geladenen Zeu. gen befinden sich: Oberstaatsanwalt a. D. Wulff in Detmold, Erste«- Staatsanwalt Settegast in Limbu^ Landrichter Dr. Zimmermann In Könitz, Amtsrichter - - Pankau in Könitz, Bürgerm«ister D'ditius daselbst: - /- Erster Staatsanwalt Schw'igger in Könitz, ferner die .- Kriminal-Inspektoren Braun und Klatt, Kriminalkommissar Wehn und andere. Breslau, 28. Sept. Eine unendlich, große Lücke, hat. der unerbittliche Tod noch in der letzten Woche des> . .. .^ alten Jahres in unsere Reihengerissen. /Zwei Mannet sind aus dem Leben geschieden, die mit Recht als^. echte, glaubensstarke und wahrhaft fromme Juden be- . -... zeichnet werden konnten, es sind dies die Herren/Rab-/ . . '.. biner.Dr. Salomo.n C0hn und Iosef Falk, ' zwei mächtige Säulen unseres Glaubens. Rabbiner. Dr. Salomon Cohn, über dessen Sommeraufenthalt in > in Bad Salzbrunn noch vor wenigen Wochen in diesen Blättern berichtet wurde, der Hohepriester der Beredtsamkeit, wie er auch an dieser Stelle bezeichnet wor-. den war, wurde, nachdem er einige Zeit das Rabbinat in Oppeln bekleidet hatte, als.Landräbbiner nach Meck- ., v\;; lenbürg-Schrverin berufen, welcher ehrenvollenAuffor- - / > derung er auch Folge leistete. Hier, in Mcklenburg wirkte er Jahre lang zum reichen Segen der dortigen. Gemeinden. Allein seine strengreligiöse Gesinnung ... . war es, die ihn bestimmte, das Landesrabbinat nieder- -r zülegen und eine Stellung als Rabbiner der Synagoge an der Potsdamer-Brücke .in .Perlin . .a.dnehmen^^^. Große Verdienste-hat sich auch der.Verstyrbene um^die,;- Gründung des Berliner ^RabbiMsemmars erWrbep, dessen Kuratorium.pr Dr.? Salo?non„Cohm.... der.„ejn-.EhMcKe^hoyachtzig^ Jahren erreicht-chatts. wLrr.Lin.-SchwjLgresohn^detz.chs» ny!$j bjetinde.Gestalt,. dse silb.ergra)i§fl,. hocken: -die; ihm.hißk, r. zunü Nacken-herablvallten, machten -auf .einen -Jeden, der den noch wenige Wochen vor. seinem-Tode'so rüsti--.

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