Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 78-79 (30.9.1902)
- Date
- 1902-09-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1648 •"•v .. Und nun schließt dieses Jahr und'am Eingang zum neuen treten' wir vor Gott hin und nennen Ihn wz» V unseren Vater. Ist Gott aber unser Vater, so sind'ällediejenigen, die unter den Schicksälsschlägen des scheidenden Jahres bluten) Seine Kinder, sie sind unsere Brüder und Schwestern) Haben wir brüderlich ' und schwesterlich an ihnen gehandelt? Ist uns ihr Leid und Weh, ist uns ihr Jammer und ihre Verzweiflung so nahe gegangen, wie die eines Bruders und einer Schwester? Haben wir, wo die Noth so groß und das Unglück so ergreifend war, mit Ausmaß unserer ganzen Kraft wenigstens das Unselige gethän? Hat sich angesichts des schweren Ernstester Zeit unsere Menschenliebe zur Bruderliebe gesteigert, damit wir nün ohne Errothen ' zu Gott aüfblicken, ihn „Unseren Vater" . nennen und spreche n dürfen: neppn vtw n? uw Wir haben das Ünserige gethan, nun schaue herab.und gib uns Deinen Segen, gewähre uns das Leben und die Mittel zum Leben' für das kommende Jahr? Oder haben wir nur in knechtischem. Sinne unsere Pflicht gethan, in einer so schweren Zeit, in der man Angesichts des uns anstarrenden riesengroßen Elends seine Pflicht erst erfüllt, wenn man mehr thut, als seine Pflicht? Es muß in dieser ernsten Stunde ausgesprochen werden, daß diese allumfassende Bruderliebe, daß diese alte, jüdische Kardinaltugend, fort und fort im Abneh- ' 'men begriffen ist. Wohl baut unsere Zeit Alters-Asyle, '.errichtet Spitäler) stiftet Arbeitshäuser und gründet ' Kolonien, vielleicht in größerem Style, als zu .irgend einer späteren Zeit. Aber wie viele, wie wenige, von . denen, welche bereit sind,, große Summen für diese philantropischen Zwecke, zu zeichnen, haben im Herzen auch nur die kleine Dosis Bruderliebe sich'bewahrt, die. die Armen und die Ärmuth nicht mit kaltem Geld abfindet, sondern in's Haus nimmt, ihm am eigenen Tisch einen Platz einräumt, wie es zu den selbstverständlichen Gepflogenheiten der alten, jüdischen Gastlichkeit und ' Herzlichkeit bis' hart an. die Schwelle unserer Zeit allenthalbengehörte? Wir möchten gewiß nicht das Verdienstliche verkennen, das auch die Wohlfahrtsbestrebungen unserer Zeit, rühmlich auszeichnet. .aber es wäre doch nicht gut, sich deßhalb über die Dinge, wie sie in Wirklichkeit ) liegen, einer Täuschung hinzugeben. Alle, die erwähnten ^..Bestrebungen mogen)den Unglücklichen, denen, sie gelten, 'Iganz' göwiK. zu'Gute kommen, . ihre.Tendenz wurzelt ,Und'VpMuber'sn^r.Msiiht,.dxn widerwärtigenAn- Mck de^ EMd^ nM der HrMsh dst^üpserem. Gesichts- -''freis"'zü'ftdjjftjn;üttdvön'ünse'Am ^gU^ferzlzphasten. Die KassenüE.ÄEenverMe. fertiäeu.den Armen ah, Itähnung''ri'ä; «Än HonriaLnnn.". 'Metrübfe . . Urme bringe in dem Haus" (Jesaja, Cap. 68, .7) und ü noch weiter gehen unsere Weisen: „Arme sollen die' Kinder deines Hauses sein." V Der Talmud erzählt im Traktat Taanis (Fol. 23): i Als Abba Chilkija und seine Frau Gott um Regen ba- : ten, zeigte sich die erste Regenwolke von der Seite her.; nach welcher die Frau ihr Gebet gerichtet hatte. Als man Abba Chilkija darüber befragte, warum das Gebet seiner Frau früher Erhörung gefunden, als das seinige, erwiederte er: „Meine Frau ist zu Hause und reicht den Armen Brod, das sie ohne weiteres genießen können. Ich kann nur Geld gben, das sie erst umsetzen müssen, von dem sie daher nur einen, mittelbaren Genuß haben. Noch mehr tritt der Unterschied, ob wir als Kinder oder als Knechte im Dienste Gottes unsbegreifen, jedoch bei Erfüllung der andern Pflichten, zu Tage, die nicht unser Verhältniß zu unseren Mitmenschen, sondern lediglich unsere Beziehungen zu Gott zum Gegenstand haben. Der Unterschied zwischen beiden ist überhaupt nur ein formaler, äußerer, da auch unser Verhalten gegen andere durch Gottes Gesetz geregelt ist und man die Pflichten gegen Gott verletzt, wenn man denjenigen gegen unsere Mitmenschen nicht genügt. Nichts ist gewöhnlicher, als die Behauptung, daß die vom Gesetze Gottes im praktischen Leben Abgefallenen wenigstens die Pflichten gegen Menschen gewissenhaft erfüllen, und nichts wird von der täglichen Erfahrung so gründlich widerlegt, als eben diese Behauptung. Die hier in Betracht Kommenden mögen sich ein gutes, oder wie man sagt, jüdisches Herz bewahrt haben und dasselbe auch bei gegebener Gelegenheit bethätigen.' Mer das Gottesgesetz feiert seine höchsten Triumpfe darin, daß es die Liebe zur Pflicht und zum Gesetz erhebt, und nicht nur an die Gnade und an die Herzen. sondern an das Recht und den hellen Geist appellirt, um auch die harten Herzen ganz so für Zedoko, Maaser und Gemillus Chased zu gewinnen, wie die von Natur Mildherzigen. . In Wirklichkeit bestätigt die Erfahrung im Großen und Ganzen auch heute noch die Wahrheit, daß Derjenige, der in den spezifisch göttlichen Pflichten die Treue vermissen läßt, auch seinen Nebenmenschen und die Pflichten gegen ihn im Ernstfälle verläugnet. Die nächste Konsequenz von 'N2 byo rbyisi xsnn '3 »bi bleibt wem »rot. Wie. die Dinge bei der großen Mehrzahl heute liegen, möchten viele zu Gott, als zu ihrem Vater aüfblicken, um von ihm mit Beweisen väterlicher Huld überschüttel zu werden, aber Gott nun auch als den ° Gesetzgeber ihres Lebens, als Regler ihres'Willens,, als als unseren König anzuerkennerl, _da§. düntt ihnen - Äne ZuchuHung, diesie weit)bon.'sich,Heis>^)'')..^.'>- ' *. .Aött' an der Pfortv des ü'euen MbreÄ) seglAyser heiliges Gebet' Jedem' den' Gedanken nahe, daß..wenn auch im - Laufe des Jahres draußen im Leben'die große Masse diese Abweisung theilt) und wir in ihren AUgen ,