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Der Israelit · 1902-09-30 · Heft 78-79 (30.9.1902) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 78-79 (30.9.1902)
Date
1902-09-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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GenLrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. . Begründet von - - . Df.' in Matni. “ 48. Jahrgang. GenLrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. _Dienstag, den 30. Septemder 5668 (1902). v! : Des heil. n"l-FesteS wegen erscheint unsere nächste Nummer Montag, den S. Oktober. (Zu Rosch-haschonoh) Mainz, 28. September Gezählt sind die Tage, sind die Stunden des scheidenden Jahres. Auch wenn wir sie künstlich verlängern, indem wir uns früher als sonst, vor dem Morgen-" grauen, von unserem Lager erheben und dem Ernst der Zeit unseren Schlaf und unsere Ruhe opfern, es ist nur noch eine kurze Spanne bis zum Augenblick der Verantwortung und Entscheidung, den unser Festgebet mit den Worten zeichnet: n*>•? im am. „Heute ist die Geburtsstunde der Welt, heute zieht Er vor Gericht alle Gebilde der Welt, ob wir wie Kinder, ob wir wie Knechte zu Ihm stehen. Sind wir Kinder, dann wirst Du Dich unser erbarmen, wie sich ein Vater der Kinder erbarmt. Sind wir aber Knechte, so hängen unsere Blicke zweifelnd an Dir, bis Du uns die Gnade eines lichtvollen Ausfalles unseres Urtheils gewährest. Furchtbarer, Heiliger!" Verstehen wir diese Worte recht, so wollen sie uns die Erwägung nahe legen, daß, wenn mit jedem Rosch- Haschono der Tag wiederkehrt, in welchem Gott durch Erschaffung des ersten Menschen die Weltschopfung abgeschlossen hat, damit auch alljährlich die Stunde der Verantworrung über unsere Stellung zu Gott und Seiner Welt naht. Diese Verantwortung beschränkt sich aber in Wirklichkeit darauf, ob wir uns in der Erfüllung unserer Lebenspflicht, wie Kinder zum Vater, oder wie Diener zum König, wie Knechte zum Herrn begriffen haben. . Noch kürzer und präziser fassen diesen Gedanken die zwei einleitenden Worte des Gebets, das in den Tagen von Rosch-Haschono bis Jom Kippur sich früh und spät aus den bewegten Herzen über die bebenden^ Lippen ringt uabv. : „Unser Vater! U n - ser König!" Der Unterschied, ob wir in der Erfüllung unseres: Lebensberufes uns wie das Kind zum Vater oder wie: der Diener zum Fürsten begreifen, äußert sich in jeder Nuance. Der Knecht, der seinem Herrn, der Diener, der seinem Fürsten dient, dient in erster Reihe sich und ^in zweiter erst seinem Vorgesetzten^" Auch der selten^ treue Diener, der die Interessen.seines Herrn höhere stellt, als die eigenen, dient sich, wenn auch erst in zwei- ' ter Reihe. Wer aber zu Gott wie das Kind zum Väter steht,- der kennt kein eigenes Interesse, keinen eigenen Willen, und bekundet dies mit jedem Schritt,. den n thut und nicht thut. ' * J Freilich denken viele, die zu Gott r.'ix Unser Vater! sprechen, nur an die Vaterpflicht, an die Vater-' liebe, kurz an das v'» br a» ema, das Erbarmen, das jeden Vater für seine Kinder erfüllt, übersehen aber die Konsequenz, die Gegenleistung, die sich daraus für das Kind ergibt. . -• An der Schwelle des scheidenden, an der Pforte des kommenden Jahres empfindet derjenige, der die Geschehnisse des Jahres Revue passiren läßt, mehr als sonst die Wucht dieser uneingelösten Schuld. . Es war ein hartes, schweres Jahr, das nunmehr in das Meer der Ewigkeit hinabzurauschen sich anschickt. Elementare und politische Katastrophen Haben tiefe Spuren im allgemeinen und speziell für uns Juden in demselben hinterlassen. Man braucht nur an den Nothstand unserer Brüder und Schwestern in Rußland, an ihre Verarmung in Galizien, zu erinnern, man braucht nur das eine Wort Rumänien zu nennen, um jeden weiteren Nachweises für den Ernst gerade; dieses Jahres enthoben zu sein. .

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