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Der Israelit · 1902-09-25 · Heft 77 (25.9.1902) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 77 (25.9.1902)
Date
1902-09-25
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1636 Die Schrift .-rar. bv ro*n macht ferner darauf aufmerksam, daß durch diese „Methode" immer mehr die gottesfürchtigen und thaurokundigen Lehrer von ihren gottlosen und unwissenden Konkurrenten verdrängt werden, welche nicht nur negativ und indirekt, sondern auch positiv und direkt „in das Herz ihrer Schüler das Gift des Läugnens an der göttlichen Heiligkeit der geschriebenen und überlieferten Thauro, an den Wundern und an Gottes Vorsehung eingeben." Und wenn schon eine von einem Min geschriebene Sefer Thora unbrauchbar ist, um wie viel mehr ist es ein Lehrer, dessen Herz von Prinzip. Leugnung so voll ist, daß sein Mund davon überläuft. Interessant ist ferner der Hinweis von R. Eh. Grodsenski auf die Erfahrung, daß wir der „veralteten" Lehrweise den Bestand unseres Volkes verdanken und daß von ihr nicht nur die großen Thauroleuchten, sondern auch alle hebräischen Schriftsteller hervorgegangen sind. Denn alle Maskilim, ihre neueste Phase der Methodologen nicht ausgeschlossen,: sind sammt und sonders Zöglinge des altmodischen,, unmethodischen Cheder, während die Söhne von Smolensk! und Gordon, den Heroen der „liberalen" Haskolo, kaum noch des jüdischen Alphabets kundig sind. Daß die sog. Aufklärung etwas ist. was. sich selbst überflüssig macht, ist übrigens im Lager der Maskilim selber wohlbekannt und Gordon gab diesem R.esignationsgefühl in seinem bekannten Gedichte bov .rr 'L^> einen tief empfundenen Ausdruck. Die bisherige Darstellung, welche theilweise auch die Gedankengänge und Gefühle unserer großen Gesetzeslehrer in Rußland über die pädagogische Katastrophe reproduzirt, gewährt uns bereits einen ziemlich genügenden Einblick in den verheerenden Einfluß der antijüdischen und doch hebräischen Schule und erschließt uns das Verständniß für das tiefe Weh unserer my.T v welches sich in der vorliegenden Schrift äußert. Wir hätten vielleicht nichts mehr hinzuzufügen, da wir die.flammenden und . geistvollen Worte des Originals nicht weiter durch stückweise Uebersetzung abschwächen wollen. Für den Theoretiker jedoch, welcher sich mit einer „Feststellung von Thatsachen" nicht begnügt, sondern auch zur „Ergründung der Ursachen" vorrücken möchte, ist die ganze Methodenbewegung ein Räthsel. Daß die Flucht von der lebendigen Quelle zu den baufälligen Brunnen eine große Gefahr für die jüdische Sache in sich birgt und für jeden denkenden Juden unbegreiflich ist, ist klar; woher kommen aber die Methodologen, welche, wie wir ja wissen, selbst Kinder von '■ex sm sind, auf diesen Unsinn? Jmponirt ihnen wirklich das blöde Zeug ihrer „Methodenbücher" mehr als ein .Kapitel Jeschajo oder ein Blatt Gemoro? n-p n rnar1? re ,rvn rpw Daß sie von den tiefen Geistesschätzen unserer Thauro recht weit abrücken, darf uns jedoch mit Rücksicht auf ihren Abfall vom jüdischen Gesetze nicht wundern;*) dieser selbst ist theils in den menschlichen Trieben, die sich wider das Gesetz behaupten wollen, theils in der Nachahmungssucht, die in Rußland wie auf der ganzen Erde gleich zu Hause ist, begründet. Aberwarum soll denn die Form der Thauro ihre Sprache bleiben und, nachdem der Inhalt derselben als überwunden zu erachten ist, jene mit neuem Inhalt gefüllt werden? Denn cs gehört keine große Belesenheit in der neuhebräischen Litteratur dazu, um zu wissen, daß sie mit allen Litteraturen der alten und neuen Völker mehr Aehnlichkeit hat, als mit der altjüdischen, oder richtiger gesagt, daß sie in Uebersetzungen aus jenen besteht oder im günstigsten Falle eine elende Nachahmung derselben darstellt. Wozu nun dieses undankbare Abmühen mit dem Beleben einer alten Sprache, mit dem Schaffen einer neuen, wie man es auch immer auffassen mag? Ist essonst nicht Sitte, den Leichnam zu begraben, nachdem der Geist ausgebaucht ist? . - Bedenken wir aber, daß es sich hier um einen in Auflösung begriffenen Kulturzustand handelt, daß sich unglückliche Individuen, die keiner menschlichen Gesellschaft, der jüdischen nicht mehr und irgend einer nichtjüdischen noch nicht angehören, eine Nothhütte aufstellen wollen; und mag sie auch aus Strohfasern bestehen, um nur nicht ganz obdacklos herumzuirren, so werden wir bei ihnen wohl auf Logik verzichten und mit einem Schlagworte vorlieb nehmen. In der That sind, nur leider seit dem Schleifen der jüdischen Festung .vor einem Jahrhundert daran gewöhnt, unsere durch Gottes Weisheit eingesetzte, durch Jahrtausende intensiver Geistesthätigkeit und ausgedehnter Erfahrung bewährte rtoSr hth von dem „Geräusch eines verwehten Blattes" verfolgt und verscheucht, vom Geplapper hohler Schlagwörter bekämpft und theilweise auch besiegt zu sehen. Seit dem Zurückdrangen der wahren „Jüdischkeit" durch unsere kritiklosen Erzsclaven alles Europäischen schossen die Judenthümer hinter¬ und nebeneinander wie die Pilze aus der Erde. Es entstand zunächst das ' Fortschrittsjudenthum, etwas später das Reformjudenthum und gleichzeitig damit das konfessionelle Judenthum, jüngeren Datums ist das Nationaljudenthum, noch moderner ist das Muskeljudenthum, die jüngste Phase dieser Judenthumsmacherei ist nun. das Methodenjudenthum. „Dasselbe Assimilationsunwesen," welches zuerst die Modernisirung. d. h. die Lockerung des strengsittlichen Lebens, die Nerchristlichung des wahren Gottesdienstes und die Abtödtung des jüdischen Bewußtseins hervorrief. ä u ß e r t sich in den letzten Dezennien hauptsächlich in Rußland in dem immer wieder erneuerten „Versuche, judenreine Juden herzu- *) S. Lwaus 3.9. und Barti nura zur Stelle.

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