Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 77 (25.9.1902)
- Date
- 1902-09-25
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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43« Jahrgang.^ IWLrte Meilrrge zu M 77 des „IsraMt." Ein Nöthschrei aus Rußland. Dieser Titel ist dem jüdischen Publikum nicht unbekannt und so mancher Philanrrop mag beim Anblicke dieser Ueberschrift nach semer Tasche greisen. Es handelt fich jedoch hier uin einen Nöthschrei, der durch jenen sonst allmächtigen Faktor in allen gesellschaftlichen Fragen nicht beschwichtigt oder auch nur gemildert werden kann. Dieser . Nöthschrei ergeht deßhalb nicht wie gewöhnlich von den gedrückten Volksschichten an die Reicheren und Höhergestellten, sondern umgekehrt von den;ura cnw den höchsten Spitzen der ruffischen Judenheit, - den größten Heroen des jüdischen Geisteslebens an ihre armen, durch kurzsichtige und engherzige Volksaufklärer verführten Brüder. - Eine uns vorliegende Schrift*) min bv nsri enthält ein Sendschreiben der bedeutendsten Rabbiner Rußlands an ihre unverfälscht im Glauben und im Leben der Väter verharrenden Stammesgenossen, in dem diese bezüglich „der Erziehung und Ueberwachung ihrer Kinder, der Quelle der Nation," wie sich R. Chajiin Solowejeczik ausdrückt, „auf der allein die Erhaltung unserer heiligen Thauro beruht," vor dem Falschmünzerthum der Maskilim gewarnt werden. In den letzten Jahren spukt nämlich eine Unmenge von pädagogischen Hilfsmitteln unter dem Schlagworte .Methode" in Rußland herum, die sich wegen der Gemeinsamkeit der hebräischen Sprache mit unserer Thauro, als diese selbst ausgeben und von den breiten Volksschichten, welche von ihren schweren Existenzsorgen leider ganz absorbirt werden, mit . den echtjüdischen Münzen, dem ,vbix bv vvv vzm jdsd men /ura leicht verwechselt werden. In Wirklichkeit aber enthalten diese Büchlein nichts weniger als Thauro. Sie verkünden z. B. die großen Wahrheiten, daß die Felder immer im Frühling grünen, daß gefrorenes Wasser Eis heißt, daß der Schuster Schuhe verfertigt u. dgl. Von Gottesfurcht, von den jüdischen Pflichten, von v'2iv D'tysoi rose dagegen wird kein Wort geredet; von der Bibel wird noch hie und da dem Nationalismus zuliebe, dann aber auch der Sprache wegen etwas „Historisches" zitirt. während die mm ne byzv völlig todtgcschwiegen wird. Ueberwältigend ist der Schmerz für jedes jüdisch empfindende Herz, daß es jüdische Männer gibt, die an Gottes Werk „freche Hand" anlegen und es auf Grund ihres Dünkels und Dunkels auseinanderreißen, *) Wilno 5662. erhältlick bei Robb. Wolf Morgolis Ärodno, Schalvm Tavid Nuvmowicz. Wilno. cjawalnastr., Solomon Rubin .Nowno, Malo—Wylenskastr^ Nochnm Leib Weingott, Warschau. Tepla 16. UM die lesenswerthen Partien herauszuklauben. Unendlich tief ist unser nationales Gefühl gekränkt, daß „unsere Zerstörer und unsere Verwüster von uns selber ausgehen." Anstatt unserem Berufe gemäß die ganze Menschheit mit der Fackel der Thauro zu erleuchten, - dieser heil. Thauro, für welche wir durch Feuer u. durch Wasser gingen und welche die Lebenskraft des alten Israel bildete, entfernen sie die heiligen Stellen und legen ersten in der Form eines zugestutzten Compendiums für Geschichten und Erzählungen ben ropwm pn n'2 bv vor, beklagenswerth sind wir, daß wir das erleben müssen." Noch schmerzlicher ist jedoch die Thatsache, daß sich diese inneren Feinde gar als Freunde nicht nur der Judenheit, wie die Assimilanten, sondern auch des Judenthums geriren, daß sie sich nicht als Vernichter des Thaurolernen», sondern als Fortsetzer, als Verbesserer desselben aufspielen. „Sie suchen unsere Lebenslehre durch einen vergifteten Kuß .zu tödten. Zunächst verherrlichten und verhimmelten sie den Stil und die Poesie der „Schrift" und priesen hinterlistig so sehr den wörtlichen Sinn derselben, daß die überlieferte ne bvzv mm auf Grund welcher Gott mit uns Sein Biindnitz geschlossen,*) wie von selbst verdrängt wurde, und so zertraten sie wie unbeabsichtigt während der Erklärung der Schrift den „Drusch" und die Agodo unserer heiligen Lehrer, daß dieselben den Kindern wie Geschwätz und Lüge Vorkommen mußten. Und so fuhren sie fort in der Verstümmelung der Ideen und der Verunstaltung des Geistes derThauro, bis Alles für viele Väter u. Kinder unschmackhaft wurde und sie sich schließlich dazu verstiegen, „die heil. Sprache, welche nur ein Mittel für das Verständniß der Thauro ist, zum Hauptzweck zu erheben und den Zweck des Lernens der Thauro für die Thauro zum Mittel für die Kenntniß der hebräischen Sprache zu reduziren." Ist aber das ganze Thaurolernen nur für die Erlernung des Hebräischen da, so machte, man das Thaurolernen zur Nebensache und die „Methodenbücher" zur Hauptsache." Dieser Weg ist nun allerdings nicht fahrbar, wie unsere Wegweiser glauben machen" wollen, aber äußerst gefährlich, denn dadurch, daß unsere Gotteslästerer wie ihr affyr. Gesinnungsgenosse Nab Schoke (auch dieser war nach dem Talmud ein abgefallener Jude) just jüdisch reden, wird am sichersten „den zarten Säuglingen die Muttermilch unserer heiligen Thauro entzogen." „Gegen solche, die mit Gottes Handwerk Schwindel treiben, erhebt nun die uns vorliegende Schrift Protest, um die Entweihung des Heiligen im Heiligthum der Erziehung und um unseren Schmerz dem großen Publikum mitzutheilen. . *) Gittin 60.6. - ' ., .’ ",