Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 77 (25.9.1902)
- Date
- 1902-09-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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die volle Anerkennung der Baukommission nicht fanden, den bewahrten Händen des Herrn Prof. Kleesattel hier, übertragen. In Anwesenheit der Mitglieder des Vorstandes, der Repräsentanz und deren Stellvertreter, sowie einiger Gemeindemitglieder, hat, wie in voriger Nummer bereits kurz berichtet, am Montag, 15. d. Mts.> Vormittags, die feierliche Grundsteinlegung zur neuen Synagoge stattgefunden. Unser Rabbiner, Herr Dr. David, hielt eine eindrucksvolle Ansprache, indem der Redner in seinen Betrachtungen über die Wichtigkeit und Bedeutung eines Gotteshauses die bekannten Stellen im 1. B. M., Kap. 28,11—22, zu Grunde legte, und Herr I. L e v i s o n, unser erster Vorsteher, verlas die für den Grundstein bestimmte Urkunde, welche dann von dem Bauleiter mit den Ausgaben hiefigcr Zeitungen in den Stein gesenkt wurde. Nach dem darauffolgenden Einsetzen desselben und der Vollziehung der üblichen Hammerschläge unter Hersagen von sinnreichen Denksprüchen seitens der meisten Anwesenden wurde die erhebende Feier durch ein Gebet des Herrn Rabbiners mit den Worten des Psalmisten geschloffen: „Es sei die Hüld des Herrn, unseres Gottes, über uns, und das Werk unserer Hände fördere bei uns. und das Werk unserer Hände, fördere es." ... P * st t r r eich. Prag, 21; Sept. (Der Jom-Kippur als „Synagogenrevolver.") Wie in weiteren Kreisen bekannt, hat der Herausgeber der „Prager Lokalkorrespondenz", Herr Simon Pollak, vor etlichen Monaten eine Aktion zu Gunsten jener Aermsten unter den israelit. Bewohnern Prags und der Vororte der böhmischen Landeshauptstadt eingeleitet, die nur mit Bangen den herannahenden hohen Feiertagen (2. und 3. und 10. und 11. Okt.) entgegensehen. Es handelte sich hierbei um die Erwirkung des „freien Eintritts" in jene israelitischen Tempel, deren Verwaltungen die erwähnten hohen Feiertage gewissermaßen als Preffionsmittel benutzen. und das erhöhte Frequenzbedürfniß der Synagogen dazu ausbeuten, um selbst den mittellosen Juden für die Verschwendungssucht bei gewissen Tempelbauten tributpflichtig zu machen. Den armen Juden (ob jung oder alt) ist in gewissen Tempeln, in Prag und den Vororten der Eintritt am Neujahrs- und Versöhnungstage geradezu verwehrt und die Tempeleingänge sind an diesen Tagen der Erhebung Zeugen der empörendsten Scenen. So wurde dem Schreiber dieser Zeilen u. a. von ehrwürdiger Seite in Gegenwart von Zeugen versichert, daß im verflossenen Jahre sich der unerhörte Fall in Prag ereignete, daß „einem Rabbiner, Herrn Dr. K., an den Pforten mehrerer Tempel der Eintritt am Jom-Kippurtage verweigert wurde," weil er sich mit einer bezahlten Sitzanweisung nicht legitimiren konnte. Voll Scham und Bitterkeit durchwanderte der Rabbiner die Gassen Prags, bis es ihm endlich gelang, sich durch Vermittelung eines Berufskollegen Eintritt . ineine Synagoge zu verschaffen. . Die hohen jüdischen Feiertage stehen bevor; die beabsichtigte Aktion des Herrn Pollak mußte eine Verzögerung, erfahren; er glaubt jedoch, „daß sowohl die hohe k. k»; Statthalter ei in Prag, als auch das hohe k. k. Kultusministerium Mittel genug besitzt, um gewisse, obendrein „Gemeinde"-Tempelverwaltungen an - ihre allgemeine Pflicht zu erinnern!".. -. -; — Der Staatsanwalt im „Hilsnerprozeß", Herr O.-L.-G.-R. Schneider -Sorbda soll, .wie das Kuttenberger Lokalblatt meldet, in den Ruhestand treten. Als sein Nachfolger auf dem Posten in Kuttenberg gilt der Chrüdimer Staatsanwalt Herr Koupil. ' - u n g d r n. . -- ': - Sasvar, 22. Sept. (D er Kais er u nd de r Rabbiner.) Bei dem am 11. d. Mts. stattgehabten Empfange des deutschen Kronprinzen Friedrich Wilhelm auf dem hiesigen Bahnhofe durch den Kaiser, befand sich auch der hochbetagte Rabbiner, Herr M. L. Engel, im Empfangszelte. Als der Kaiser den greisen Seelsorger erblickte, trat er auf ihn zu und zeichnete ihn in leutseligster Weise, mit einer Ansprache aus. Obgleich der Rabbiner nicht im Ornat war, erkannte ihn der Kaiser, der ihn bereits früher einmalbei. einem Empfange gesehen hatte,, sofort. „Behalten Sie nur auf!" sagte der Kaiser zu dem Rabbiner, als dieser den Hut abnahm, und fragte ihn: „Sie sind Rabbiner hier?" — „Ja." — „Schon sehr lange?" — „Ja, Majestät, schon 61 Jahre." Weiters erkundigte sich der Kaiser, wie groß die Gemeinde sei und'ob sie ihren ' eigenen Tempel besitze, welch' letztere Frage der Rabj biner bejahte. H ■;:.v ■ Rußlan d. Czenstochau, 23. Sept. Zu der Judenhetze wird noch geschrieben: Die Excesse des Pöbels sind jedenfalls von langer Hand vorbereitet gewesen, wenigstens weiß man, daß unter den Arbeitslosen seit geraumer Zeit eine heftige Gährung im Gange war; die nur durch die Furcht vor dem Militär niedergehalten wurde. Erst nachdem die in der Stadt garnisonirend.en Truppen in'S Manöverfeld abgerückt waren, wagte der Pöbel, Ausschreitungen zu begehen, wozu ihm das kleine Vorkommniß mit der Pflaumenverkäuferin Gelegenheit bot. Von mehreren Polizeimannschaften werden fortgesetzt Hausdurchsuchungen nach bei den Einbrüchen in die Kaufmannsläden gestohlenen Maaren gehalten. Wird etwas gefunden, was aus den Plünderungen herrühren könnte, so wird der Inhaber verhaftet. In den Hospitälern melden sich Hunderte von Leuten, die durch Schüsse verletzt'sind. Die Stadt gleicht einem Militärlager, immer noch treffen neue Militärmaffen