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Der Israelit · 1902-09-25 · Heft 77 (25.9.1902) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 77 (25.9.1902)
Date
1902-09-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1628 Zugend gerecht zu werden suche, und andererseits sei ersichtlich, daß. wir zu- Allem die Anregung aus der Gottesverehrung schöpfen. Aber so viel'immer auch dem Gerechtigkeitssinn der Stadt Berlin und der Hochherzigkeit der Stifterin, die, für sich selbst bedürfnißlos, ihre ganze Zeit und Kraft seit Jahren in den Dienst der Menschenfreundlichkeit gestellt, zu danken sei, die umfassende Fürsorge für das hilfsbedürftige Alter. ..die gerade bei den Juden unstreitig sich der eifrigsten Pflege erfreue, müsse ihren Grund in der Sache selbst haben, und, wenn irgendwo, sei auch hier ein allgemein menschlicher Grund zu finden. Die Antwort gebe das ergreifende Gebet, das bei Beginn eines neuen Jahres gebetet werde: „Verwirf uns nicht im Greisenalter, verlaß uns nicht, wenn unsere Kraft vorbei ist." Das rechte, glückliche Greisenalter, wie es Abraham beschießen worden sei, gehöre heute zu den Seltenheiten; es werde von Allen erstrebt, aber nur von den Lieblingen Gottes erreicht. Das Greisenthum, das nicht greisenhaft sei, das vielmehr Ehrfurcht und Bewunderung einflöße,, dieweil es als Verkörperung der Weisheit erscheine, könne nur auf dem Wege der Tugend erworben werdem Weit häufiger als die innere Kraft und Würde fehle uns äußere Unabhängigkeit, um unser Alter friedvoll und glücklich zu gestalten. Zu keiner Zeit seien jedoch so große Anstrengungengemacht worden zur Verbesserung der Erziehung wie jetzt und Religion und Sittlichkeit stehen überall im Vordergründe des Interesses. Nur die wenigsten Menschen brauchen auf eine Wüstenei zurückzublicken, die meisten hätten vielmehr neben trüben auch lichte Erinnerungen, die sich wie die Regenbogenfarben von dem dunklen Horizonte ihres Lebens abheben. Was sie aber gleichwohl mit tiefer Vesorgniß erfülle, das sei die Unsicherheit im Hinblick auf die Zukunft. Denn der Kampf ums Leben sei schwer geworden und die soziale Arbeit zur Entlastung der Schwächeren befinde sich noch in ihren Anfängen. Die äußeren Vorbedingungen eines fröhlichen Lebensabends sollen den Greisen und Greisinnen in dem . neuen Hause erfüllt werden, die Befreiung von der Sorge um die Nothdurft des Lebens sollen sie hier finden. Aber die innere Voraussetzung, oie Ruhe des Gewissens, die erst dem Abend des Lebens die sonnige Klarheit verleihe, sie. könne , der Greis nicht in der Anstalt erst suchen, sie müsse er selbst mitbringen. Die Aufnahme in das Haus sei nicht sowohl eine Versorgung,, sondern geradezu eine Auszeichnung für die Greise. Es liege darin ein Zeugniß, daß die Aufgenommenen in den Stürmen des Lebens sich wacker und treu gehalten, daß sie das Bewußtsein ihres inneren Werthes und die Achtung in den Augen der Mitmenschen niemals verloren hätten. Die Ehren, die dem Alter zukommen, werden den Insassen des neuen. Hauses nicht fehlen. Dafür sorge der Geist der Verwaltung, der' sich bereits in den früheren Anstalten zu ’::lv ' V-■ v einer lebendigen Tradition herausgebildet habe. Der Redner weihte alsdann die Anstalt im Namen der Religion, deren Frucht sie ist, mit denselben Worten, mit denen einst Mose das Heiligthum der Religion geweiht: „Möge die Huld des Ewigen, unseres Gottes, über uns walten, möge Er unserer Hände Wert fördern und durch Seinen Beistand festigen für und für!" Mit der > Ertheilung des Segensspruches und abermaligen Chorgesangs (Psalm 116) endete die würdige Feier, an die sich ein Rundgang durch die Anstalt anschloß.. In gesunder, freier Gegend, im höchsten Norden der Stadt gelegen, erhebt sich der zweistöckige, gefällige Rohziegelbau des Hauses, das die Inschrift trägt: „Gestiftet zum Andenken an David Pakscher von Frau Erna Pakscher." Im Souterrain befinden sich die Küche, deren praktische Einrichtungen das Herz jeder Hausfrau erfreuen würden, und die Schlafräume für das niedere Personal; im Parterre die Bureauräume und die Wohnung des Inspektors, während in den beiden oberen Etagen die Wohnräume der Insassen liegen. In der zweiten Etage befindet sich außerdem die. einfache, aber würdig ausgestattete Synagoge. In jeder Etage stehen den Einwohnern zwei geräumige, offene Veranden zur Verfügung, die einen weiten Blick über das zum Theil noch unbebaute Terrain dieser Gegend ermöglichen. Ein umfangreiches Gartenstück erstreckt sich zu beiden Seiten und zur Rückfront der Anstalt, das später zur Errichtung zweier seiilichen An- schlösse an den jetzt fertig stehenden Mittelbau bestimmt ist, welcher 55 Personen ein behagliches Unterkommen bietet. : Düsseldorf, im Sept. Nachdem unsere Gemeinde seit 15 Jahren sich mehr als um die doppelte Mitgliederzahl vergrößert hat und heute als die zweitgrößte Gemeinde in der Rheinprovinz aus ca. 600 Familien besteht, haben sich die Räume unserer alten Synagoge, welche an innerer Ausstattung und Bequemlichkeit viel zu wünschen übrig lassen, besonders an hohen Festen als unzulänglich erwiesen. Um nun den Hauptgottesdienst am Neujahrs- und Versöhnungsfeste vor UeberfülluNg zu schützen, hat die Gemeindeverwaltung seit 1893 einen Filialgottesdienst veranstaltet, der sich stets eines zahlreichen Besuches zu erfteuen hatte. In Erwägung aber, daß jedem Mitglieds unserer Gemeinde die Gelegenheit geboten werde, dem Hauptgottesdienste mit Predigt und Chorgesang beizuwohnen, und man Niemand von der Theilnahme. an demselben ausschließen dürfe, hat die Gemeindevertretung vor zwei Jahren einen Synagogen-Neubau beschlossen und zu diesem Zwecke ein Grundstück an der Kasernenstraße, in unmittelbarer Nähe der jetzigen Synagoge, vom Fiskus erworben, um ein, unserer herrlichen Kunststadt würdiges Gotteshaus zu errichten. Die Bauleitung desselben wurde, nachdem die in Folge eines Preisausschreibens eingereichten und theilweise prämiirten Plane

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