Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 77 (25.9.1902)
- Date
- 1902-09-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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ein* und trotzdem kam es in der Nacht von Freitag zu Samstag zu neuen Plünderungen der Kaufmannsläden der Israeliten. Das erschienene Militär war gezwungen, wieder einzuschreiten und feuerte eine Salve in den zusammengerotteten Volkshaufen, der nicht vom Platze weichen wollte. Mehrere Arbeiter und andere Anwesende würden verwundet, jedoch diesmal Niemand getödtet. Auch vor dem Denkmal Kaiser Alexanders IU., das an der Klosteranhöhe steht, sammelte sich eine größere Menge Pöbels in bedrohlicher Haltung an, so daß Kosaken unter der Drohung, sofort zu schießen, den Platz räumen mußten. En gl a n d. London, 23. Sept. Der Wiener Korrespondent der „Times" erfährt aus Bukarest, daß Rumänien mit Bezug auf weitere diplomatische Vorstellungen hinsichtlich der Judenfrage entschlossen sei. den Signatarmächten und der öffentlichen Meinung der ganzen zivilisirten Welt Trotz zu bieten, und es sei zu gewärtigen, daß es durch Fortsetzung der Verfolgung der Juden dieselben nöthigen werde, anderwärts ein Asyl zu suchen. Die „Times" weist auf die augenscheinlich sehr großen Schwierigkeiten hin, die Verpflichtungen, die der Berliner Vertrag Rumänien auferlege, geltend zu machen. Wenn der antisemitischen Gesetzgebung Rumäniens wirksame Schranken gezogen werden sollen, müßte dies höchst wahrscheinlich auf indirekte Weise geschehen. Rumänien sei nicht in einer so gedeihlichen Finanzlage, um straflos eine Nasse beleidigen zu können, die unter ihren Mitgliedern die leitenden Finanzmagnaten Europas zähle. - - . - . Rumanie n. . Bukarest, 23. Sept. Die hochoffiziöse „Jndependance Roumaine" fördert unter der unwahren Motivirung, daß das Gewerbegesetz keine in den anderen Gewerbgesetzen fehlende Bestimmung enthalte, die rumänische Presse zu einem energischen Protest gegen eine fremde Einmischung in die rumänische Gewerbegesetzgebung auf^ ' Personalien. Montabaur, 18. Sept. Am Sabbat Paraschath Schauftim starb dahier Frau Julie Schloß, die Gattin des Vorstehers Herrn G. Schloß, nach mehrmonatlichem, schmerzlichem Krankenlager, im Älter von 61 Jahren. Wenn irgend eine Frau es verdient, daß ihr im „Israelit" ein Nachruf gewidmet werde, so ist es.bei der'Dahingeschiedenen der Fall. -Sie war der Vesten und Edelsten eine, sie vereinigte in sich alle Tugenden einer Esches chajil. Wahre ungeheuch'elte Frömmigkeit. gepaart mit innigem Gottvertrauen, das sie in allen Lagen des Lebens aufrecht erhielt, bildeten die Grundzüge ihres Charakters; sie verstand es. ihr Haus durch aufrichtige Frömmigkeit, wahre Menschenfreundlichkeit. große Wohlthätigkeit, unbegrenzte Herzensgute .; ■ und Milde zu einem Tempel zu gestalten.' Ihrem Gatten war sie in dem 34jährigen Zusammenleben eine treue und liebevolle Gefährtin, ihren Kindern^ eine zärtliche Mutter, deren Erziehung und Wohl dre Ziele ihres unausgesetzten Denkens und Strebens waren. Daher ist die Trauer eine allgemeine, bei Juden und Christen. Was der tiefgebeugte Gatte, die Kinder, Geschwister und unsere Gemeinde verloren, das zu schildern, ist die Feder zu schwach, aber alle, alle, die sie gekannt, verlieren in ihr eine Freundin von höchstem Werthe, die ihr ganzes Glück darin fand, andere glücklich zu machen; denn wieviel Thränen hat sie getrocknet, wie viel Arme und Bedürftige unterstützt. Ihr Leichenbegängniß legte beredtes Zeugniß hiervon ab; aus Nah und Fern waren die Freunde herbeigeströmt, um ihr den letzten Tribut der Liebe und Freundschaft zu zollen. Herr Bezirks-Rabbiner Dr. Weingarten -Ems schilderte am-Grabe in tiefbewegten Worten die vielen guten Eigenschaften der Verstorbenen und gab dem großen Schmerz und der tiefen Trauer der Verwandten und Freunde um dieselbe gebührenden Ausdruck.' " ••••' Mögen sich die so schwer heimgesuchten Hinterbliebenen mit dem erhebenden Gedanken trösten, daß die nun Verklärte sich in dem Herzen Aller ein dauerndes Denkmal der Liebe gesetzt. ifnxin. , ' H. Wag schäl, Lehrer. ” . BrieMVen der Redaetton. . A. in M-: Ihr Eingesandt deckt sich mit unserer Redaktionsbemerkung im betreffenden Artikel; daher Weiteres zwecklos. M- Fr. in I.: Im Jahre 1907 E'EHp ND ntlN. L. B : 14. Januar 1845, gleich 6. Schebat 5605. — 14. Januar 1846, gleich 16. Tebet 5606. Bin B.: Sie fassen die Sache zu tragisch auf. Die Staatsbürger-Zeitung wird von vernünftigen Leuten nicht ernst genommen. In ihrer Nummer v. 21. d. M., Morgen- Ausgabe lehauptet u. A. dieses Blatt allen Ernstes die Rabbiner trieben in ihrer freien Zeit einen schwunghaften Handel mit alten Hosen, Hasenfellen rc. und darunter leide ihr Ansehen. Ein Blatt, das so was schreiben kann, wird selbst wohl von seinenr Schutzpatron und geistig so nahe stehenden Grafen Pückler nur als ein Witzblatt betrachtet werden. - Darmstadt. Einsender dieses, der wie schon oft, auch diese; Jahr Karlsbad besuchte, fühlt sich im Interesse, aller jüdischen Kurgäste verpflichtet, an dieser Stelle das dortige Hotel Pisk und Kirsch, Egerstraße, lobend zu erwähnen. v Das mit prachtvollen Speisesälcn und' komfortabler Einrichtung ausgestättcte Etabl ffcmcnt bietet nicht nur vorzügliche, reichliche Verpflegung zu civileu Preisen, sondern ist auch in ritueller Hinsicht vollkommen vertrauenswürdig und allen Ansprüchen genügend. Außerdem findet in der im Hause befindlichen Synagoge täglich zweimal Gottesdienst statt. Aus diesem Geunde kann dasselbe allen auf strenge nr>2D reflektirenden Kurgästen bestens empfohlen werden.