Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 77 (25.9.1902)
- Date
- 1902-09-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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43* JHrgiMg. « II AettusgsnachrLchLc» und Eorrespondeyrerr. Deutschlon d. Mainz, 23. Sept. (Die Vertheilung der Konfessionen in Rhe in Hessen.) Die letzte amtliche Statistik bringt genaues Zahlenmaterial aus jeder einzelnen Gemeinde über den Stand der Bevölkerung nach Konfessionen bei der Volkszählung am 1. Dezember 1900. Wir führen heute nur die einzelnen Kreise der Provinz Rheinhessen an. Die Provinz hatte 348,334 Einwohner, davon waren 164,627 evangelisch, 170,187 katholisch. 8601 israelitisch. 6019 freireligiös resp. andersgläubig. Bei den einzelnen Kreisen lauten die Zahlen in gleicher Reihenfolge: Mainz 138,360, 42,236, 91,560,3633 und 931; Alzey 39,745, 27,770, 9566, 973 und 1436; Bingen 40,457,15,015, 23,873, 1153 und 416; Oppenheim 46,379, 27,799, 17,229, 848 und 403; Worms 83,393, 61,707, 27,959, 1894 und 1833. — Vergleichsweise seien die Zahlen für ganz Hessen hinzugesügt: 1,119,893 Einwohner, davon 746,201 evangelisch, 341,480 katholisch, 24,486 israelitisch und 7726 andersgläubig. Berlin, 21. Sept. Wiederum konnte die hiesige jüdische Gemeinde einem neuen, großartig angelegten humantären Institut die Weihe geben lassen, nämlich der „dritten Altersversorgungsanstalt" in der Exerzierstraße. Zur Feier, die heute Mittag 12 Uhr in der festlich geschmückten Synagoge der Anstalt stattfand, hatte sich ein sehr zahlreiches, auserlesenes Publikum eingefunden. Als Deputirte des Magistrates tvaren die Herren Stadträthe Mielenz (als Vertreter des Oberbürgermeisters), Kalisch, Straßmann und Hübner anwesend, als. Deputirte der Stadtverordnetenversammlung die Herren Stadtverordneten-Vorsteher Langerhans, Vorsteher-Stellvertreter Michelet, Justizrath Cassel und Cremer. Der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde war fast vollzählig zur Stelle, ebenso erschienen in großer Zahl die Repräsentanten. Die übrigen Gemeindeinstitute hatten Abordnungen entsandt, insbesondere die beiden bereits bestehenden Alterversorgungsanstalten, deren Vorstände und Ehrendamen sich zahlreich zur Feier eingestellt hatten. Aus dem Ehrensitze, nahm die Gründerin des Hauses, Frau Erna Pakscher, welche, tvie wir s. Z. mittheilten, in hochherzigster Weise zur Errichtung des Baues 200,000 Mk. gestiftet hat. . Nach dem einleitenden Chorgesang: „Wie schön sind deine Zelte, Jakob", der.von dem Chor der Linden- straßesynägoge in bekannter Klangschönheit und ' mit vollendeter Präzision ausgeführt wurde, , begrüßte der Vorsteher der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr Julius. I a c o b y, die Erschienenen. Er wies an der.Ent-, Wickelung der Altersversorgungsanstalten, deren Anfänge bis in die Zeit des großen Kurfürsten zurückreichen, darauf hin, daß zu allen Zeiten bei dem größten - Theile der Glaubensgenossen gewissermaßen angeboren, z das ernste Pflichtgefühl bestanden hätte, den. Neben-? i menschen beizustehen, dem Armen zu helfen und den.'; Schwachen zu schützen. Die gesammten Kosten' zur i Errichtung der Anstalten sind durch freiwillige Beiträge aufgebracht, die Errichtung der zweiten Anstalt durch : eine ansehnliche Schenkung des Mannheimer'schen« Ehepaares ermöglicht worden. Beinahe dritthalb. hundert Personen sind in der ersten und zweiten Anstalt" untergebracht. Der Redner bankte alsdann vor allein^ der Kaiserin, die ein Geschenk von 2000 Mark über-r wiesen hat, dann den Behörden der Stadt, welche bekanntlich das Terrain schenkungsweise überließ, Herrn Moritz Manheimer, dessen Anregung und Be-, mühungen es gelang, das Grundstück der Gemeinde zu sichern und durch dessen Hilfe namhafte Beiträge dem neuen Institute zufloffen, und den vielen Stiftern,, welche durch Zuwendung von Beiträgen und. Haüsgegenständen sich verdient gemacht haben. Besonderen Dank sprach er der Gründerin der Anstalt, Frau. Pakscher, aus, die nunmehr die Stelle der Vorsitzenden der Ehrendamen des Instituts einnehmen - soll, und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß, wie in den beiden anderen Anstalten, auch in dieser neuen das gleiche Maß von Liebe und Theilnahme den Insassen entgegengebracht werden möge. , . Nach abermaligem Chorgesang bestieg Herr Rabbiner Dr. M a y b.a u m zur Weiherede die Kanzel. Er bezeichnete den Tag der Einweihung als einen, wahren Festtag, nicht nur. darin, weil in den Kranz der Wohlthäiigkeitsanstalten eine neue köstliche Blüthe eingefügt werde, sondern auch darin, weil die Glaubensgemeinde wiederum gezeigt hätte, daß in ihrer Mitte . Religion und Humanität auf's Innigste verknüpft seien und Gottesverehrung und werkthätige Liebe die gleiche Pflege und Sorgfalt genieße. Es sei überaus bezeichnend für den Geist, der sich ln der hiesigen Gemeinde, kund gebe, daß die Verwaltung derselben, welche.jetzt, dem hilflosen Greisenalter ein neues Obdach'eröffne, .demnächst eine neue Mädchenschule in Angriff nehme - und die Errichtung eines neuen Gotteshauses im Nor-, den der Stadt bereits in die Wege geleitet habe. Hierin liege einerseits ein Zeugniß für die umfassende Fürsorge, welche den Aufgaben der Werktätigen Liebe gewidmet werde und welche, wie dem Alter, so .auch der