Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 77 (25.9.1902)
- Date
- 1902-09-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1624 Kreise jener Männer an, die sich schon früh um Ernst Keil, den Herausgeber der »Gartenlaube", schaarten und letzterer durch ihre litterarische Mitarbeit erfolgreich dienten. Als Ernst Keil im Jahre 3865 das Beiblatt zur »Gartenlaube", die »Deutschen Blätter", nach der Redaktion Berthold Auerbach, in andere Hände legte, gewann er für deren Fortführung in Dr. Albert Fränkel einen ihm längst befreundeten bewährten Schriftsteller, der auch an der Redaktion des Hauptblattes theilnahm, und der bis an Keills Lebensende als Mitarbeiter ihm zur Seite stand. Gemeinsam mit Ernst Keil und seinem in Berlin lebenden Freunde Otto Ruppius bekämpfte er in novellistischen Skizzen soziale Mißbräuche und Mißstände. Rach Keil's Tode war für eine würdige Weiterführung der »Gartenlaube" durch fremde Hand Sorge getragen worden, wobei die alten Mitarbeiter des Verstorbenen in der Redaktion, Dr. Hofmann und Dr. Fränkel, derselben erhalten blieben. Hier hat Dr. Fränkel auch weiter seine litterarische Kraft bewährt und dem Weltblatt treu mit seiner Feder gedient. Er war Einer, der die Epochen der Censur und des Aufschwunges der „Gartenlaube" erlebt und der auch für seinen Theil seiner Zeit dazu beigetragen, ihr Ansehen zu erhöhen." Engla n b.v London, im Sept. (FremdenvertheidigungS - Komite e.) Bor einigen Tagen hat sich hier ein „Fremdenvertheidigungs-Komitee" gebildet) das sich die Aufgabe stellt, Dokumente und Aussagen zu sammeln, die gegen eine Einschränkung der Einwanderung sprechen. In der konstituirenden Sitzung haben Redner aus verschiedenen großen Städten des Königsreichs der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß Männer von angesehenem Namen und in hohen Stellungen sich -ihren Bestrebungen anschließen werden, und daß die in allen Theilen des Landes zum Schutz der Fremden sich bildenden Vereinigungen sich mit dem neuen Komitee zu einem großen Verein verbinden. Zu einer demnächst abzuhaltenden öffentlichen Versammlung werden die Vorstände von Wohlfahrtsvereinen Einladungen erhalten. Auch in Birmingham hat eine Versammlung von Mitgliedern jüdischer Wohlthätigkeits- und geselliger Vereine stattgefunden, die gegen die vor der Einwanderungskommission deponirten judenfeindlichen Aussagen protestiren wollten. . Amerika. Nelv«Aork, 22. Sept. lieber »Brutalität der New-Aorker Polizei gegen die Juden" schreibt der New-Aorker Korrespondent des »Dailp Telegraph": »Der Bericht des Komitees, welches der Bürgermeister von New-Iork, Mr. Low, zur Untersuchung des Aufruhrs beim Begräbniß des Rabbiners Joseph einsetzte, bedeutet eine Anklage des Polizeidepartements von oben bis unten. Er entlastet die jüdischen Leidtragenden und macht die Angestellten der Fabrik Hoe in erster Linie für die Unruhen veranwortlich. Er führt aus, daß die Polizei lange Zeit brutal gegen die Hebräer der Ostseite gehandelt hat, und daß bei dem Begräbniß die Leidtragenden - und die Zuschauer mit sichtlicher Unhöflichkeit und Barschheit behandelt wurden. Da der Bericht von einem unparteiischen Komitee von Bürgern kommt, die der Bürgermeister ausgewählt hat, so bildet er die bedeutsamste Anklage der Polizeiverwaliung, seitdem Mr. Low vor neun Monaten fein Amt übernahm, um das Departement zu reformiren." Pal äst i n a. Jerusalem, im Elul. In diesem Monate gehen sicher Hunderttausende von jüdischen Kalendern aus der heiligen Stadt in alle Länder der jüdischen Diaspora. Dieselben bringen in mehr oder weniger künstlerisch ausgestatteter Form, in gereimter und ungereimter Sprache die Glück- und Segenswünsche der Absender allen jüdischen Zerstreuten auf dem weiten Erdenrunde. Der erste, der vor einigen und zwanzig Jahren die ersten jüdischen Kalender von hier nach dem Auslande geschickt hat, ist der greise jüdische Gelehrte Rabbi David Cohn W i. l n e r in Jerusalem. Der geniale Greis hatte wohl selbst damals keine Ahnung, wie er mit dieser Neuerung Schule machen werde. . Heuer ist er der erste, der seine Kalender nicht mehr als Dveni' mb sondern als wst mb erscheinen läßt; eine Neuerung, die wohl auch bald Nachahmer finden dürfte. An zionistischen Kalendern ist nun allerdings kein Mangel. Aber der in Rede stehende hat mit dem Zionismus nichts zu thun. Der Verfasser gehört zu den Zionisten alten Schlages, die ihren Zionismus nicht durch Schekel und Kongresse bekunden, sondern dadurch, daß sie täglich dreimal jvsb "pTO! rumm beten, und an den Tempeltrümmern, ihr gepreßtes Herz ausweinen. r? ' ’ Die Eigenart dieses Kalenders besteht wie bisher, so auch dieses Jahr darin, daß der- Verfasser mit einer genialen Virtuosität alle Stellen aus -pn zusammengestellt hat, welche die laufende Jahreszahl, also dieses-, mal rorepräsentiren. Das M mb enthält v'viv treffendster Art . für alle Fälle und Lagen des Lebens und wird deßhalb alljährlich von seinen alten Bekannten sehnsüchtig erwartet. : Mögen diese Zeilen dazu beitragen, der hochinteressanten Kalenderausgabe auch weitere Kreise zu erschließen. Der Kalender ist unter der oben angegebenen Adresse des Verfassers direkt von diesem zu beziehen. .Der Preis bleibt dem Wohlthätigkeitssinn jedes Einzelnen überlassen. Von dem Ertrage erhält der kranke, gebrechliche Verfasser sich und seine zahlreiche Familie, so daß Jeder außer dem litterarischen Genuß, den die Lektüre des Kalenders gewährt, auch noch das herzerhebende Bewußtsein haben darf, einem überaus würdigen, armen Familienvater in Jerusalem den harten Kampf um's Dasein gemildert zu haben. , -