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Der Israelit · 1902-09-25 · Heft 77 (25.9.1902) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 77 (25.9.1902)
Date
1902-09-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1623 schen Juden ein Reziprozitätsnachweis nicht verlangt werde. Wenn nun die von der britischen Regierung unterstützte Note der Vereinigten Staaten geltend macht, daß die Tendenzen der rumänischen Regierung trotz alledem judenfeindliche seien, so bleibt es die Sache Rumäniens, darzuthun, was dort bisher zur ' Verwirklichung der Gleichstellung aller Konfessionen, wie der Berliner Vertrag und die rumänische Verfassung sie der Regierung des Königsreichs vorschreibt, thatsächlich geschehen ist. Esist selbstverständlich, daß ' die 400,000 halbasiatischen Juden, deren Gleichstellung Rumänien zu bewirken hat, mit den Staatsbürgern jüdischer Konfesiion in den alten Kulturstaaten nicht verglichen werden können. Die Affimilirung derselben mag unter allen Umständen eine geraume Zeit in Anspruch nehmen; aber sie" muß erfolgen; einen andere» Ausweg gibt es nicht. Berlin, 23. Sept. Die amerikanische Note wegen der Behandlung der Juden in Rumänien war in der deutschen Presse vielfach als eine unzulässige Einmischung in europäische Angelegenheiten bezeichnet worden, weil die Vereinigten Staaten nicht zu den Unterzeichnern des Berliner Vertrages gehörten. Diesem Einwande tritt die amerikanische Presse allerdings entgegen. Dennoch hat man in Amerika keine großen Hoffnungen auf den Erfolg der Hay'schen Note. Von einem Newyorker Korrespondenten erhält das „B. T." folgendes Privat-Kabeltelegramm via Azoren-Emden: „Zu der Note des Staatssekretärs Hay an die am Berliner Vertrage betheiligten Mächte betreffend Rumänien, welche bisher von der amerikanischen Presse wohlmeinend beurtheilt wurde, aber keinen Staub äufwirbelte, nimmt die „Eoening Post" eingehend das Wort und führt aus; von der allgemeinen Anerkennung der Humanitären Motive, welche die Note in England, Frankreich und Deutschland gefunden habe, dürfe so wenig auf Erfolg geschlossen werden, wie aus dem Toben des Antisemitismus auf Mißerfolg. Hay habe in seiner Diplomtie sich von vornherein der Gefahr einer kurzen Abweisung deßhalb, weil Amerika nicht zu den Signatarmächten gehöre, dadurch entzogen, daß er sich die Unterstützung Englands im Voraus sicherte, so daß die Signatarmachte die Sache nicht mit einer kurzen Erwiederung erledigen konnten. Doch sei damit die Frage der Berechtigung zu einem so außerordentlichen, noch nie dagewefenen Vorgehen, wie es Hay gewählt habe, noch nicht abgethan. Es frage sich erstens, ob Amerika ein Klagerecht habe. Das sei mehr als zweifelhaft. Denn es halte sich die Paupereinwanderung durch Gesetze vom Leibe, habe das mit den rumänischen Pauperjuden gethan und könne es auch ferner thun. Zweitens sei es sehr fraglich, ob der Berliner Vertrag noch de facto rechtskräftig sei. Rumänien sei heute eine ganz andere- Macht als 1878. Es spiele heute eine bedeutendere Rolle. Darum sei es sicher, daß die Dreibundmächte keine für Rumänien ungünstige Antwort geben, daß Rußland gleichfalls nichts gegen Rumänien thun. daß der Appell an den Berliner Vertrag höflich würde., abgewiesen werden, und daß die Stimmen Englands, und Amerikas in der Wüste verhallen würden, .vor der Lächerlichkeit nur dadurch, bewahrt, daß der Appell den Ton der Menschlichkeit Hatte, obwohl, die nächste eng-- lische Strafexpedition oder die nächste Negerentrechtung., in Amerika zeigen würde, was von englischer und ame-- rikanischer Menschlichkeit zu halten sei. So sehe man. die sensationelle Note in Europa an. In Amerika fiy r kenne man Hay's menschliche Motive an, hoffe aber, daß. die Antwort höflich genug ausfallen werde, um es in - Zukunft amerikanischen Staatsmännern leichter zu machen, die Mächte im Interesse unterdrückter Rassen ■ bei den Ohren zu nehmen.. Man könne Hay aber nicht dazu gratuliren, daß er Amerika aus geringem Anlaß, in die europäische Politik stürze.und Amerika her Möglichkeit einer Abweisungaussehe." Wir vermögen, bemerkt dazu das „B.. T?, diese - pessimistische Auffassung der „Evening Post" durchaus, nicht zu theilen. Wir meinen vielmehr, daßdieameri-- konische Regierung eine.solche Aktion nicht init, einem; solchen Pathos gerechter Entrüstung in Szene gesetzt^ haben würde, wenn sie nicht entschlossen wäre.diesel.ye; auch mit aller Entschiedenheit durchzuführen. Daß die Sache wie das Hornberger'Schießen verlapfen, sollte, ist also eine Annahme, die vorläufig noch durch nichts begründet ist. ' . - ZermngsKachrichLe« und Csrre-Ksttdenren. Deüt'schland^ Dessau, im Sept. Am 6. dss. Mts. verschied in Leipzig im fast vollendeten 82. Lebensjahre der in den weitesten Kreisen bekannte Schriftsteller Dr. Albert F r ä n k e l, ein direkter Nachkomme: des rr'y> (Man vergl. die Stammtafel in. Freudenthal's Werk: ,,Aus der Heimath Mendelssohn's.") Auf dem Fried-' Hofe der hiesigen Gemeinde, an der Seite der Gräbers seiner berühmten Ahnen, fand auch er seine letzte Ruhe-, statte. Der Heimgegangene, ein Sohn des Schuldirek-. tors Dr. David Frankel, hatte in seinem inhaltreichen; Leben oft Gelegenheit, für Judenthum und Juden einzutreten. Es muß dieses Wirken, für seine Glaubensbrüder berufener Feder Vorbehalten sein, es gebührend zu würdigen. Nie vergaß es Dr. Albert Frankel, daß. er mp» y?:o mann, gewesen, und seine Vorfahren,- nachdem sie aus Wien vertrieben, im Jahre 1672 Sie jüdische Gemeinde in Berlin gegründet. Üeber die. litterarische Bedeutung Fränkel's schreibt das „Leipziger Tageblatt": . ..Hochbetagt, im Alter von 82 Jahren,'entschlief am Samstag, 6. d. Mts., Herr Dr. Albert Frankes, ein ehrwürdiger Veteran der Schriftstellerwelt, dessen. Namen auf's engste mit der „Gartenlaube" verbunden ist. Der Heimgegangene gehörte lange' Jahre dem

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