Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 77 (25.9.1902)
- Date
- 1902-09-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1625 K> u r L l e t o n ^Miedergefunden. ■gtoDeCCe von ptuxlf MltMSNN, Rabbinals^Nandidal in Dperjes. „Na, ich habe heute auch Pech mit der Reise," sagte der junge Dr. Adomoviks verdrießlich und wischte sich den Schweiß von der Stirne, indem ihn der Condukteur - förmlich in's Coupee schob. Er hätte nämlich fast den Zug nach W., wo er dringend zu thun hatte, versämnt, und trotzdem er ihn noch erreicht hatte, verdroß es ihn aber, daß er sich nun, den Umständen fügend, in einem vielleicht allzu überfüllten Waggon unterbringen lassen mußte. Er athinete aber erleichtert auf, als ihm der Schaffner versicherte, daß nach rechts im Coupee sich ein Kabinet befände, das blos zwei Damen inne hätten. Es war auch so. doch mit dem enttäuschenden Um- - stände, daß die zwei Damen Nonnen waren, Grund genug, um auch darüber sein heutiges Reisevech zu verwünschen. Denn wenn auch der junge Doktor ein wenig gesellschafisscheuer Natur und überhaupt Damen gegenüber ziemlich zurückhaltend zu sein Pflegte, besaß er doch jene Nuance jugendlicher Eitelkeit, die einem hübschen jungen Manne Damengcsellschaft so interessant macht. Und hübsch durfte man ihn mit Recht nennen im Besitze seines edelgeschnittenen Gesichts, seines schwarzen, wohlgepflegten Vollbartes und seiner schlanken, tadellosen Gestalt. Wenn ihm auch Abenteuer zu suchen bei weitem nicht in Sinn kam, da er dazu ganz und gar nicht geeigenschaftet war. war es doch kein Wunder, daß er ob seiner Reisegefährtinnen ein bitterböses Gesicht schnitt. Denn, mit Nonnen eine mehrstündige Reise zurucklegen zu müssen, war doch nichts weniger als amüsant. . Die beiden Kirchenschwestern saßen, die Gebetbücher in Händen und lasen eifrig und mit frommer. Miene während Adamoviks eintrat, mit höflichem Gruß ihnen gegenüber Platz nahm und auch seinerseits sich in die Lektüre einer Zeitung vertiefen wollte. Doch das wollte ihm nicht ganz gut geben. Der Erwiederungsgruß einer der Nonnen hatte ihn in Verwirrung gebracht; denn es war ihm nicht entgangen, daß er da eine Frauengestalt von gar seltener Schön-, heit, in einem allerdings unpassenden Gewände, vor sich hatte.' - ' Als sie ihre gluthschwarzen Augen .vom Buche erhob und sie ihm zuwandte, war es ihm, als würde schwärmerische Lebenslust sehnsuchtsvoll aus ihnen sprühen. Es schien ihm, als hätte bic tobte Klosterhand es nicht vermocht, die lodernde Mädchenseele in ihr zu ersticken. Ist der Entsagungsberuf ihr keine Zwangmission? — -— Möchte sie nicht lieber dem Lebe angehoren? — — Er wollte sie so . gerne fragen, sie s gerne sprechen. Doch wie? — —7 7; 7■% v; ~ V X Nach einer Weile bemerkte er, daß die ältere, üri verkennbar viel frömmere Nonne eingenickt sei und bi andere mit dem zugeschlagenen Buche gedankenvoll, de schönen Kopf in die Hand gestützt, da. saß und . in' Leere blickte. . : ' 7 . v , Jetzt wäre der Moment, ein Gespräch anzü knüpfen. Er suchte einen Vorwayd. Der Zufall kar ihm zu Hülfe: sie stieß einen tiefen Seufzer aus.—- „Werden Sie es mir gütigst verzeihen, lieb Schwester," brachte er mit theilnahmsvoller Miene her vor, „wenn ich Sie mit der besten Absicht um Jhrei Kummer befrage?" , ",7 „O, danke! Sie sind sehr gütig, mein Herr, stammelte sie sichtlich verlegen mit erzwungenem Gleich muth. „Es ist nichts Außergewöhnliches." ' ~ „Ich meinte nur," that er nicht minder verlegen ein wenig zudringliche um den einmal erfaßten Fade> nicht loszulaffen, „ob nicht etwa weil — — wei Sie so schön . ....»*• 777-77: 7; 7, .‘ 7:'/. Sie machte eine erschrockene, abwebrende Geberd und wies bittenden Blickes auf die schlafende Käme radin. — V- „Vergebung!" bat er. „Ich wollte und .macht nur Ihnen behilflich sein, die Langeweile der Reis todtzuschlagen. Wenn ich jedoch lästig „Doch nicht!" versicherte sie ihn unterbrechend „Aber . .7 .;;;.7.. -,;7 7/ 7 „Dann will ich mich auf die bloße Frage. be schränken: wohin wohl die Schwestern fahren?" . \7 „Wir kommen von V.. wo wir Almosen sammelr waren, und fahren nun heim nach W.," erwiederte sn trocken. 77 >7'^' 77- 7 .. „Ah!" sagte er lebhaft. „Dahin fahre ja auch ich Die Schwestern gehören da wahrscheinlich dem St. Maria-Kloster an?" 7 . .. . ... . ... Sie nickte nur gleichgiltig..'7 .... , 7 .7:,.:..;.. „Na freilich, stimmt, schon recht! Sie waren mir ja gleich so bekannt. Muß Sie wohl in W. schon oft gesehen , haben," setzte er mit gesteigerter Lebhaftigkeit hinzu.' „Wie lange gehören Sie, ich bitte, dem heiligen Verbände an?" forschte er weiter7>7 - 7 7^77 Jetzt wurde auch sie lebhafter, interessanter. Diese Frage ging sie wohl tiefer am - : „Ich weiß es leider nicht," war ihre.' Antwort.'7 „Wie? Sie wissen es selbst nicht?" sagte^er verwundert. - ' . ''^- '',.--7.7' „Nein!" erwiederte sie. „Ich ging nicht selbst/- ich weiß überhaupt nicht, wie ich in's Kloster kam," ... i- Sie seufzte wieder. ' 7717 7 „Also doch richtig combinirt." - stieß er fast unwillkürlich aus und wollte weiter fragen. Sie aber hatte miteinem Male Vertrauen zu shm gefaßt und kam ihm zuvor: ' ''' '