Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 76 (22.9.1902)
- Date
- 1902-09-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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■ -r< 1610 Also das jst der Erfolg Deines langjährigen Studiums, daß Du mit Bedauern und mitleidigem Lächeln . auf . jene hinblickst, die den Tod für all die „Stuß" erduldeten!? Ach wie glücklich waren doch unsere Ahnen, trotz ihrer Unbildung und wie groß im Vergleich'zu Eurer vermeintlichen Größe. Meiner Pflicht, den Nebenmenschen zurechtzuweisen, habe ich genügt, thue nun, was Du nicht'lassen kannst. Deinetwegen möchte ich Dir wünschen, Du möchtest einst darauf hingewiesen werden auf den Weg der Pflicht, dem Du heute so schnöde und feindlich den Rücken kehrst, und sei es selbst durch Gottes strafende und gerade deßhalb liebende Hand. Wisse es denn, daß es nie zu spät ist zur Rückkehr zu Gott und daß er jederzeit reuige Sünder gerne bei sich aufnimmt. Ich bin ein alter, gebrechlicher Mann, am Rande des Grabes stehend. Du, ein Jüngling in der Fülle der Kraft, es ist wahrscheinlich das letzte Lebewohl, das ich Dir hiermit sage." Jahre sind seitdem verflossen, längst deckt das Grab die Hülle des alten Seelig. Wir befinden uns in einer Versammlung der Stadt B. Hoch waren heute Abend hier die Fluthen des verkappten Antisemitismus gestiegen, ja, es blieb kein Zweifel mehr, man wollte keine Juden in Ehrenämtern-haben; der Jude durste nicht alle Stufen des menschlichen, Könnens erklimmen. Ein unerbittliches-, „Halt" rufen ihm die Gebildeten des 20. Jahrhunderts entgegen. Selbst der Versammlung war das Gehörte ein bischen zu stark gewesen und ein Murren des Mißfallens konnte man von mancher Seite hören. . Da ertönten die.Worte von den Lippen des Referenten: „Was ereifert Ihr Euch denn für die Juden so. wo doch die Juden selbst sich zumeist nicht nur passiv verhalten, sondern sich in den meisten. Fällen noch bemühen, nicht als Juden zu erscheinen!? Wer kann es uns übel nehmen, daß wir sie.nicht dulden wollen, wo; sie sich selbst so verächtlich Vorkommen?" Reicher Beifall lohnte den Redner für die geistreiche , J Bemerkung, nicht endenwollendes Klatschen zeigte ihm, -A daß er den Meisten aus der Seele gesprochen. ) Endlich wird es wieder stille. Ob sich wohl Je- . . / mand finden wird, der es hier wagt, das Wort für die Juden zu ergreifen? Da plötzlich ertönt die Glocke des Vorsitzenden. Ein Herr Dr. Bernhard L.', Rechtsanwalt, hat sich zum Wort gemeldet. Erst leise, ganz leise ~ kommt eS von seinen Lippen. Ein Sündenbekenntniß ist es, das er der Versammlung ablegt^ s Er erzählt ihr von seiner Jugend, von feinen : Eltern, von deren Glaubenstreue und seinem eigenen Abfall, bis er schließlich mit kräftiger, erhobener j Stimme schließt mit dem Bedauern, selbst seinem ) Glauben fahnenflüchtig.geworden zu sein. „Leider I kann ich Ihnen nicht unrecht geben, wenn Sie bebaupi ten, daß in gewissen Kreisen des Judenthums die j größte Gleichgiltigkeit gegen' das Judenthum,- ja die i größte Furcht herrscht, als Jude zu erscheinen. Auch ä ich habe leider bis jetzt zu diesen Verblendeten gehört ] und ich danke Ihnen, meine Herren, dafür, daß Sie < mein religiöses Pflichtgefühl in mir erweckt haben, i Allein der Glaube an Gott macht uns stark und fest, J denn er ist uns eine Stütze, wenn und wo man uns ( feindlich entgegentritt. Ich kehre von heute ab zur Fahne meines Glaubens zurück, mit dem Bewußtsein, daß man auch von Antisemiten etwas lernen kann." . Freitag, 26. September, 24. Elul. - Sabbat-Anfang in Mainz und Frankfurt a. M. 5 Uhr 45 Min. Samstag, 27. September, 25. Elul. *]b'Y D'”S3 ■ Sabbat-Ausgang in Mainz und Frankfurt am Main 7 Uhr — Min. — Berlin 6 Uhr 53 Mim — München 6 Uhr 42 Min. — Hannover 0 Uhr 49 Min. — Stuttgart 6 Uhr 52 Min. — Prag 6 Uhr 30 Min. — Stratzburg 6 Uhr 55 Min. — Posen 6 Uhr 26 Mim — Stettin 6 Uhr 34 Mim Sonntag. 28. September. 26. Elul. nw*)D*? Montag, 29. September. 27. Elnl. v'N v'S rvajfrt : Der „Israelit" erscheint rrLskLssEGLt SMÄ DvQLlSL'sLer§s, jedesmal i« ' mindestens zwei Vagem Preis pro Vierteljahr bei der Post S Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich «der vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — 0er Vuchhsudrl verkehr! durch 0. W. Sleiuackrr. Deivslg, Noßplah sS. — Inserate 25 Pfennig die vieraespaltene Nonyareiuezeüs oder deren Raum. Preis der Zelle im Reelsmetheck 75 Pfennig. — Direete Freneorusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich .14 Reichs-Mark oder 18 Kronen österr.. für'S Ausland 18 Mark, an die . Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3792. Telephon 1015. S»ellefuchende and.sonstige Interessenten können aus Wunsch die jede» Dienstag und Freitag erscheinende „Kleins AuSgabe tzeS Israelit" vier Wochen lang granS und .franco erhalten. Wünscht mau den Empfang der „kleinen Ausgabe" längere Zeit, jo kann man sich für SS Pfennige daS Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post, auf dieselbe unter Nr. 3792 a abonniren. Auf Wunsch stunden wir die Zahlung deS InferttouSbetragS an svßer Stelle Befindliche bi4 nach Erlangung einer solches. .. Znhalt: IHauptblatt): Die Action der Vereinigten Staaten Amerika's zu Guuften der rumänischen Juden. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Breslau. Bonn. Düsseldorf. Dessau. Kivpenheim. Oesterreich: Wien. Lemberg. Schweiz: Basel. Amerika: New-Aork. — Feuilleton: Erwachtes Gewissem r . Lnhalt der Verlags Zeltilngsstimmen über die. Actio,i Amerika'sju Gunsten der rumänischen Juden — Personalien — Vermischtes. . ■ « ^L^^^agen: »Sprüche der Mter". — Register der. rituellen Spessehäuser und Hotel-Restaurants des „Vereins zur Förderung ritueller Speisehauser* (Sitz Hamburg). ' - . 3 * Verantwortliche Redaktion: OScar Lehmann in Mainz. — Expürltion des ^Israelit". Schottstraße Nr. L Mainz. Druck und Verlag d» Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei Actien-Sesellschast in Mainz. . '