Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 76 (22.9.1902)
- Date
- 1902-09-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1609 Es sei noch bemerkt, daß von den ca. 300 schulpflichtigen israelitischen Kindern weit mehr als 200 am Sabbat nicht schreiben. . V ' ' A in t ri ia, Ncwyork, 16. Sept. (N a t i o n a l e O r g a - nisatiön der orthodoxen Hkabbiner.) Unter diesem Titel berichtet die angesehene, christliche Zeitschrift, der „Outlook", Folgendes: „Im Gegensatz zur Beständigkeit der jüdischen Gebräuche, ist die kirchliche Organisation, seit dem Auf- Horen der Priesterherrschaft und des Opfersystems, eine sehr lose geworden.*) Obgleich die Praxis der Rabbiner der der christlichen Geistlichen entspricht, sind ihre Vermögensverhältniffe nicht gleich und' fest' sondern je nach der Stellung verschieden: In Folge dessen nahmen in jüdischen Gemeinden Leute die Rabbinerstelle als anerkannte, vollendete Rabbiner ein, die nur eine oberflächliche Bekanntschaft' der rabbinischen Pflichten hatten. Um dieser Erniedrigung des Rabbinerstandes vorzubeugen, bildete sich hierzulande eine Gesellschaft, die sich «Vereinigung orthodoxer Rabbiner" nennt. Bevor man in. diese Gesellschaft ausgenommen wird, welche aus anerkannten orthodoxen Rabbinern Amerikas gebildet ist, wird man auf seine Würdigkeit hin geprüft. Die Autorität dieser Körperschaft ist jedoch nicht geistlichen Charakters. Sie bleibt ganz auf deni Standpunkt orthodoxer Juden und nimmt in jeder Hinsicht die Entscheidung ihrer religiösen. Kapazitäten an, wie die christliche Staatskirche die .Konzilentscheidungen annimmt. Wenn eine Gemeinde' einen nicht durch den Verband beglaubigten Mann zum Rabbiner nimmt, so werden dessen Amtshandlungen für null und nichtig erklärt. Auf diese Weise werden die Gemeinden die von der Kommission Vorgeschlagenen wählen; und es wird dem Treiben der Pseudo-Rabbiner ein Ende gemacht. Nach, den Erfahrungen der Leiter der orthodoxen Juden, halten sie es für sicher, daß in Folge dessen nur solche Leute als Rabbiner gewählt werden,- die von den vereinigten orthodoxen Rabbinern anerkannt sind. Diese Organisation steht nicht einzig da, ähnliche sind in Rußland und Deutschland; in ersterem existirt. nach der „Daily News", schon seit hundert Jahren eine ähnliche Organisation. Jedenfalls zeigt es einen interessanten Grad der Entwickelung der orthodoxen Judenheit Amerika's, die eine größere kirchliche Festigkeit haben will." ...... , I Anmerkung der Redaktion des Israelit: Die fehlende^ Ocgamsanon. beruht in der Zerstreuung des jüdischen Volkes über alle Theile der Erde und die dadurch entstandene Berschledenycit der Anschauung. Mit dem fallen des Pricsterthums u?d Opferdienstes steht ste. nur sorern in-Verbindung als durch die sannnenhalt-Was uns organisirt. ist der Geist, das Gesetz. w,e es M.der geschriebenen und mündlich überlieserten. im Talmud codificirten Tboca. niedergelegt ist. - Eine jede Organisation orthodoxcr Rabbiner nt daher freudig zu begrüben. - ■ vbvb rwui cr6 nru c’pnx!? wra . Ne«rrrets«. /, Erwachtes Gewissem Es regnete in Strömen, die Straßen'waren' dem-: entsprechend auch wie ausgestörben. Jeder war froh^ im Kreise seiner Lieben, hinter dem warmen Ofen,' gemüthlich plaudernd, - sitzen zu können, während dch draußen die Elemente tobten. :/V': Es war eine wilde Oktobernächt, ein Mtter, bei welchem man „einen Hund nicht vor die Thü.re lassen möchte." ' v; Und doch waren zwei Personen auf derStraße,/ die gestikulirend auf einander einredeten, nicht achtend des kalten Elementes, das ihre Kleider bis auf den/ letzten Faden durchnäßte.-. > " Bittend und flehend klingt die Stimme eines alten: Mannes, während ein junger Mann mürrisch weg-' werfend zu antworten schien. - & „Herr Seelig, Sie können sich die Heh und Wof ersparen bei mir, so heißt es doch, ich habe meinen festen Standpunkt und davon gehe ich nicht ab. Glauben Sie mir nur, nicht von gestern auf heute bin ich zu dieser Ansicht gekommen. Sie ist die Frücht reiflichen- Ueberlegens. Wir sind nun einmal nicht mehr so genügsam, wie unsere Väter wären; andere Verhältnisse sind es heute, wie ehemals, andere Forderungen werden an uns gestellt und wir selbst stellen auch, an-, dere Forderungen an's Leben. Wenn ich nur allein daran denke, .wie kümmerlich mein Vater sich und die/ Seinen ernährte, trotz seines immensen Fleißes, vieler/ Mühe und Last'. Ja, wie oft mußte er, nach seinen eigenen Worten, noch Hohn und Spott erdulden. Wie gesagt, die Zeiten haben sich geändert, für mich, wie für?, so viele Andere ist das starre Festhalten an todten Buchstaben ein längst überwundener Standpunkte Ja, ich bin der festen Ueberzeugung, daß .die Zeit nicht allzu- ' fern sein wird, wo sich diese Ansicht verallgemeinert und der Jude sich soweit gehoben hat, daß ec sich unter die anderen Konfessionen mischen kann und aufgehen wird." ■ - /. / •.......y -v/;.... „Allerdings Bernhard, wenn Du es sowest. ge-.- bracht, dann wird alles vergebens sein..' Wenn Du alles das mit Füßen trittst.' was Deinen Eltern und ' Urahnen theuer bis auf's Blut gewesen, .und wofür sie gerne Mühe Und Spott, und wenn es nöthig um, selbst, den Tod erlitten, dann wäre es schade für'die Zeit, .die ' ich ferner darauf verwende, Dich eines Besseren zu belehren. Es ahnte mir schon lange, daß Du auf ab-/ schüssigen Wegen wandelst und'wäre/Dein Vater nicht , so schwer krank darnieder gelegen, ich hätte ihm die Äugen über Dein heuchlerisches Thun längst geöffnet.