Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 76 (22.9.1902)
- Date
- 1902-09-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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dem dieses Jahr den Söhnen „Kippenheims" errichteten Kriegerdenkmal prangt, wo er sich doch für ewige Zeiten in jüdischer. Gesellschaft befindet. Der Herr Oberförster mag sonst denken und sprechen und sich wohl fühlen wo und wie ihm beliebt, daran stößt sich Niemand, daß er aber einen solch' patriotischen Anlaß dazu benützt, seine Denkungsart zu dokumentiren, muß doch zu Consequenzen führen, die dem Herrn,unangenehm werden dürften. Man ist hier gewohnt, in Frieden neben einander zu wohnen und findet es unbegreiflich, wie sich dieser Herr zu einer solch' beleidigenden Aeußerung, wozu er durchaus keinen Anlaß hat, hinreißen lassen konnte.; ' O esterr e i ch. . Wien, 20. Sept. Ueber das voraussichtliche Verhalten unseres Auswärtigen Amtes und der übrigen Signatarmächte gegenüber der amerikanischen Note wegen der rumänischen Judenverfolgung wird von unterrichteter Seite mitgetheilt: Oesterreich-Ungarn werde mit den übrigen Berliner Vertragsmächten .Fühlung nehmen, um ein gemeinsames Vorgehen zu veranlassen. Zunächst werde wohl an die rumänische Regierung herangetreten werden, um von ihr nähere Auskunft über ihr Verhalten zu den Fremden und insbesondere darüber zu erlangen, was sie zur Durchführung des Artikels 44 des Berliner Vertrages' gethan hat.' Dementsprechend werde dann eine voraussichtlich identische Antwort der Signatarmächte auf die amerikanische Note erfolgen. In dieser dürfte darauf hingewiesen werden, daß die Vereinigten Staaten von Nordamerika, da sie nicht zu den Unterzeichnern des Berliner Vertrages ge- / hören, nicht legitimirt seien, eine Entscheidung oder ein. Vorgehen in der Frage der Fremdenbehandlung in Rumänien zu fordern. Dagegen würde in Allem, was die amerikanische Note im Namen der Humanität und Civilisation -vorträgt, die Antwort der Vertragsmächte nicht verfehlen, sich den Anschauungen und Ausführungen der Washingtoner Note zu konformiren. . Wien, 16. Sept. Am 42. d. Mts. wurde hier der Korrespondent einer Berliner Zeitung, Boeckler, früher Redakteur der Berliner „Staatsbürger-Zeitung", verhaftet. Gegen ihn liegt ein rechtskräftiges Urtheil des Landgerichts zu Berlin vor. nach dem Boeäler zu einer sechs monatlichen Gefängnißstrafe vekurtheilt ist. Außerdem liegen gegen ihn noch vier Haftbefehle vor wegen öffentlicher Beleidigung durch die Presse, hezw. wegen Aufreizung gegen eine Religionsgenossenschaft.?Lemberg, 19. Sept. . (Das neuc isr. Spital inLe m b e r g.) Am 1. Oktober d. I.. am 70. Wiegenfeste des.. Herrn Moritz Lazarus. Direktor der Galizischen k. k. priv. Altien-Hypotheken- -bank, wirb das neue, von diesem Philantropen auf eigene Kosten im Betrage von ca. 800,000 Kronen erbaute Spital an dir Verwaltung der jüdischen Gemeinde in Lemberg übergeben werden. Dieser Akt jüdischer Großherzigkeit und Menschenliebe, um dessentwillen Generationen leidender kranker Menschen den edlen Stifter segnen werden, möge überall als Beispiel dienen und die Lebensgeschichte eines Mannes erzählen, der, von Jugend auf arbeitsam, sich selbst durch Arbeit und Intelligenz emporgehoben hat. Diesem Manne, dessen Herz dem. jüdischen Volke bekannt ist, haben wir auch die Verschönerung des seit dreißig Jahren verwahrlosten jüdischen Friedhofes zu verdanken. Allein wie viele Existenzen er der christlichen sowohl als jüdischen Bevölkerung durch seine Wirksamkeitverschafft hat, darüber müßte ein ganz gesünderes Kapitel geschrieben werden. Dieses Erbe vermache ich mir selbst, sagte einmal Herr Direktor Lazarus. Möge der. Allmächtige ihn bis an die Grenzen des Menschenalters zum Wohle der galizischen Bevölkerung erhalten und die Ehre und Freude des Wohlthuns genießen lassen,, und wenn der Dichter sagt, „Mensch" ist schwer zu sein, so finden wir in dem jüdischen Herzen lies Direktors Moritz Lazarus den wahren, echten. Menschen. ' S ch wer z.v / - Basel, 17. Sept. Wahrend in anderen Städten israelitische Schüler, zum Schreiben am Sabbate angehalten worden sind, hat die hiesige oberste Schulbehörde auf's Neue ein rühmenswerthes Zeichen ihrer Toleranz gegeben, indem sie an die Rektoren der Prima-und Kinderschulen, der höheren Töchterschule, der' Realschule und des Gymnasiums folgendes Rundschreiben erlassen hat: , --- „An die Herren Schulvorsteher, Basel. . In Erledigung eines Schreibens des Herrn Rabf biners Dr. Cohn, wonach es an einzelnen hiesigen- Schulen an Klarheit gebricht darüber, welche jüdische Feiertage auf Begehren freizngeben sind und an welchen blos vom Schreiben und Zeichnen zu dispensiren ist, hat der Erziehungsrath beschlossen. Folgendes festzustellen: Es sind auf Verlangen israelitische Schüler vom Unterricht zu dispensiren an folgenden Tagen: 1) An beiden Tagen des Neujahrsfestes; 2) am Versöhnungsfeste; 3) am ersten Tage des Pefachfestes (Ostern); 5) am ersten und achten Tage des Laubhüttenfestes. . V - . \ Befreiungen vom Zeichnen und Schreiben sind denselben auf Verlangen an folgenden Tagen zu bewilligen: v 1) am zweiten, siebenten und achten Tag des Passahfestes; 2) am zweiten Tage des Wochenfesies; 3) am zweiten und neunten Tage des Laubhüttenfestes; 4) an den Sabbaten. . , Sie werden andurch höflich ersucht, hiervon Kenntniß zu nehmen und Ihrer Lehrerschaft die genaue Beobachtung obiger Bestimmung empfehlen zu wollen. Mit vorzgl.'Hochachtung Namens d. Erziehungsraths: ' Der Präsident: Prof. A. Burckhardt." -