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Der Israelit · 1902-09-18 · Heft 75 (18.9.1902) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 75 (18.9.1902)
Date
1902-09-18
Page
– (sequence 26)
Language
German
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1600 darum handelte,. neu» Verproviantirüngsverträge für die Armee abzuschließen, da erbot sich Kardinal Kollonitsch, der Erzfeind der Juden, ein geistliches Konsortium aufzustellen und er setzte es durch, daß diesem die Lieferung für die Rheinarmee übertragen wurde. Aber schon, fünf Tage später mußte Ksllonitsch das Projekt, bei dem sich für den Staat eine Ersparniß von 600,000 Gulden ergeben sollte, als unausführbar zurückziehen. Da kam dem Haffe Kollonitsch's ein Beistand aus dem Reiche durch einen Schurken, Peter von Edellak, der angab, von dem kaiserlichen Oberfaktor Samuel Oppenheimer zur Ermordung seines geschäftlichen Theilhabers Samson Wertheimer gedungen zu sein.*) Vergebens machte Kollonitsch den teuflischen Plan zu seinem eigenen, vergebens wies er den Kaiser darauf hin, wie man durch die Gütereinziehung des ersten Staatsgläubigers die österreichische Schuldenlast abschütteln könne. Kaiser Leopold erwiederte darauf mit den Worten, die ihn noch heute ehren: «Von mir soll es nicht heißen, mit Prozeß und Güterkonfiskation bezahle man," und befahl zugleich die Einstellung des ganzen Anklageverfahrens. Und als der letzte Habsburger auf dem spanischen Throne gestorben war und Frankreich und Oesterreich sich um das Erbe in den Kampf stürzten, da sehen wir wiederum den kaiserlichen Oberkriegsfaktor und Juden Samuel Oppenheimer mit der Versorgung der 2lrmee betraut, zu welchem Zwecke ihm kaiserliche Freipässe zum freien Einkauf in Böhmen, Dänemark, Sachsen, Brandenburg, Schwaben und Tyrol zugesichert wurden. Da erfolgte 1703, kurz nach dem Beginne des spanischen Erbfolgekrieges, der Tod des 72jährigen Mannes. Und jetzt zeigte sicks erst, wie er allein die Säule war, auf der der Staatskredit ruhte; denn aus die Nachricht von seinem plötzlichen und unerwarteten Ableben ergriff die Geschäftswelt eine unbeschreibliche Panik und alle Lieferungen für das Heer kamen in's Stocken. In dieser bedrängten Lage des Staates war es Samson Wertheimer, der helfend eingriff und das Werk Oppenheimers fortsetzte. Schon früher, während er noch im Lieferungsgeschäfte an der Seite und als Stellvertreter Oppenheimer's thätig war, waren mit ihm eine Reihe von Staatsanleihen abgeschlossen worden. Auch zu diplomatischen Geschäften war er verwendet worden. Als der Kurfürst von Pfalz-Reuburg, ein Schwager Kaiser Leopolds, , eine polnische Prinzessin heirathen sollte, da wurden die Unterhandlungen wegen der Mitgift der Braut Wertheimer übertragen; und der Jude muß sich des. ihm gewordenen Auftrages sehr gut entledigt haben; denn der Kaiser verehrte ihm in Gnaden und zum Gedächtniß 1000 Dpeziesdukaten, für die er sich zur fürstlichen Schmückung seiner Tafel Gold- ,und Silbergeschirr an-; *) Kaufmann: »Urkundliches aus dem Leben Samson WerthelmerS.";v. schaffen solle. Nunmehr nach dem Tode Oppenheimer's ernannte ihn der Kaiser an dessen Stelle zu seinem Oberhoffaktor, dem freie Religionsübung, unbehinderter Verkehr und Aufenthalt im ganzen Reich und unbedingte Freiheit von allen Steuern und Abgaben zugesichert worden. Das Privilegium hebt in langer Reihe die Verdienste hervor, die sich Wertheimer um den Kaiser und dessen Familie, um die Finanzen des Reiches und um die Verproviäntirung der Armeein den langjährigen Kriegen und auf den verschiedensten Kriegsschauplätzen erworben. Es ist ein sprechendes Zeugniß von der Achtung und Gunst, die.er bei Kaiser Leopold besessen. In gleicher Weise genoß er das Vertrauen der beiden Nachfolger und Söhne Leopold's, Joses's I. und Karl II., die seinen Titel und Privilegien bestätigten. Am 6. August 1724 machte der Tod seinem Wirken ein Ende. Die beiden Männer, die für Kaiser und Reich so Großes geleistet, sie haben nicht minder gewirkt im Dienste ihrer Glaubensgenossen. Weit berühmt war Samuel Oppenheimer's Haus durch seine Gastfreundschaft. Täglich wurde dort eine Tafel, gedeckt, für Arme wie für Fremde, an die sich fetzen konnte, wer nur wollte, von der man wegging, ohne sich zu bedanken. Mehr als alle Beschreibungen charakterisirte ihn das Bild, das wir noch von ihm besitzen. Es ist ein Kupferstich des Amsterdamer Meisters Pieter van der Perghe, aus dem Jahre 1703. Der einzige Schmuck, mit dem der damals 72jährige Greis sich abbilden ließ, ist ein Buch, das er in der Linken hält, auf dem die Worte prangen: «Pinkas Zedokoh umaßer" — es ist der Ausweis über seine Wohlthaten und die Verwendung des Zehnten. Nicht minder berühmt war Samson Wertheimer's Haus als Heimstätte jüdischer Gelehrsamkeit. Das reiche talmudische Wissen, das er besaß, hatte ihm eine Reihe von Auszeichnungen seitens seiner Glaubensgenossen gebracht. Die Gemeinden von Prag, Krakau und die seiner Vaterstadt Worms hatten ihn zu ihrem Titularrabbiner, die böhmischen Juden -zu ihrem Landesrabbiner erwählt. Als ihn 1717 Karl II. zum ungarischen Landesrabbiner und damit zur obersten Instanz in allen jüdischen Streitsachen ernannte, da bildete er in seinem Hause mit drei namhaften Talmudgelehrten ein Rabbinatskollegium zur Verwaltung desselben ‘ und zur Erledigung der von allen Seiten an ihn ergehenden religiösen Anfragen. Im Vereine mit Samuel Oppenheimer und dessen Söhnen hat' er die Drucklegung von Werken aus dem Nachlaß berühmter Rabbiner unter Aufwand reichlicher Mittel besorgt und damit manche Perle der jüdischen Litteratur der Vergessenheit entrissen. < ' :; Auf diese beiden Männer waren denn auch die Blicke der ganzen Judenheit. gerichtet^ als 1700 eine Brandfackel gegen die Schutzlosen geschleudert werden

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