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Der Israelit · 1902-09-18 · Heft 75 (18.9.1902) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 75 (18.9.1902)
Date
1902-09-18
Page
– (sequence 25)
Language
German
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18.Sept.1WL.j Mr. 18 WsKetsrßN md MitUdlmm i» MsZchrchZs Wr! Ssge. Vortrag, gehalten in der jüdischen Gemeindebibliothek in Nürnberg. " von Dl'. med. Theodor WevlheLmbrr. II. Weniger umwoben von der Sage, aber desto fester begründet in der Geschichte ist die Th'ätigkeit zweier Männer, die zu gleicher Zeit wie Vaermann, aber an anderer Stelle, in der Kaiserstadt Wien, wirkten, zum Wohle ihres Kaisers und zum Segen ihrer Glaubensgenossen. Kaiser Leopold I. hatte 1670 auf die Eingebung seines Rathgebers, des Kardinals Kollonitsch, die Juden aus Wien vertrieben. Aber bald kamen für Oesterreich schwere Zeiten. Ludwig XIV. ging daran, den Plan, den die französischen . Staatsmänner' Richelieu und Mazzarin schon längst entworfen hatten, auszuführen: das durch den dreißigjährigen Krieg und durch innere Fehden geschwächte deutsche Reich zu zerstückeln, die Macht des Hauses Habsburg, das die. deutsche Kaiserkrone trug, zu brechen und Frankreich zur führenden Großmacht in Europa zu machen. Von 1680 ab begann er seine Raubkriege gegen Deutschland und machte die Rheinprovinzen zum Schauplatze von Mord und Brand; zugleich aber fielen, wohl im Einverständniß mit den Franzosen, die Türken in Oesterrcich-Ungarn ein und ein langer, fast zwanzigjähriger Krieg war nöthig, um sie aus den österreichischen Ländern zu vertreiben. Oesterreich hatte glänzende Feldherren: den Herzog Karl von Lothringen, Prinz Ludwig von Baden, Prinz Eugen von Savoyen; es hatte auch Soldaten, aber es fehlte an zwei für den Krieg sehr nothwendigen Dingen — an Geld und an Proviant. Da wußte man sich wieder der Juden zu erinnern und an einem Sonntag, 2. Dezeidber 1684, zogen in Wien wieder zwei Juden ein,*) die der Kaiser sich vom Rhein, aus der Pfalz, verschrieben hatte: Eswar der Jude Samuel Oppenheimer aus Heidelberg und sein geschäftlicher Theilhaber und Vertreter, Samson Wertheimer aus Worms. Mit kleinen Lieferungen sehen wir Oppenheimer beginnen, aber mit den wachsenden Bedürfnissen der auf zwei Kriegsschauplätzen, in Ungarn und am Nbein, kämpfenden kaiserlichen Truppen wächst auch sein Unternehmungsgeist, bis er fast alle Lieferungen für das Heer, für Proviant, Munition, Montirung und Remontirung der Armee in seiner Hand vereinigte. Auf allen Straßen, in Ungarn und im Reich, gegen Türken und Franzosen, sah man Oppenheimers Wagen den Kaiserlichen den Proviant zuführen. Was alle Verschreibungen des Staates nicht vermochten, das bewirkte Oppenheimer's Unterschrift; alle Handelsplätze, alle Börsen Europas standen seinen. Wechseln offen. Die Schuldenlast, die er auf sich lud, um dem Staat aus seinen Röthen zu helfen, betrug nach wenigen Jahren bereits sechs Millionen Gulden. : So viel Verdienste sich auch Oppenheimer um den Staat erwarb, der Glanz des Hauses, die Unentbehrlichkeit des Juden reizte den Neid. Als es sich 1697 *) Kaufmann: Samson Werthelmer/-der kaiserliche Oberhoffactor und seine Kinder. , - .. - .

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