Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 75 (18.9.1902)
- Date
- 1902-09-18
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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sollte, die schweres Unheil befürchten ließ. Es war Johann Andreas Eisenmengers „Entdecktes Judenthum/ das um diese Zeit von Frankfurt a. M. aus erscheinen sollte Neunzehn Jahre und 193 jüdische Bücher hatte er angeblich zu dieser Entdeckung gebraucht, auf deren bloße Kunde hin der Pfalzgraf vom Rhein dem Autor die Professur für orientalische Sprachen an Deiner Universität Heidelberg übertragen hatte. Die Ruhmredigkeit Eisenmengers hatte allerdings die Bedrohten vorzeitig auf die bevorstehende Gefahr aufmerksam gemacht. Namens der gesammten Judenheit im Reich wendet sich am 12. Juli 1700 Wertheimer an den Kaiser, es solle das Buch, dessen Hauptzweck es sei, den gemeinen Mann und sonderlich das Landvolk zu neuer und größerer Verbitterung gegen die Juden aufzureizen, und durch dessen Verbreitung leicht Aufstand und Empörung verursacht werden könnte, konsiszirt werden. Daß die gegen die jüdischen Schriften vorgebrachten Verdächtigungen unbegründet seien, beweist er kurz damit, daß sie ja alle vor ihrem Erscheinen der Censur unterliegen. In gleichem Sinne verwandte sich Oppenheimer beim Kaiser. Und nun erfolgte — für die damalige Zeit ein Räthsel —- bereits nach kurzer Zeit der Befehl des Kaisers, die Veröffentlichung des Buches einzustellen und die Exemplare zu beschlagnahmen. Weder die Fürsprache des Pfalzgrafen vom Rhein, noch die des Königs Friedrich I. von Preußen zu Gunsten Eisenmengers, vermochten die Konfiskation rückgängig zu machen. Erst nach 40 Jahren, als es längst vergessen und unschädlich war, wurde das Buch freigegeben. Nicht so glücklich war Wertheimer, als er dem Beispiele Berend Lehmann's folgend,, zwanzig Jahre später als dieser, im Vereine mit seinem gelehrten Schwiegersöhne, dem Frankfurter Rabbiner Moses Kann, eine Neu-Ausgabe des Talmuds drucken ließ. Wohl hat er damit einen Beweis feiner Freigebigkeit für die Förderung jüdischen Wissens geliefert, aber die Censur, die er vorher gegen Eisenmenger angerufen, wandte sich diesmal gegen ihn, und wohlverschlossen lag der konfiszirte Talmud mit Eisenmengers Werk friedlich zusammen mehr als zwanzig Jahre hinter Schloß und Riegel im Armenhaus auf dem Klapperfeld zu Frankfurt a. M. Eine ganz besondere Sorgfalt hat Wertheimer den ungarischen'Juden und der Besserung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse zugewendet. Als 1.708 die Gemeinde Eisenstadt im Rakozischen Aufstand zersprengt wurde, war er es, jDer durch persönliche Bemühungen und materielle Unterstützung die Wiederbegründung der Gemeinde erwirkte. Er erbaute dortselbst ein Haus mit einer wohlausgestatteten Synagoge, die noch heute den Namen Rabbi Samsons Schul führt. Seinem forschenden Blick war es nicht entgangen, daß eine Reihe von jüdischen Familien, die Ueberreste der 1.760 von Men vertriebenen Gemeinde, zerstreut und im größten Elend auf ungarischen Dörfern umherirrten. Er sammelte sie und begründete damit an der slavischen Grenze etwa 40 jüdische Gemeinden, deren Mittelpunkt Rechnitz bildete. Noch jetzt schildert in der Rechniher Synagoge eine Inschrift die Verdienste, die er sich um' die Erbauung des Hauses erworben hat. Aber auch der deutschen Heimath hat er nicht vergessen/ Die Synagoge zu Marktbreit, wo Oppenheimer und Wert-- heimer vielfach begütert waren, bewahrt dNrch eine In-, schrist noch Heute die Erinnerung an ihren '. einstigen. Wohlthäter, der ihr ein Lehrhaus geschenkt und an dem Ausbau des Roedelseer Friedhofes werktätigen Antheil genommen. Auf dem Friedhofe zu Wertheim verkündet ein Denkstein, daß er 1714 zur Erweiterung und Ummauerung, sowie zur Reparatur der schadhaft gewordenen Steine allein die Kosten getragen , habe. Besonders eng verknüpft war jedoch Wertheimer mit' der Gemeinde Frankfurt a. M. Hier hatte -er seine . Jugendjahre verlebt u. seine talmudische Gelehrsamkeit begründet. In ihr hat er auch eine Talmudschule, eine Klaus, errichtet, eine Stiftung, die er ursprünglich seiner Vaterstadt Worms zuwenden wollte, woran ihn aber die Kriegswirren am Rhein verhinderten. Ueber; ein halbes Jahrhundert verlieh dieser Anstalt Glanz und Bedeutung der Schwiegersohn Wertheimers, der. ebenso talmudisch gelehrte, als weltmännisch gebildete Rb. Mose Kann. In Frankfurt a. M. hat Wertheimer auch einen Kampf geführt, der eines gewissen historischen Interesses nicht entbehrt. Schon früher hatte er in Frankfurt Grundbesitz erworben und dabei den Widerstand, des Rathes, der ihn zur Annahme der- Stattigkeit, d. h. zur Unterwerfung unter die'Frank-' furter Judenordnung zwingen wollte, auf Grund - feiner kaiserlichen Privilegien, die ihm freie Vesihfähig-; keit im ganzen Reiche einräumten, überwunden. Als er aber 1710 daran ging, außer dem Bereich der Judengasse, allerdings anstoßend, einen öden Grund, einen sog. Vleichgarten zu erwerben/ da trat ihm der! Rath hindernd entgegen. Jahrhunderte ' läng hätte man ängstlich darüber gewacht, daß der Jude die ihm! gesetzten Grenzen des Ghettos nicht überschreite, daß er ] keinen Fuß breit Erde außerhalb desselben erwerbe; das sollte auch dem kaiserlichen Faktor, der auf seine! Vorrechte pochte, nicht gestattet werden.' Da kam der! furchtbare Brand, von 1711 dazwischen, ber .bic ganze Frankfurter Judengasse in einen Schutt- und. Triimmerhaufen verwandelte.*) Aus einer Kämmer'über der Wohnung des Rabbiners R. Näphtäli Cohen hatte man zuerst die Flammen hervorschlagen sehen und die dumme Menge beschuldigte den großen Rabbi, daß er sinnend über die Geheimnisse der Kabala des Feuers Flammen hervorgezaubert, aber zu löschen nichts mehr vermochte. Anders, dachte Wertheimer: ., Die /engge-^ L *) Horowiß: .KrankfurterWabblnen". Ty