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Der Israelit · 1902-09-18 · Heft 75 (18.9.1902) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 75 (18.9.1902)
Date
1902-09-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Hause den Ertrag eines Platzes in der neuen Synagoge. Dem israelitischen Lehrerinnenheim in Steglitz werden 300 Mk, dem Religionsverein Oranienburger Vorstadt 300 Mk. mehr, also im Gänzen 2600 Mk. Beitrag bewilligtj Zur Erneuerung eines Denksteins in der Ehrenreihe des Friedhofes Schönhauser Allee werden 200 Mk. genehmigt. In den Vorstand der Synagoge Lindenstraße wird Herr Verthold Israel gewählt, in die Schutzkomission für Äusgewiesene Herr Professor Baginsky, in die gemischte Deputation zur Vorberathung . der Frage des Normalbesoldungs-Etats Herr Dr. Minden. > Berlin, 13. Sept. Das sehr seltene Fest des sechzigjährigen Doktorjubiläums feiert heute Sanitätsrath Dr. Neumann, der Senior der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Salomon Neumann. 1819 in Pyritz in Pommern geboren, besuchte zuerst die Schule in seiner Vaterstadt, dann das Gymnasium in Frankfurt a. O. Sein Reifezeugniß erwarb er auf dem Berliner Friedrich Wilhelm-Gymnasium, von dem er 1838 zur Universität entlassen wurde. Mährend der ersten fünf Halbjahre studirte Neumann in Berlin. Zu Lehrern hatte er Johannes Müller, Schlemm, Hecker, Schönlein, Wolfs, Jüngken. Außerhalb des Studienbereiches des Mediziners liegen zwei Kollegien Neumanns. Er hörte bei Eduard Gans über neuere Geschichte und bei Karl Ritter, der die Erdkunde zu einem Gegenstände der allgemeinen Bildung an der Berliner Universität gemacht hatte, über die Geographie Palästinas. Am Anfänge des sechsten Halbjahres wandte sich Neumann nach Halle. Er folgte, damit einem sehr häufigen Brauche. Unter den aus Berlin stammenden oder hier heimisch gewordenen Medizinern der dreißiger Jahre sind sehr viele, die in den klinischen Semestern Halle aufsuchten. Peter Krukenberg, der Halle'sche Professor der inneren Medizin, übte eine starke Anziehung aus. Er hatte es durch seine Eigenart verständen, den klinischen Unterricht in Halle so zu gestalten, daß seine Schüler mit reicheren Kenntnissen, als sie anderswo sammeln konnten, in die Praxis eintraten. Außer der Krukenberg'schen Klinik besuchte Neumann noch diejenige des Chirurgen Blasius und des Frauenarztes Hohl. Seinen Doktorhut erwarb Hohl in Halle mit einer Beschreibung von vier Fällen ' von Darmverschluß. Einer der Freunde, die bei dem Promotionsakt als Opponenten mitwirkt, n, war der damalige cand, med. Felix Niemeyer, der spätere bewährte Kliniker Nach der Ablegung der Staatsprüfung ließ sich Neumann in Berlin als Arzt nieder. Neben der ärztlichen Praxis entwickelte Reumann bald \ eine . ergiebige wissenschaftliche und gemeinniitzige Thätigkeit. 1847. trat er mit der Schrift „Die öffentliche Gesundheitspflege und das Eigenthum" hervor. Das Heft hat ein geschichtliches Interesse. Es finden sich darin die Gedanken, die in der Folge für die „soziale Medizin" maßgebend wurden. Die Schrift wurde der Anlaß, daß Neumann. 1848 Virchow und seinem Freundeskreise näher trat. Als Virchow mit Leubuscher die „Mediz. Reform" gründete, wurde Neumann ein eifriger Mitarbeiter dieses Wochenblattes, das muthig für eine gründliche Umgestaltung der Gesundheitspflege und des Medizinalwesens im freiheitlichen Sinne eintrat. Durch die Wahl zum Stadtverordneten im Jahre 1869 erhielt Neumann die Gelegenheit, für seine Ideen thaikrästiger und prakischer zu wirken. Seit Jahren hatte er sich mit der Medizinalstatistik beschäftigt. Allgemeine Fragen der Gesundheitspflege, die Krankheiten und die Sterblichkeit der Berliner Arbeiter, das Wohnungswesen, die Prostitution hatte er mit besonderer Berücksichtigung der Statistik studirt. Er hatte die Berliner Volkszählungen der sechziger Jahre bearbeitet. Dabei war ihm zum Bewußtsein gekommen, wie dringend eine amtliche Stelle für die Berliner Stadtstatistik noth thue. In dieser Erkenntniß war er sich eins mit Virchow. Auf Virchow's und Neumann's Betreiben geht die Errichtung des' statistischen Amts der Stadt Berlin, das ungemein viel für die Großstadtstatistik geleistet hat. zurück. Besonders zu gedenken ist des regen Antheiles, den Neumann an den Beratungen nahm, welche die Ausbildung des Berliner Hospitalwesens, der Jrrenpflege. der groß angelegten hygienischen Einrichtungen erheischte. Frankfurt a. M., 17. Sept. Die „Franks. Zlg." berichtet „An der Eschersheimer Landstraße Nr. 27, gleich oberhalb des Gärtnerwegs, erbebt sich ein stattlicher Neubau, den die im Jahre 1888 gegründete „Frankfurt-Loge XX 392 U. O. B. B. geschaffen hat. Am letzten Sonntag ist das neue Heim festlich eingeweiht worden, und heute waren Vertreter der Presse und andere Gäste geladen, um die schönen Räume zu besichtigen. Zunächst ist als besonders wichtig hervorzuheben, daß Frankfurt nunmehr um einen Saal bereichert worden, der in solcher Lage und Gediegenheit unserem gesammten Vereinsleben zu statten kommt. Der große, im Stil Ludwigs XI. hergestellte Saal umfaßt etwa 300 Quadratmeter Grundfläche und es haben darin an 600 Personen Platz. An den großen Saal stößt der eigentliche Logensaal, der eine künstlerische Ausstattung erhalten hat. An den Logenfaal schließen sich vier Klubzimmer. Besonders erwähnenswerth ist auch das Vestibül, um das sich die Garderoben und Verwaltungräume schließen. Vom Vestibül gelangt man auf einer breiten Marmortreppe in die Klub- und FestrLume. Die Loge, die elf Jahre hindurch in Miethräumen am Börsenplatz domizilirte, hat sich mit dem Neubau ein prächtiges Heim geschaffen." : ‘ Die Notiz der „Frankfurter Zeitung" schließt mit einigen technischen Bemerkungen und dem Lob für die ausführenden Künstler und Handwerker. Daß

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